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"100-jähriger" in Hittfeld: Entscheidung vertagt

Wird noch eine Weile im Dornröschenschlaf liegen: Das Gasthaus "Zum 100-jährigen"
kb. Hittfeld. Die Hittfelder müssen weiter geduldig sein - die Umgestaltung des Areals rund um das Traditionslokal "Zum 100-jährigen" wird noch etwas auf sich warten lassen. Der Planungs- und Umweltausschuss der Gemeinde konnte sich am Mittwoch zu keiner Entscheidung durchringen, in den Fraktionen soll nun noch einmal über die drei vorliegenden Konzepte beraten werden.
Wie berichtet, treten die Unternehmensgruppe May &. Co. aus Itzehoe, terra Real Estate aus Buchholz und die Melchert GmbH aus Neu Wulmstorf an, um die Fläche in Hittfelds Ortsmitte umzugestalten. Alle Konzepte haben gemeinsam, dass der denkmalgeschützte "100-jährige" renoviert und wieder als Gastronomie betrieben werden soll.
Zuletzt ins Boot der möglichen Investoren gesprungen war die Melchert GmbH. Deren Pläne wurden erstmals auf der Ausschusssitzung öffentlich vorgestellt und stießen auf verhaltene Begeisterung. Rund 50 Eigentumswohnungen mit insgesamt knapp 4.000 Quadratmetern will die Investorengruppe, deren Zusammensetzung noch nicht feststeht, in Hittfeld bauen - zu einem Verkaufspreis von knapp 4.000 Euro pro Quadratmeter. Die Parkplätze für die Wohnanlage sollen in einer Tiefgarage untergebracht werden. Alle historischen Gebäude rund um den "100-jährigen" wollen die Investoren im eigenen Bestand halten. Angedacht sei auch eine Art Mehrgenerationenkonzept. Dass dieses angesichts der aufgerufenen Preise zu verwirklichen sei, bezweifelte die Politik stark. "Ihr Konzept grenzt viele Bevölkerungsgruppen aus, weil die sich das nicht leisten können", so Dr. Klemens Lunkenheimer (AfD).
Wenn schon nicht für einen konkreten Investor, so sollte im Ausschuss zumindest der Beschluss fallen, ob auf dem Areal neben der Erweiterung des Edeka-Marktes Wohnungen oder der von May & Co. geplante Aldi-Markt gebaut werden sollen. Doch auch das geschah nicht: May & Co. hatten in einem Treffen mit den Freien Wählern neue Zugeständnisse gemacht. Denkbar sei eine Kombination aus Wohnen und Gewerbe. Die Wohnungen könnten über den Gewerbeflächen entstehen, der Aldi-Neubau und auch die Edeka-Erweiterung kleiner ausfallen, als ursprünglich angedacht. Zudem sei der Investor bereit, die Gebäude mit einer Fachwerkfassade auszustatten, berichtete Dr. Irmelin Schütze (Freie Wähler) von dem Gespräch.
Wohnen und Gewerbe? Das kam in der Politik gut an. "Wir sollten uns das Konzept noch einmal ansehen", so Klaus-Dieter Kirchhoff von der SPD. Eine Ansicht, die die FDP teilte. Norbert Fraederich gab bekannt, dass die CDU in Richtung May & Co. tendiere, gleiches teilte Lunkenheimer für die AfD mit, der zugleich der Melchert GmbH eine Absage erteilte. Die Grünen würden eine Wohnbebauung vorziehen, so Dr. Lars Teschke.
Wie geht es weiter? Die Ausschussmitglieder einigten sich darauf, das Thema noch einmal in den Fraktionen zu beraten und eine Arbeitsgruppe zu gründen, die Rahmenbedingungen für die Investoren erarbeiten soll. Die Investoren arbeiten derweil weiter an ihren Plänen. Man habe den Architekten bereits beauftragt, die neuen Ideen zu Papier zu bringen, berichtete Jürgen Ravens, zuständiger Projektentwickler bei May & Co. Auch die Melchert Gruppe will prüfen, ob nicht doch günstigerer Wohnraum zu realisieren sei.
Dran bleiben wird auch Andreas Tietz, Geschäftsführer von terra Real Estate: "Wir sind weiterhin sehr daran interessiert Wohnraum für insgesamt 80 bis 100 Familien auf den Flächen des '100-jährigen' und der benachbarten Achilles-Fläche im Rahmen eines gemeinsamen Konzeptes zu schaffen. Der Zeitpunkt, bezahlbaren Wohnraum im Herzen von Hittfeld darzustellen ist genau jetzt." Man wolle nun die neuen Vorgaben abwarten und das Konzept gegebenenfalls noch einmal überarbeiten.

Kommentar:

Verfahren erscheint planlos

Immer wieder betonen Politik und Verwaltung, dass zügig eine Entscheidung getroffen werden muss. "Sonst kann man den '100-jährigen' bald zusammenfegen", heißt es. Geschehen ist trotzdem bisher wenig - Politik und Verwaltung erscheinen in dem Verfahren - bei dem es immerhin um ein ortsbildprägendes Areal im Herzen Hittfelds geht - etwas planlos. Warum hat man sich nicht schon viel früher auf bestimmte Vorstellungen geeinigt und konkrete Wünsche an die Investoren weitergeleitet? Warum wurde keine Frist für die Investoren gesetzt? Warum gab es bisher keinen gemeinsamen Termin mit Politik, Verwaltung und allen Investoren, bei dem nicht nur schöne Skizzen und Ideen, sondern vor allem klare Fakten und Zahlen präsentiert werden, um die Konzepte vergleichbar zu machen?
Stattdessen finden Termine im stillen Kämmerlein statt und eine Entscheidung wird weiter aufgeschoben. Es ist vernünftig, dass die Politik bei den Planungen das Beste für den Ort herausholen will - aber irgendwann muss sie sich festlegen. Die eierlegende Wollmilchsau wird es auch in Hittfeld nicht geben. Katja Bendig