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Vor der Stichwahl in Buchholz: Röhse und Zinnecker im Streitgespräch

Jan-Hendrik Röhse (v. li.) und Joachim Zinnecker im Gespräch mit WOCHENBLATT-Redakteur Oliver Sander (Foto: mum)
os. Buchholz. Aus fünf Kandidaten wurden zwei: Bei der Stichwahl für das Amt des Bürgermeisters haben die Buchholzer am Sonntag, 15. Juni, die Wahl zwischen dem Ersten Stadtrat Jan-Hendrik Röhse (50) und Grünen-Fraktionsvorsitzendem Joachim Zinnecker (58). Im ersten Wahlgang holte Röhse 49 Prozent der Stimmen, auf Zinnecker entfielen 27,4 Prozent. Vor dem entscheidenden Urnengang lud das WOCHENBLATT die beiden Kandidaten zum Streitgespräch ein.
WOCHENBLATT: Offensichtlich ist der Ostring ein entscheidendes Thema bei der Wahl. Was wollen Sie als Bürgermeister tun, um das Verfahren wieder in Gang zu bekommen? Immerhin hat das Verwaltungsgericht Lüneburg den Planfeststellungsbeschluss für den Ostring bereits vor drei Jahren gekippt.
Jan-Hendrik Röhse: Wenn das Urteil bestehen bleibt, muss man schauen, ob man die kritisierten Fehler bei der Zufahrt am Heidekamp beheben kann. Ich bin davon überzeugt, dass dafür keine komplett neue Planung notwendig ist. Bevor das Oberverwaltungsgericht nicht entschieden hat, kann man nicht wirklich etwas tun. Klar ist, dass Buchholz eine östliche Umfahrung braucht.
Joachim Zinnecker: Aufgabe des neuen Buchholzer Bürgermeisters ist es, mit dem neuen Landrat eine brauchbare und finanzierbare Lösung zu finden und nicht die Planung der 1970er Jahre zu zementieren. Das sind wir den Bürgern schuldig. Sollte das Urteil aufgehoben werden, stünden die Stadt und der Landkreis vor weiteren Jahren der gerichtlichen Auseinandersetzung.
Röhse: Ich halte die von Herrn Zinnecker ins Spiel gebrachte Bypass-Lösung für ein Feigenblatt, weil sie nicht umsetzbar ist. Das ist gutachterlich bestätigt worden.
Zinnecker: Der Bypass ist eben nicht bis zu Ende untersucht worden, weil die Stadtverwaltung keine genaue Verkehrsuntersuchung zugelassen hat. Dafür sagt die Stadt nicht, wie sie den Ostring finanzieren will.
WOCHENBLATT: Sie gelten beide als Anhänger des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK). Wie wollen Sie erreichen, dass das ISEK nicht nach Fertigstellung in der Schublade verschwindet, wie z.B. das Radfahrkonzept?
Röhse: Das ISEK hat eine andere Qualität als bisherige Konzepte. Es wird aus dem Rathaus mit Nachdruck betrieben und mit interdisziplinären Arbeitsgruppen vorangebracht.
Zinnecker: Das ISEK bietet zum ersten Mal die Chance, Stadtentwicklung geordnet zu betreiben. Bislang geschah das eher zufällig. Es ist gut, dass beim ISEK ein breiter Konsens im Rat besteht.
WOCHENBLATT: Sie haben beide die Bebauung des Rütgersgeländes ins Spiel gebracht. Das wird aber schon seit Jahren diskutiert. Was macht Sie optimistisch, dass die Bebauung jetzt möglich ist?
Zinnecker: Wir können jetzt mit der stadteigenen Grundstücksentwicklungsgesellschaft selbst aktiv werden. Das halte ich für wichtig. In den vergangenen acht Jahren unter Bürgermeister Geiger ist nichts passiert. Das muss sich ändern.
Röhse: Ich kann nur davor warnen, dass sich die Stadt das in Teilen kontaminierte Grundstück ans Bein bindet. Wir müssen intensiver mit potenziellen Investoren ins Gespräch kommen. Das ist in jüngster Vergangenheit schon geschehen.
WOCHENBLATT: Am Ende des Jahres muss die Stadt die noch nicht veräußerten Grundstücke im Gewerbegebiet am Trelder Berg zurückkaufen...
Zinnecker: Durch unsere eigene Entwicklungsgesellschaft haben wir endlich wieder das Heft des Handelns zurückbekommen. Das ist positiv, immerhin drohen uns Kosten in Höhe von 15 Millionen Euro. Als Erstes muss das Gewerbegebiet attraktiver gestaltet werden. Da gehören die Grünzüge rein, die im Bebauungsplan festgelegt wurden.
Röhse: Ich bin kein Freund davon, alles schlecht zu reden. Gerade in den vergangenen Monaten haben wir viele Grundstücke verkauft. Ich bin optimistisch, dass wir diese Impulse fortsetzen können.
WOCHENBLATT: Warum sind Sie der bessere Kandidat für das Bürgermeisteramt?
Zinnecker: Weil ich die Zukunft von Buchholz nicht nur verwalten, sondern gestalten will. Zudem verfüge ich über deutlich mehr Berufs- und Lebenserfahrung, die ich im Amt einbringen kann.
Röhse: Ich habe die deutlich besseren Konzepte, Buchholz modern und tolerant zu gestalten. Ich treffe auch mal Entscheidungen, die nicht überall auf Gegenliebe stoßen. Es ist immer einfach, nur gegen etwas zu sein.
WOCHENBLATT: Herr Röhse, Herr Zinnecker, vielen Dank für das Gespräch.