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Müllverbrennungsanlage: Bürger lassen Klage prüfen

Apfelernte im Herbst auf der Plantage von Dr. Jan Witt: Die Verbrennungsanlage soll nur wenige hundert Meter weiter gebaut werden. Der Rohbau steht bereits
Nicht nur die Stadt, auch fünf Privatpersonen wollen gegen die Müllverbrennungsanlage in Bützfleth vorgehen

bc. Stade-Bützfleth. Die Menschen in Bützfleth leben seit Jahrzehnten mit den qualmenden Industrieanlagen in ihrem Dorf. Die geplante Müllverbrennungsanlage (das WOCHENBLATT berichtete) wollen einige Einwohner in der Form jedoch nicht ohne Weiteres hinnehmen. Nicht nur die Stadt hat mit Unterstützung der Politik ihre Klagebereitschaft signalisiert, auch fünf Privatpersonen denken aktuell nach, juristische Mittel gegen die Genehmigung des Gewerbeaufsichtsamtes (GAA) Lüneburg einzulegen. Derzeit prüft ein Rechtsanwalt, ob eine Klage erfolgversprechend wäre.
Einer der betroffenen Obstbauern aus Bützfleth ist Dr. Jan Witt (49). Der Familienvater ist in Bützfleth aufgewachsen und betreibt im Nebenerwerb einen landwirtschaftlichen Bio-Hof. Seine ca. vier Hektar große Apfelbaum-Plantage liegt nur wenige hundert Meter entfernt vom Standort der Verbrennungsanlage, die im Rohbau bereits existiert. Die Pläne bestehen seit etwa zehn Jahren, eine Erbengemeinschaft hat sie vor Kurzem neu aufgerollt. Das GAA erteilte im vergangenen Herbst die noch fehlende dritte Teilbaugenehmigung.
Witt moniert: „Teilweise sind die Genehmigungen schon zehn Jahre alt. In der Anlage soll rückständige Technik verwendet werden. Das Genehmigungsverfahren müsste unserer Meinung nach komplett neu durchgeführt werden. Unsere Einwendungen, die wirklich fachlich gut begründet waren, wurden einfach so weggewischt.“ Bützfleth sei durch die bestehende Industrie bereits sehr vorbelastet: „Man kann hier eine solche Anlage nicht nach Schema F genehmigen.“
Der Obstbauversuchsring (OVR) des Alten Landes berät an der Niederelbe viele hundert Betriebe – darunter auch diejenigen, deren Obstflächen um die Ersatzbrennstoffanlage – wie die Anlage offiziell heißt – in den Emissionsbereichen liegen. Schon im Jahr 2007 schrieb der OVR eine Einwendung gegen das Vorhaben, in der er eine Beweissicherung mit einer Rückstandsuntersuchung der Früchte vor und während des Betriebs der Anlage forderte.
Dr. Jan Witt befürchtet, dass die Schadstoffe, die der rund 100 Meter hohe Schornstein ausspuckt, Einflüsse auf die Obstkulturen, speziell auf die Blüte und auf die Rückstände in den Früchten haben könnten: „Die zulässigen Grenzwerte der Müllverbrennungsanlage sind zu lasch.“
Die große Frage: Wie wird eigentlich kontrolliert, welcher Müll dort verbrannt wird? Was passiert, wenn doch mal ein zu stark kontaminierter Industriefilter oder Schutzanzug den Weg in die Anlage finden? Angesichts der großen Menge an Müll, die dort angeliefert werden müsste – die Anlage ist laut Genehmigung auf 175.000 Tonnen pro Jahr ausgelegt – sei eine restlos funktionierende Eingangskontrolle des Brenngutes kaum möglich, glauben Witt und seine Mitstreiter.
Nicht nur Obstbauern, auch Milchviehhalter sollten hellhörig werden. Lagere sich Industriestaub auf der Kuhweide ab, landen Schadstoffe über das Grünfutter in der Milch. Witt dazu: „Milch ist ein hochsensibles Produkt.“
Dr. Jan Witt führt den Hof in fünfter Generation in Bützfleth. Er möchte, dass seine Familie und die Bützflether Bevölkerung nicht noch mehr Gesundheitsgefahren als jetzt schon ausgesetzt werden.