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Große Hilfsbereitschaft - wenig Vorurteile

Reiner Kaminski (r) und Dirk Seidler standen Rede und Antwort
b>mi. Rosengarten. Im Rosengarten-Ort Tötensen bringt der Landkreis voraussichtlich ab Mitte April rund 50 Asylbewerber in einem Apartmenthaus an der Hamburger Straße unter. Dagegen hatte es Widerstände gegeben (das WOCHENBLATT berichtete).
Jetzt informierten Reiner Kaminski, Sozialdezernent beim Landkreis, und Rosengartens Bürgermeister Dirk Seidler die Bevölkerung bei einer Veranstaltung im bis auf den letzten Platz gefüllten Gasthaus Kösters über die zukünftige Flüchtlingsunterkunft. Die Bürger nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen und Ängste anzusprechen.
Wer bei Gemeinde oder Kreis gedacht hatte, es könnte schwierig werden, Akzeptanz und vielleicht sogar ehrenamtlichen Einsatz für die Flüchtlinge bei den Anwesenden zu wecken, lag allerdings falsch. Die Veranstaltung zeigte: In Tötensen gibt es offenbar mehr Hilfsbereitschaft als Vorurteile. Zahlreiche Bürger trugen sich noch vor Ort in eine Unterstützungsliste ein. Probleme waren eher organisatorischer Natur. „Warum gibt es eigentlich keine Internetplattform, die das ehrenamtliche Engagement koordiniert, und warum wurde nicht im Vorfeld schon eine Anlaufstelle geschaffen?“, fragten Teilnehmer und forderten Hilfe von Kreis und Kommune ein. Bürgermeister Dirk Seidler sagte zu, die Gemeinde werde die Bürger bei der Organisation unterstützen und zum Beispiel Platz auf der Gemeindehomepage zur Verfügung stellen.
Reiner Kaminski erklärte, dass der Kreis bis Ende 2015 noch hochgerechnet 1.700 Asylbewerber aufnehmen müsse. Aktuell fehlten dazu dafür noch 733 Plätze.
Die Einrichtung in Tötensen solle 50 Asylbewerber beherbergen, erklärte Kaminski. Sie werde von einem professionellen Betreiber geführt. Die Betreuung werde durch einen Hausmeister und eine halbe Sozialpädagogenstelle gewährleistet.
Gerade dieser Betreuungsschlüssel war vielen Anwohnern zu wenig. Ebenso wurde kritisiert, dass es nicht genügend Sprachkurse gäbe. Sozialdezernent Reiner Kaminski erklärte dazu, dass für solche Wünsche schlichtweg das Geld fehle. Schon jetzt werde der Landkreis vom Land Niedersachsen nicht ausreichend unterstützt. „Wir sind hier einfach auch auf das Engagement der Bürger vor Ort angewiesen“, brachte es Bürgermeister Dirk Seidler auf den Punkt.
Ein weiteres Bürgeranliegen war die Sicherheit: Wer jetzt die Kinder schütze?, wollte ein Vater wissen. „Wir nehmen Ihre Bedenken ernst, bei insgesamt 1.500 Flüchtlingen ist nicht auszuschließen, dass es auch Konflikte gibt. Wir arbeiten intensiv mit der Polizei zusammen“, sagte Reiner Kaminski. Der Sozialdezernent stellte aber auch klar: „Absolute Sicherheit können wir nicht versprechen. Die gibt es übrigens, unabhängig vom Thema Flüchtlinge, in keiner Lebenssituation.“