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"Eine unhaltbare Situation": Kein einziger Bahnhof in Seevetal ist barrierefrei

Wollen die Situation nicht einfach hinnehmen: Bürgermeisterin Martina Oertzen (2. v. re.), Gemeindesprecher Andreas Schmidt (li.) und die Vertreter von Seniorenbeirat und Rolly-Club
kb. Seevetal. Einfach mal spontan mit dem Zug nach Hamburg fahren oder per Bahn die Familie besuchen? Für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte, Mütter mit Kinderwagen und viele ältere Menschen ist das in Seevetal nur schwer möglich. Kaum zu glauben, aber traurige Wahrheit: Keiner der drei Seevetaler Bahnhöfe - weder Maschen, Meckelfeld noch Hittfeld - ist barrierefrei. Allein in Meckelfeld müssen Bahnfahrer, die den Pendlerparkplatz nutzen, erst 45 Stufen hinauf zum Eingang des Bahnhofs steigen, um sich von dort aus wieder über 40 Stufen hinunter zum Bahngleis zu begeben. "Die Situation ist unhaltbar", sagt Ulf Alsguth, Vorsitzender des Seniorenbeirats Seevetal.
Das sehen auch Magrid Ludewigs und ihre Mitstreiter vom Seevetaler Rolly-Club so. "Für Rollstuhlfahrer ist es unmöglich, die Seevetaler Bahnhöfe zu nutzen", so Ludewigs. Dabei wären gerade sie auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, um flexibel von A nach B zu kommen.
Die Gemeinde Seevetal führt seit Jahren Gespräche mit der Bahn und der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), bisher ohne Ergebnis. "Die Bahn fühlt sich nicht zuständig und verweist an die LNVG. Aber auch dort haben wir bisher nichts erreicht", berichtet Gemeindesprecher Andreas Schmidt. Für Bürgermeisterin Martina Oertzen kann es so nicht weitergehen. "Wir brauchen eine Perspektive, wann zumindest ein Bahnhof barrierefrei umgebaut wird", so Oertzen. In Seevetal könne man nicht nachvollziehen, nach welchen Kriterien über die Modernisierung einzelner Bahnstationen entschieden werde.
Hinzu kommt: Besonders die Haltestelle in Meckelfeld ist in einem mehr als maroden Zustand. Anwohner scherzen, dass nur die Bilder der Aktion "Bunter Bahnhof" die Station noch zusammenhalten.
Rainer Peters, Sprecher der LNVG, kennt die Situation in Seevetal. Derzeit liefen Gespräche mit der Deutschen Bahn AG, welche Bahnhöfe in die geplante dritte Runde des Modernisierungsprogramms "Niedersachsen ist am Zug" kommen könnten, das ab 2017/18 starten soll. "Die Seevetaler Bahnhöfe sind durchaus Kandidaten, aber ich kann keine Versprechungen machen", so Peters. Grundsätzlich müsse die Bahn als Eigentümerin der Bahnhöfe bereit sein, einen erheblichen Teil der Investitionskosten zu übernehmen. "Spätestens im Herbst werden wir sagen können, welche Haltestellen dabei sein werden", so Peters.
Entschieden werde u.a. nach den Fragen: Wo ist der Bedarf am dringensten? Und: Wo ist der bauliche Zustand schlecht? Danach dürften sich die Seevetaler wohl ernsthaft Hoffnung machen, zumindest in Meckelfeld endlich einen barrierefreien Bahnhof zu bekommen.