Zoff beim TSV Winsen
Wird die Fußballabteilung an die Wand gefahren?

In der Kritik: Dagmar Luhmann   Foto: thl

Etat deutlich gekürzt / Abteilungsvorstand zurückgetreten

thl. Winsen. Donnerschlag beim TSV Winsen: Drei von vier Mitgliedern des Vorstandes der Fußballabteilung haben jetzt ihren sofortigen Rücktritt erklärt. Grund: Unüberbrückbare Differenzen mit dem Hauptvorstand.
Wie das WOCHENBLATT berichtete, wurde auf der Jahreshauptversammlung des TSV im Februar der Zoff zwischen den Fußballern und dem Hauptvorstand öffentlich. Grund war, dass der Abteilung, bei der die ersten Herren sowie eine Jugendmannschaft in der Landesliga spielen, kein Etat bekanntgegeben wurde, den sie für die rechtzeitige Planung der Saison 2019/2020 aber gebraucht hätte.
Um die Wogen zu glätten, setzte der Verein zwei Mediatoren ein, die zwischen Fußballern und Verein vermitteln sollten. Es gab aber nur ein einziges Gespräch. "Es wurde dem Hauptvorstand ein Vorschlag, auch für die Etathöhe, unterbreitet", erzählt Christian Riech, einer der beiden Mediatoren. "Doch darauf hat es keine Antwort gegeben. Da bringen weitere Gespräche auch nichts." Pikant: Wie das WOCHENBLATT aus gut informierter Quelle erfuhr, hatte Vereinsvorsitzende Dagmar Luhmann den so wichtigen Gesprächstermin so gelegt, dass sie selbst nicht teilnehmen konnte, weil sie sich im Urlaub befand. Und auch nur ein Teil des vierköpfigen Fußballvorstandes durfte angeblich an der Sitzung teilnehmen.
Anschließend kam heraus, dass der Hauptvorstand den Etat der Fußballabteilung für die neue Saison von 27.500 auf 16.500 Euro kürzen wollte - ein Minus von 40 Prozent, nachdem die Summe in der abgelaufenen Saison bereits um 10.000 Euro gekürzt worden war und der Spielbetrieb für die erste Herren nur durch die Übernahme einer 6.000-Euro-Bürgschaft eines Beisitzers aufrecht erhalten werden konnte.
Auf WOCHENBLATT-Nachfrage bestätigt Dagmar Luhmann den Rücktritt dreier Abteilungsvorstandsmitglieder. Namen will sie dabei aber nicht nennen. Das WOCHENBLATT weiß aber, dass Abteilungsleiter und Kassenwart Markus Lügger dazugehört. Deswegen kam es auf der Vereinsratssitzung am Montag auch zu einem Eklat. Das letzte Mitglied des Vorstandes - ein Beisitzer - erschien auf der Sitzung, auf der über den Etat der Fußballabteilung gesprochen werden sollte, und wurde nach eigenen Angaben von Luhmann der Tür verwiesen, "weil die Sitzung nur für Abteilungsleiter und Kassenwarte ist".
Auf der Sitzung wurde dann auch tatsächlich über den Etat abgestimmt. "Er wurde so beschlossen, wie vom Vorstand vorgeschlagen", so Dagmar Luhmann auf Nachfrage. "Es waren zwar nicht alle Abteilungsleiter da, aber der Rat war beschlussfähig. Es gab keine Einwendungen gegen den Etat."
Wie das WOCHENBLATT aus dem Vereinsrat erfuhr, wurden die Gelder nicht etwa gekürzt, weil der Verein kein Geld hat. Vielmehr erfolgte eine Umverteilung, um die Gelder gleichmäßig auf die Abteilungen nach Mitgliedergrößen aufzuteilen. Den größten Anteil des der Fußballabteilung entzogenen Geldes, nämlich rund 4.500 Euro, erhält die von Dagmar Luhmann geführte Turnabteilung. "Wenn man Gleichberechtigung will, dann müssten auch die Aufwandsentschädigungen für die Trainer angepasst werden. Während die Fußballtrainer umgerechnet für etwa einen Euro pro Stunde auf dem Platz stehen, werden in der Turnabteilung zwischen zwölf und 18 Euro pro Stunde gezahlt", so das Vereinsratsmitglied, das nicht genannt werden möchte. "Aber was soll man von einem Vorstand erwarten, von dem einige Mitglieder keinen Hehl daraus machen, dass sie für Fußball nichts übrig haben?"
Für die Vorsitzende sind aber weder die Rücktritte noch die Etatkürzungen ein Grund zur Sorge: "Wir müssen den Fußball bei uns nicht abmelden, wie es der Buxtehuder SV getan hat. Die Abteilung ist weiterhin finanzierbar und kann noch selbst Werbegelder generieren." Derzeit sei man auf der Suche nach Personen, die sich im Vorstand der Fußballabteilung engagieren wollen. Luhmann: "Am 29. Juli findet eine außerordentliche Abteilungssitzung statt, in der wir hoffentlich wieder alle Posten besetzen können." Sollte das nicht der Fall sein, wäre dies aber nicht schlimm. "Die Abteilung braucht nicht zwangsläufig einen Vorstand", so Luhmann weiter.
Für das Vereinsratsmitglied ist das reiner Hohn: "Der Termin liegt mitten in den Sommerferien, wo viele verreist sind. Das sind doch alles nur Lippenbekenntnisse vom Vereinsvorstand, um sich Personen zu entledigen, die in der Führungsriege nicht gewünscht sind. So wird die Fußballabteilung endgültig an die Wand gefahren."

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