70 Jahre Volkstanzkreis Winsen
Winsens Tänzer leben Völkerverständigung

Ein Höhepunkt in der Geschichte des Volkstanzkreises: der Auftritt beim Tag der Niedersachsen 2008 in Winsen
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  • Ein Höhepunkt in der Geschichte des Volkstanzkreises: der Auftritt beim Tag der Niedersachsen 2008 in Winsen
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ce. Winsen. "16. Juni 1950 - 30 eifrige Tänzerinnen und Tänzer gründen den Volkstanzkreis Winsen (Luhe). Sie stellen sich die Aufgabe, junge Menschen durch gemeinsames Tanzen in eine Gemeinschaft gegenseitiger Toleranz zusammenzufügen.“
So beginnt die Vereinschronik des Volkstanzkreises Winsen, der in diesem Jahr seit 70 Jahren besteht. Schon kurz nach dem Start - nämlich Ende 1953 - drohte schon wieder das Aus mangels eines Tanzsaals und einer Musikgruppe als Begleitung. "Nach einem halben Jahr Tanzpause können die Tänzer am 1. Mai 1954 aufatmen. Der große Saal im neuen 'Haus der Jugend' in der ehemaligen Eppenschen Villa wird der zukünftige Übungsraum", blickt Vereinsschriftführerin Sandra Zimmermann in der Chronik zurück.
Auf Initiative des ehemaligen Winseners Kurt Gellert bekommt der Volkstanzkreis 1955 erstmals Besuch aus dem Ausland - von der Gruppe "Nordöstra Skane Folkdanzkrets“ aus Südschweden. Es ist der Beginn einer langjährigen Freundschaft mit vielen gegenseitigen Besuchen. Die Winsener knüpfen außerdem freundschaftliche Kontakte unter anderem nach Helsinki, Österreich, Frankreich und Dänemark. Der - so Sandra Zimmermann - "absolute Höhepunkt und die bisher längste Reisestrecke" der Volkstänzer ist 1986 eine Tour in die USA nach New Mexico.
Seit 2002 nehmen die Volkstänzer beinahe in jedem Jahr teil an der Europeade, dem größten internationalen Folklorefestival in Europa. Schauplätze waren beispielsweise Lettland, Litauen, Estland, Finnland, Schweden, Belgien, Frankreich, die Schweiz und Italien. Alle Reisen zusammengerechnet, bringen es die Winsener Tänzer in den bisherigen 70 Jahren ihres Bestehens auf insgesamt 65 Auslandsfahrten und Gegenbesuche.
"Volkstanz ist gelebte Völkerverständigung, es wird gemeinsam getanzt und zusammen musiziert", unterstreicht Sandra Zimmermann.
1971 gründet Anneliese "Muschi“ Lübbe eine Kindergruppe. Es ist die Einzige ihrer Art im Landkreis Harburg. Ein Jahr vor ihrem 20-jährigen Bestehen muss die Gruppe mangels Beteiligung 1990 aufgelöst werden. Bis dahin haben insgesamt 527 Kinder unter der Leitung von Anneliese Lübbe getanzt. Einen neuen Versuch startet der Volkstanzkreis 1995 unter der Leitung von Bettina Lübbe und Heike Patzig. Bis heute ist diese Kindergruppe in zwei Altersgruppen aktiv, seit fast zwei Jahren sogar mit einer "Eltern-Kind-Tanzgruppe“ für Teilnehmer ab zwei Jahren unter der Leitung von Emily Röhsler.
Natürlich gibt der Volkstanzkreis auch erfolgreiche "Heimspiele" in Winsen. Auftritte im Rahmenprogramm von Sportveranstaltungen, bei Heimatabenden oder den „Winsener Musikwochen“ prägen die ersten Jahre. Bei den Festabenden der Deutsch-Japanischen Gesellschaft und den Schlossberger Treffen ist die Gruppe jahrelang fester Bestandteil. Bei Schützenumzügen und auch bei vielen Stadtfesten sind die Musiker und Volkstänzer dabei. Als Mitglied des Heimat- und Museumvereins helfen sie seit der ersten "Swiensköst" 1984 bei der Bewirtung der Gäste. Immer wieder organisiert der Verein auch eigene Veranstaltungen in Winsen, wie seit 1999 auf Initiative von Otto Popp das Maibaumfest oder Auftritte mit befreundeten Gruppen im Rahmen der Vereinsjubiläen. Für die Volkstänzer ein echtes Highlight sind der Tag der Niedersachsen 2008 und drei Jahre später das Landestrachtenfest.
In diesem Jahr waren anlässlich des "70-Jährigen" ein großes, internationales Tanzfest und Auftritte auf dem Schlossplatz geplant. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten die Festivitäten jedoch abgesagt werden. "Die Gastgruppen aus Helsinki, Malmö, Turku, aus dem Raum Stuttgart und Düsseldorf kommen dann im nächsten Jahr zur '70+1 Feier'", kündigt Sandra Zimmermann an. "Dann heißt es wieder 'Winsen tanzt … grenzenlos'."
Einen ganz besonderen Dank richtet der Volkstanzkreis an Horst Blödorn zuteil. Er ist als Tänzer vom ersten Tag an dabei, hatte viele Jahre die Tanzleitung inne und den Vorsitz im Verein. Als einziger noch lebender "Gründervater" ist Blödorn seit 2000 Ehrenmitglied. Bis heute hält er den Volkstänzern die Treue und wird nun für 70-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet. Der Dank des Vereins geht auch an seine Frau Gisela, die nicht ganz so lange, aber "immer mit genauso viel Elan dabei" sei.
Der Volkstanzkreis würdigt in seiner Chronik zudem die Verdienste von Rita und Günter Reimann (Tänzer der ersten Stunde), Peter Fischer (über 50 Jahre eine "musikalische Stütze"), Anneliese Lübbe (gute Seele des Vereins), von Werner Lübbe, seit 2007 Vorsitzender des Vereins, und von dessen Vorgängerin Jutta Zimmermann.
Heute gehören dem Volkstanzkreis Winsen 111 Mitglieder zwischen neun Monaten und 90 Jahren an. Die Winsener Institution sei - so Sandra Zimmermann - "genau wie zu Anfang eine Gemeinschaft gegenseitiger Toleranz mit einer gemeinsamen Leidenschaft für Musik und Tanz".

Autor:

Christoph Ehlermann aus Salzhausen

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