Winsen: Verschwendung von unseren Steuergeldern

Der ominöse Aufstellstreifen wirft bei Anwohnern und Radfahrexperten Fragen auf   Foto: thl
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Grund für ihren Unmut: In Fahrtrichtung stadtauswärts wurden hinter dem alten Bahnhof nicht nur zwei Pkw-Stellplätze weggenommen, sondern auf diesen Plätzen eine dunkelgraue Fläche hingesetzt, auf der ein Fahrradpiktogramm prangt. "Das soll laut Auskunft der Behörde eine Aufstellfläche für Radfahrer sein, die hier die Straßenseite wechseln wollen", so Röhl.
Grundsätzlich keine schlechte Sache, wenn es dort nicht ein paar Punkte gebe, die Verkehrsexperten die Haare zu Berge stehen lassen. Denn die Aufstellfläche kommt völlig überraschend. Grund: Auf der Seite gibt es gar keinen Radweg. Der befindet sich nämlich auf der anderen Straßenseite und ist für beide Fahrtrichtungen freigegeben. Ein Fahrradfahren auf der Seite der Aufstellfläche ist nahezu unmöglich, da mitten auf dem dort befindlichen Fußweg die Straßenlaternen stehen und so nur wenige Zentimeter Platz zum Durchkommen lassen.
Da fällt die Tatsache, dass die Aufstellfläche mit einem so hohen Bordstein vom Pkw-Stellplatz abgetrennt ist, dass nicht einmal mehr die Kehrmaschine des Bauhofes dort zum Laub entfernen hinkommt, kaum noch ins Gewicht.

Verstoß gegen alle Regeln?

Wenn es um den Radverkehr geht, wird Aktivistin Olga Bock aus Winsen nicht müde, sich für eine bessere Infrastruktur für die Radler einzusetzen. Mit gutem Grund: Ist das Fahrrad doch mittlerweile ein dem Auto gleichzusetzendes Fortbewegungsmittel. Zudem sind die Räder auf dem bestem Weg, das Auto als Verkehrsmittel Nummer eins abzulösen.
Jetzt nahm Olga Bock den gerade aufwendig sanierten Tönnhäuser Weg (L217) unter die Lupe, nachdem das WOCHENBLATT ihr einen Hinweis auf die ominöse Aufstellfläche für Radfahrer gegeben hatte.
"Ich bin fassungslos", bestätigt Bock auf Nachfrage. "Was hier gemacht wurde, verstößt ganz klar gegen die Straßenverkehrsordnung." Damit meint sie aber nicht die Aufstellfläche ("Das ist ein großer Witz"), sondern die Tatsache, dass Radfahrer auf der Nordseite der Straße nach wie vor per Schild dazu gezwungen werden, sich den Weg mit Fußgängern zu teilen. "Und das auch noch in beide Fahrtrichtungen", ist Olga Bock entsetzt. "Der Weg ist dafür viel zu schmal." Warum es diese Anordnung gibt, wird klar, wenn man sich den Weg auf der Südseite der Straße ansieht, an dessen Ende dann die Aufstellfläche ist. Mitten auf dem Weg stehen die Straßenlaternen, sodass es dort kaum ein Durchkommen für Radfahrer gibt.
"Diese blauen Schilder müssen sofort ab", fordert Olga Bock. "Dafür müssen auf der Fahrbahn Piktogramme aufgebracht werden. Denn der Radfahrer gehört hier klar auf die Straße." Das sei auch gesetzlich so festgehalten. Einwendungen, dass Radfahrer aus Furcht vor dem starken Kfz-Verkehr nicht auf der Straße fahren, lässt sie nicht gelten. "Auf der Straße fährt man sicher, weil man gesehen wird. Das belegen zahlreiche Studien. Kein Autofahrer fährt einen Radfahrer um, den er gesehen hat", unterstreicht Bock ihre Einstellung. "Eine Fahrt auf dem Hochbord-Radweg, an dessen Ende die Straßenseite gewechselt werden muss, ist deutlich gefährlicher, weil die Autofahrer dabei den Radfahrer erst viel später wahrnehmen."

Der ominöse Aufstellstreifen wirft bei Anwohnern und Radfahrexperten Fragen auf   Foto: thl
Olga Bock zeigt: "Dieses blaue Schild muss sofort weg. Radfahrer gehören hier auf die Straße."   Foto: thl
Autor:

Thomas Lipinski aus Winsen

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