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Schulen im Landkreis Harburg - Die fetten Jahre sind vorbei

Rund 13 Millionen kostete die umstrittene Oberschule in Jesteburg. Sieben Millionen kamen aus der Kreiskasse. Jetzt fehlt anderswo das Geld für dringend notwendige Struktur-Investitionen (Foto: archiv)
mi. Landkreis. Bei Schulerweiterungs- und Neubauten kann künftig nicht mehr geklotzt, sondern muss gekleckert werden: Nach langer Diskussion einigten sich die Mitglieder des Kreisschulausschusses jetzt auf deutliche finanzielle Einschnitte. Die Sporthalle für das Albert Einstein Gymnasium (AEG) in Buchholz wird bis auf Weiteres nicht gebaut, die Oberstufe der IGS Winsen anstatt in einem Neubau in Pavillons untergebracht. Die Entscheidung über die Erweiterung der IGS Hittfeld wurde vertagt.
Vor der Debatte hatten Friedrich Goldschmidt und Friedhelm Stradtmann von der zuständigen Kreisschulbehörde die Politik mit nackten Zahlen wachgerüttelt. Stradtmanns Fazit: Im Landkreis Harburg gibt es für immer weniger Schüler immer mehr Schulen. Und: Die Anzahl der Schüler, die auf den Bus angewiesen sind steigt stetig obwohl die Gesamtzahl der Schüler sinkt. Für den Landkreis bedeutet das: Die Kosten für die Schülerbeförderung sind von rund 8 Millionen (2009) auf ca. 10, 5 Millionen gestiegen.
Verantwortlich dafür sei vor allem der Wegfall der Schuleinzugsbezirke. Viele Kinder besuchten nicht mehr die Schule, die am nächsten liegt, stattdessen würden sie in die Schule befördert, die dem Elternwillen am ehesten entspricht - in einigen Fällen sogar mit dem Taxi, erklärte Stradtmann.
Für seine Ausführungen erhielt Friedhelm Stradtmann Kritik aus der Politik. Das sei nur eine Momentaufnahme. Wenn sich kreisweit eine attraktive Schulstruktur etabliere, würde sich die Schülerbeförderung schon wieder auf normalem Niveau einpegeln, kommentierte der Jesteburger Udo Heitmann (SPD).
Brigitte Somfleth (SPD) sorgte sich nach dem Vortrag nicht um die steigenden Kosten, sondern vor allem um die Anzahl der Schüler, die in den Bussen keinen Sitzplatz erhalten. Wie viele das sind, konnte Stradtmann allerdings nicht sagen.
Die Fetten Jahre sind vorbei! Das versuchte Friedrich Goldschmidt dem Ausschuss klar zu machen. Goldschmidt legte dar: Ohne eine Kreditaufnahme von rund 11, 5 Millionen Euro seien die geplanten Investitionen in die Schulneubauten nicht finanzierbar.
In der Vorlage der Verwaltung hatte Goldschmidt Alternativen zur baulichen Erweiterung der IGS Hittfeld erarbeiten lassen: Eine Beschränkung der IGS auf vier Züge, um die Kosten zu halbieren sowie die Errichtung einer IGS Außenstelle der Oberschule Rosengarten bzw. Meckelfeld.
„Ich kann mir vorstellen, dass sich in Winsen am „grünen Tisch“ solche Ideen gut anhören, nur wir müssen dann mit den Reaktionen der Öffentlichkeit leben“, kritisierte der Grüne Volkmar Block aus Rosengarten Goldschmidts Ausführungen. Norbert Fraederich (Hittfeld/CDU) bezweifelte, dass Goldschmidt alle Alternativen ausreichend geprüft hat. Der wehrte sich: „Sie haben immer schnell gerne die Hand gehoben, wenn es um Neubauten ging. Jetzt ist das eben nicht mehr so leicht. Ich lasse mich von ihnen hier nicht zum Deppen machen.“
Am Ende entschieden die Ausschussmitglieder einstimmig, das Thema auf die nächste Sitzung zu vertagen, um nochmals genau alle finanziellen Optionen zu prüfen.
Den Rotstift setzte die Politik beim Neubau der Sporthalle des AEG in Buchholz an. Obwohl Schulleiter Hans-Ludwig Hennig klar machte, dass die Schule gezwungen sein werde, Vereine aus der Halle rauszuwerfen und den Sportunterricht in die 10. Stunde auszudehnen, wurde Sporthallenbau auf Eis gelegt.