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Wo Lady Gagas Nippel blitzen

Mit ihrem Papierobjekt "Lady Gaga": Marie Schirrmacher-Meitz
 
Unter dem Dach dieses Bungalows hat das Atelier "Ètoile de Marie" seine Räume

Freie Welt hinter der Bürger-Fassade: Internationale Künstlerin Marie Schirrmacher-Meitz (58) ist glücklich in der Provinz

tp. Hechthausen. Eine typisch norddeutsche Wendeplatz-Siedlung, in der Einfamilienhäuschen und Carports aus dem Boden sprießen - mittendrin im engen und biederen Milieu, in dem Sorgen um Raten für Bungalow und Auto die Menschen plagen, hat sich Künstlerin Marie Schirrmacher-Meitz (58) eine Gegen-Welt geschaffen: das Atelier "Étoile de Marie" (Maries Stern) am Ortsrand der Oste-Gemeinde Hechthausen. In der Künstlerwerkstatt sind Kreativität und Freiheit das Maß der Dinge.

Das Atelier wirkt von außen wie all die anderen Neubauten auf akkurat getrimmten Rasenflächen. Doch das Haus hat nur einen großen, lichtdurchfluteten Raum mit breiten Fenstern und hohen Decken.

Leichtigkeit, Helligkeit, Sauberkeit und Ordnung bestimmen hier das Arbeitsklima. "Ich habe immer ein Konzept", sagt die weit gereiste Malerin und Grafikerin, die im "Étoile de Marie" Skulpturen aus handgeschöpftem Papier schafft wie "Lady Gaga", einem stilisierten weißen Korsett mit provokant abstehenden roten Brustkegeln. Zu ihrem Portfolio gehören zudem religionskritische Installationen wie "Abendmahl - es waren 13", Kunstdrucke, extravagante Gemälde aus Farben oder Sand auf Leinwand sowie Fotografien, die sie auf internationalen Ausstellungen präsentiert.

Die Vielseitige hat ihr Handwerk von der Pike auf gelernt, studierte an der "Folkwang Universität in der Künste" in Essen. Nach dem Hochschulabschluss arbeitete sie ihrer Heimatstadt Düsseldorf als Art-Direktorin und betrieb dort eine Werbeagentur und war als Beraterin für Unternehmen der mittelständischen Industrie tätig.

Mit dem Ziel, Ruhe und Abstand vom Großstadbetrieb zu gewinnen, suchte Marie Schirrmacher-Meitz mit ihrem inzwischen verstorbenen Ehemann Robert Meitz (70†) nach einem neuen Lebensmittelpunkt in der niedersächsischen Provinz. Das kinderlose Paar wählte im Jahr 1998 - nicht zuletzt wegen der günstigen Baugrundstücke - Hechthausen als Wohnort. Inzwischen lebt die Künstlerin dort mit ihrem neuen Lebenspartner, einem Architekten.

"Wir fühlen uns wohl hier", sagt Marie Schirrmacher-Meitz, wenngleich sie "die Menschen hier als etwas verschlossen" empfindet und besonders zur Weiberfastnacht ihre rheinische Heimat vermisst. Trotz der Zurückhaltung, die Marie Schirrmacher-Meitz in ihrer Wahlheimat erlebt, kommt sie mit vielen Menschen zusammen, gibt Workshops in ihrem Atelier, reist zu Ausstellungen ins Ausland und ist in der Szene gut vernetzt. Sie ist Mitglied der Internationalen Gesellschaft der Papierkünstler (International Association of Hand Papermakers and Paper Artists) sowie Beirätin im Kunstverein Stade.

Als Kuratorin des Stader Kunstvereins organisiert Marie Schirrmacher-Meitz derzeit die Ausstellung "Schraubkunst" mit Kreativ-Wettbewerb. Mehr dazu lesen Sie in einer kommenden WOCHENBLATT-Ausgabe und im Internet unter http://www.schirrmacher-meitz.de.

• Noch bis Sonntag, 12. April, zeigt das Schloss Ritzebüttel in Cuxhaven die Ausstellung "Mond und Meer" mit Bildern von Marie Schirrmacher-Meitz und keramischen Objekten von Martin Lichtmann.