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Stade: Bäume als lästiges Übel?

Thomas Kruse (BUND) hält die Tabula-rasa-Taktik der Stadt für übertrieben. Diese sechs Stieleichen sollen auf Vorschlag eines Anwohners gefällt werden. Laut Kruse sind sie aber noch vollkommen vital
bc. Stade. Geht die Stadt Stade zu lax mit dem Baumschutz um? Die Frage beschäftigt Thomas Kruse von der Kreisgruppe des Umweltverbandes BUND. Ihm ist die neu aufgelegte Fäll- und Pflegeliste der Verwaltung ein Dorn im Auge. Nicht alle der dort aufgeführten grünen Riesen müssten laut Kruse der Kreissäge zum Opfer fallen. "Man bekommt das Gefühl, dass die Stadt lieber Tabula rasa macht, als teurere Pflegemaßnahmen zu veranlassen. Ich bin erschüttert über diesen sorglosen Umgang mit dem Stadtgrün", sagt Kruse gegenüber dem WOCHENBLATT.

Er sitzt als beratendes Mitglied im Stadtentwicklungsausschuss, in dem am vergangenen Donnerstag die Fällliste auf den Tisch kam. Viel zu spät, wie Kruse findet: "Wie soll man jetzt noch feststellen, ob ein Baum vital ist oder nicht? Das Laub ist eh schon abgefallen", klagt der BUND-Mann. Diese Fällliste sei kontraproduktiv und keine gute Form der Bürgerbeteiligung.

Im vergangenen Jahr lief es laut Kruse anders. Vor Erstellung der Liste verschaffte sich die Verwaltung gemeinsam mit BUND und den Kommunalen Betrieben Stade (KBS) einen Überblick über den Baumbestand. "Das hat eigentlich gut geklappt", meint Kruse. Bis auf eine Ausnahme vielleicht. Obwohl der BUND empfahl, einen alten Baum am Bahnhof stehen zu lassen, ließ die Stadt diesen kappen.

Es entbrannte ein Streit. Ist dieser eventuell der Grund dafür, weshalb in diesem Jahr keine gemeinsame Baum-Begutachtung stattfand? Stadtbaurat Kersten Schröder-Doms hatte im Ausschuss für Kruse lediglich einen sehr lakonischen Kommentar über: "Wir wollten den BUND diesmal vor gutachterlichen Schwierigkeiten bewahren."

Eine Antwort, die Kruse wütend macht. Vor allem, weil viele gesunde Bäume auf der Liste stehen, die der BUND nie absägen lassen würde. Beispiel: Am Gertrudenweg stehen sechs Stieleichen, die auf Vorschlag eines Anwohners entfernt werden sollen. "Dabei hat der Anwohner dazu kein Recht. Die Bäume stehen auf öffentlichem Grund", so Kruse.

Das Problem der Stadt: Sie agiert bei Fäll-Entscheidungen immer im Spannungsfeld zwischen Umweltfrevel und Verkehrssicherung. Ihre aktuelle Liste schlägt 54 Bäume zur Fällung vor, 68 Ersatzpflanzungen sind vorgesehen. Knapp 100.000 Euro inklusive Pflege der Bäume sind dafür im Haushalt 2015 eingeplant. Die Stadt verfügt über eine Baumschutzsatzung. Alle Bäume sind in einem Kataster registriert.

Trotzdem: Fraglich ist in den Augen des BUND auch die Fällung einer Silberpappel am Schwingedeich. Der Riese mit einem stattlichen Stammumfang von vier Metern soll weichen, weil angeblich Äste drohen herunterzufallen. Kruse merkt in dem Zusammenhang vielsagend an: "Der Orkan Xaver im vergangenen Herbst hat übrigens keinem Baum, der auf der Fällliste stand, in irgendeiner Form geschadet."