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Noch sind Frauen benachteiligt: Die Harsefelder Gleichstellungsbeauftragte Andrea Jülisch im WOCHENBLATT-Interview

Andrea Jülisch
Harsefeld: Familien-Informations-Zentrum (FIZ) | Seit einem Dreivierteljahr ist Andrea Jülisch (44) als Gleichstellungsbeauftragte in der Samtgemeinde Harsefeld für die Bürgerinnen und Bürger da. Jülisch ist in der benachbarten Samtgemeinde Apensen aufgewachsen, hat in Hamburg Soziologie studiert, war Projektleiterin (international) in einem großen Unternehmen und hat sich in der Flüchtlingsarbeit engagiert, bevor sie sich für die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten (19,5 Wochenstunden) bewarb. Das WOCHENBLATT hat sie in Harsefeld in ihrem Büro im Familieninformationszentrum, Herrenstraße 25a (Tel. 04164 – 887 185), besucht und zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten befragt.
WOCHENBLATT: Ist eine hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte in Harsefeld notwendig?
Andrea Jülisch: Die Stelle ist bei der Größe der Samtgemeinde vorgeschrieben. Notwendig ist sie auch, was sich ganz schnell an einem Beispiel zeigen lässt: Eine Schwerpunktaufgabe der Gleichstellungsbeauftragten ist es, die Gleichstellung innerhalb der Verwaltung zu fördern. Bei uns sind sehr viele Mitarbeiter weiblich. Davon ist keine in leitender Position. Alle Fachbereichsleiter sind männlich.
WOCHENBLATT:
Woran liegt's?
Jülisch: Auf keinen Fall an einer frauenfeindlichen Politik, ich werde z.B. vorbildlich in alle Personalangelegenheiten mit einbezogen. Es ist meine Aufgabe, die Gründe herauszufinden, für bessere Rahmenbedingungen zu sorgen und Frauen zu ermutigen, Führungspositionen einzunehmen.
WOCHENBLATT: Gilt das nur innerhalb der Verwaltung?
Jülisch: Nein, mein zweiter Tätigkeitsschwerpunkt sind externe Aufgaben, also Themen, die für Harsefeld wichtig sind. Das sind z.B. die Themen Frauen, Familie und Beruf sowie Gewalt gegen Frauen. Es ist mein Anliegen, jungen Frauen bewusst zu machen, dass sie gemeinsam mit ihrem Partner eine Familie gründen und sich die Familienarbeit teilen sollten. Denn die Zeit, die sie zugunsten der Familie aus dem Beruf aussteigen, holen sie später nicht mehr auf.
WOCHENBLATT: Ist Gewalt gegen Frauen ein Thema in Harsefeld?
Jülisch: Weltweit ist z.B. jede fünfte Frau Opfer von sexueller Gewalt, jede dritte von sexueller Belästigung. Es geht also auch darum, vorbeugend tätig zu werden, z.B. beim Thema sexuelle Übergriffe, und schon früh Kinder und Jugendliche dafür zu sensibilisieren, wo eine Belästigung anfängt. Auch in der Arbeitswelt unter Kollegen ist Aufklärung notwendig. Und ja, auch in Harsefeld gibt es Vorfälle.
WOCHENBLATT: Kommen betroffene Frauen dann zu Ihnen?
Jülisch: Ja, ich führe hier entsprechende Gespräche.
WOCHENBLATT: Wie erfahren Sie, wo Sie in Harsefeld tätig werden müssen?
Jülisch: Ich bin gut vernetzt und viele der Themen werden an mich herangetragen.
WOCHENBLATT: Kommen auch Männer zu Ihnen?
Jülisch: Noch ist es so, dass Frauen strukturell eher benachteiligt sind, daher kommen mehr Frauen. Aber ich berate auch Männer, z.B. wenn sie Elternzeit in Anspruch nehmen wollen oder Angehörige pflegen.

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