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Bürokratie ist stärker als die gute Tat

Zur Abgabe von Spenden im wohltätigen "Kaufhaus mit Herz" (hi.) stellte Anke Lienhard ihr Auto auf den Bürgersteig. Der Parkwächter reagierte "gnadenlos" und schrieb einen Strafzettel

Fleißiger Park-Sheriff verteilt Knöllchen an Spender des Sozialkaufhauses in Stade / Rentnerin: "Der will Quote machen"

tp. Stade. Anke Lienhard (70) ist in Brass. Nach einer fragwürdigen Begegnung mit einem Park-Sheriff in Stade fragt sie: "Zählt eine wohltätige Tat weniger als Paragrafen?" Die Rentnerin brachte kürzlich einen Pkw voll Sachspenden zum sozialen "Kaufhaus mit Herz" in der Altsadt. Dazu stellte sie ihren Wagen umständehalber für kurze Zeit ins Parkverbot und hatte prompt ein Knöllchen an der Winschutzscheibe.

Ein großer Stapel dicker Bücher, ein Reisekoffer, ein Karton mit Gartendeko und ein sperriges, 2,20 Meter langes Rollo: Mit dieser Fracht steuerte Anke Lienhard an einem Nachmittag Anfang Juni das "Kaufhaus mit Herz" an der Straße "Bei St. Wilhadi" an. Vor dem Shop der Arbeiterwohlfahrt, der vor allem Menschen mit schmalem Geldbeutel günstige Second-Hand-Ware anbietet, gibt es keine Parkplätze. Daher wählte die Seniorin den Fußweg gegenüber des Ladens.

Nach eigenen Schilderungen wurde Anke Lienhard während der Aktion von einem Parkraum-Überwacher beobachtet. Der uniformierte Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes habe aus der Ferne kopfschüttelnd zugeschaut und die Zeit gestoppt, sagt Lienhard. "Mir war bewusst, dass ich im Halteverbot stand. Ich ging aber davon aus, dass der Parkwächter beide Augen zudrückt. Er muss mitbekommen haben, dass ich Spenden abgeliefert habe."

Doch beim Amt wiegen Paragrafen offenbar schwerer als eine gute Tat. Lienhard kassierte für sechs Minuten Falschparken einen Strafzettel über 20 Euro. Das Bußgeld hat sie widerwillig berappt. "Doch eigentlich sehe ich das nicht ein", sagt die resolute Rentnerin. Sie hat sich zweimal schriftlich bei der Stadt beschwert. Doch die Verwaltung verharrt auf ihrem Standpunkt und verweist auf Parkmöglichkeiten in einer Nachbarstraße.

In Anke Lienhard keimt der Verdacht auf, dass der Ordnungshüter die Parkplatznot rund um das gut besuchte "Kaufhaus mit Herz" bestens kennt und ausnutzt: "Der will Quote machen."

Gegenüber dem WOCHENBLATT bestätigt ein Mitarbeiter des Sozialkaufhauses, dass schon mehrere Spender wegen Falschparkens einen Strafzettel kassiert hätten.