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Geburtstagsparty in Stade eskaliert

Das kleine Party-Zelt neben den von Mitgliedern der Sinti-Minderheit Reihenhäusern "Am Bullenhof"

Steinwürfe auf Einsatzkräfte in Stini-Quartier / Anwohner kritisieren "überzogenes Polizeiaufgebot"

tp. Stade. Ein Vorfall - zwei unterschiedliche Versionen: Eine Zelt-Party in der Sinti-Wohnsiedlung "Am Bullenhof" in Stade ist am Samstagabend nach Schilderung der Polizei offenbar völlig aus dem Ruder gelaufen: Die Beamten waren laut Polizeisprecher Herbert Kreykenbohm nach eine Beschwerde aus der Nachbarschaft wegen Ruhestörung zu einer größeren Feier mit ca. 100 Personen ausgerückt. Einige Gäste seien durch sehr aggressives Verhalten aufgefallen, hätten Polizisten bedroht, sie mit Steinen und Flaschen beworfen.

Beim WOCHENBLATT-Ortstermin am Montagmorgen zeichneten mehrere Mitglieder der Sinti-Gemeinschaft, die anonym bleiben wollen, ein völlig anderes Bild von dem Abend, an dem ein Sinti seinen 27. Geburtstag feierte: Der Polizeieinsatz mit großem Personalaufgebot und Anwendung von Pfefferspray sei überzogen gewesen: "Es war wie Krieg", sagte eine junge Sinti.

Zum ersten Mal rückte die Polizei gegen 19.30 Uhr mit zwei Beamten aus und konnte erreichen, dass die Musik leiser gestellt wurde. Gegen 22.50 Uhr erfolgte der zweite Einsatz wegen Ruhestörung. Aufgrund der angeblich aggressiven Stimmung beim vorherigen Einsatz fuhren nun zehn Beamte zu dem Festzelt, das neben der von Sinti bewohnten Reihenhauszeile stand.

Einige "zum Teil deutlich unter Alkoholeinfluss stehenden Partygäste waren noch aggressiver als vorher", so Polizeisprecher Kreykenbohm. Es sei zu Drohungen gekommen. Die Beamten setzten Pfefferspray ein und ließen die Musikanlage abschalten.

Als sie sich zurückzogen, wurden sie mit Steinen und Flaschen beworfen. Personen wurden nicht verletzt, drei Streifenwagen jedoch beschädigt. Mit noch mehr Verstärkung - insgesamt nun fast 40 Beamte - kehrte die Polizei gegen 1 Uhr erneut an den Einsatzort zurück, doch da hatte sich die Festgesellschaft bereits weitgehend aufgelöst. Einige Partygäste bekommen eine Anzeige wegen "schweren Landfriedensbruches".

Am Montagvormittag standen viele der Sinti vom "Bullenhof" noch unter dem Eindruck der Geschehnisse. Doch die Lage vor Ort war unübersichtlich: Die vom WOCHENBLATT-Reporter befragten Anwohner wollen ihre Namen nicht preisgeben, korrigieren die Gästezahl jedoch auf etwa 40 Personen. Seitens der Sinti wurde das Polizeiaufgebot als übertrieben wahrgenommen. Was genau geschah, lässt sich aus den inhaltlich stark abweichenden Erzählungen nicht rekonstruieren.