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Experten warnen: Zuviel Nitrat im Grundwasser

Gülle auf abgeerntetem Maisacker: Es wird immer mehr gedüngt - langfristig gefährdet das auch unser Trinkwasser, sagen Umwelt-Experten (Foto: Fotolia/Wolfgang Jargstorff)
mi. Landkreis. Experten schlagen Alarm: Rund 60 Prozent der niedersächsischen Grundwasserkörper sind mittlerweile mit Nitrat belastet. Diese alarmierende Zahl nannten Wissenschaftler jetzt auf dem Symposium „Nährstoffmanagement und Grundwasserschutz“, zu denen die Ministerien für Umwelt, Landwirtschaft, und Gesundheit sowie Verbände und Fachbehörden nach Hannover eingeladen hatten.
Verursacher Nummer 1 der Nitratbelastung ist laut den Wasserschutzexperten die Landwirtschaft. Durch zunehmende Massentierhaltung, entsteht immer mehr Gülle, die auf die Felder ausgebracht werden muss. Dazu kommen verstärkt Gährreste aus der Biogasproduktion.
Nitrat kann ins Grundwasser gelangen, wenn so stark gedüngt wird, dass die Pflanzen die zugeführten Nährstoffe nicht mehr aufnehmen können. Zuerst gab es die Problematik im Weser-Ems-Gebiet mit seinen großen Massentierställen. Inzwischen handelt es sich um ein generelles Problem.
Das bestätigt auch Michael Schneemann von Wasserbeschaffungsverband Harburg. Der Verband ist für die Trinkwasserversorgung großer Teile des Landkreises Harburgs und der Stadt Buxtehude zuständig. Noch, so Schneemann, sei man von einer Grundwasserbelastung durch Nitrat nicht betroffen, denn das hier geförderte Wasser stamme aus großen Tiefen von bis zu 170 Metern. Aber, so der Fachmann, das sei kein dauerhafter Schutz. Die oberen Grundwasserschichten seien auch im Landkreis bereits oft mit Nitrat belastet.
Michael Schneemann fordert ein Umdenken in der Landwirtschaft. Es werde einfach zu viel Nitrat produziert. Und trotz der große Mengen natürlicher Düngemittel werde zusätzlich Kunstdünger auf die Felder gebracht. Zwar kooperiere man in den Wasserschutzgebieten seit langem mit den Landwirten, dennoch müsse eine Änderung der Düngemittelverordnung schleunigst erfolgen.
Kritisch sieht Schneemann auch den sogenannten Gülle-Tourismus. Gülle, zum Beispiel aus dem Emsland, landet bei uns auf den Feldern, weil sie vor Ort nicht mehr ausgebracht werden darf. Michael Schneemann: „Wollen wir unser Trinkwasser dauerhaft schützen, muss sich etwas ändern und das schnell.“
Ulrich Peper von der Landwirtschaftskammer in Buchholz sieht das Grundwasser-Problem vor allem für den Weser-Ems-Bereich als akut an. Hinsichtlich des „Gülletourismuses“ gibt er zu bedenken, dass die Gülletransporte aus Regionen mit intensiver Tierhaltung für die Landwirte dort existenziell seien, weil sonst die Anzahl der Tiere reduziert werden müsse. Ein genereller Verzicht auf Kunstdünger ist laut Peper nicht machbar, da nur Kunstdünger optimale Erträge garantiere. Allerdings könne die Menge deutlich reduziert werden. Ulrich Peper: „Eine Änderung der Düngemittelverordnung ist für die Landwirtschaft zwar nicht wünschenswert, aber akzeptabel.“