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Rasern geht es an den Kragen

Ein Blick aus dem Radarwagen über das Messgerät auf die Straße. Deutlich zu erkennen ist die eingestellte Messgeschwindigkeit
 
Der Wagen muss korrekt stehen. Deshalb misst Norbert Ewald den Abstand der Räder zum Straßenrand

Das WOCHENBLATT im Einsatz mit dem Radarwagen des Landkreises Harburg

thl. Winsen. Zu hohes Tempo ist nach wie vor eine der Hauptunfallursachen. Deswegen hat nicht nur die Polizei, sondern auch der Landkreis Harburg Rasern den Kampf angesagt. Mit zwölf Starenkästen zwei so genannten Brückenblitzern für die Autobahnen und zwei Radarwagen machen die Vollzugsbeamten der Kreisverwaltung Jagd auf notorische Bleifüße. WOCHENBLATT-Redakteur Thomas Lipinski begleitete "Radar-Mann" Norbert Ewald bei einem seiner Einsätze.
Es ist 7.15 Uhr als wir uns am Kreishaus treffen. Da hat Norbert Ewald bereits eine Tour hinter sich. "Ich bin um 3.45 Uhr losgefahren und habe die Geschwindigkeit auf der L217 kontrolliert und einige Starenkästen ausgelesen", erklärt er. Radarkontrolle mitten in der Nacht? Das sei nicht ungewöhnlich, sagt Ewald. Die Vollzugsbeamten arbeiten im Zwei-Schicht-System, können ihre Einsätze zwischen 3.45 und 19 Uhr relativ frei planen. "Aber auch zu anderen Zeiten und an den Wochenenden sind wir oft unterwegs." Kein Wunder, denn Raserei kennt keine Uhrzeit.
Es ist leicht diesig an dem Morgen, die Fahrbahnen sind feucht. Das Thermometer zeigt sieben Grad Plus. Ungewöhnlich warm für die Jahreszeit.
Unser Ziel ist die Lüneburger Straße in Winsen-Borstel. Dort postieren wir uns in der Nähe eines Kindergartens - am Messpunkt 100. Das ist einer der insgesamt 350 festen Messpunkte im Landkreis. Etwa 75 Prozent der Stellen hat der Kreis von der Polizei übernommen, der Rest resultiert aus eigenen Erfahrungen und Bürgerwünschen. Norbert Ewald misst kurz mit dem Zollstock nach, ob beide Reifen des Wagens in gleicher Entfernung zur Straße stehen und schaltet dann das im Heck des Wagens eingebaute Radargerät an.
Der Wagen, ein VW Caddy, ist am Straßenrand eigentlich gut zu sehen. Kaum zu glauben, dass überhaupt Raser erwischt werden. Zumal viele Autos, die offensichtlich viel zu schnell heranrauschen, im letzten Moment noch abbremsen. Trotzdem nimmt der Landkreis Harburg jährlich zwischen 3,5 und 4,5 Millionen Euro durch eigene Überwachungen an Bußgeldern ein. "Unsere Fahrzeuge sind zwar bekannt. Aber viele versuchen, sich das Nummernschild zu merken", erzählt der Beamte. Und das klappt nicht. Denn die Blitzer-Autos des Landkreises sind mit Wechselkennzeichen ausgestattet.
Geblitzt wird an diesem Morgen in beide Fahrtrichtungen. "Am meisten rasen Fahrer von BMW, Audi und Smart", plaudert Norbert Ewald aus dem Nähkästchen. Wie zum Beweis kommt Sekunden später ein Smart auf der Gegenfahrbahn angerast. Blitz: Mit satten 87 km/h wird der Wagen gemessen. "Das gibt ein Fahrverbot und ein dickes Bußgeld", weiß Ewald.
Beinahe im Minutentakt löst das Radargerät jetzt aus. Dabei ist das Gerät so eingestellt, dass es in der 50er-Zone erst ab einer Geschwindigkeit von 63 km/h auslöst. Auch ein Motorradfahrer wird erwischt. Tempo 85 zeigt das Radargerät an - Fahrverbot. Da der Biker von vorne geblitzt wurde und Ewald beim Vorbeifahren das Nummernschild abgeschrieben hat, wird der Mann wohl um seine Strafe nicht herum kommen. "Bei unserem Radargerät ist auch eine Gesichtserkennung durch das Visier des Helms möglich", erläutert Norbert Ewald.
Nach rund zwei Stunden will Norbert Ewald die Messung gerade beenden und den Standort wechseln, als etwas passiert, was selbst er noch nicht erlebt hat: Im Gegenverkehr kommt ein silberner Pkw angerauscht und wird mit 69 km/h geblitzt. Rund 100 Meter hinter dem Radarwagen geht der Mann in die Eisen, wendet seinen Wagen und gibt ordentlich Gas. Diesmal rauscht er mit 67 km/h durch die Radarfalle. Zwei Minuten später fährt der Mann das dritte Mal am Messwagen vorbei - diesmal allerdings mit vorgeschriebener Geschwindigkeit. Was sein Verhalten sollte, bleibt sein Geheimnis.
Insgesamt wurden an diesem Morgen gut zwei Dutzend Raser erwischt. "Aber alles in allem kann man trotzdem sagen, die Leute fahren immer vernünftiger", sagt Ewald. Er auch? Hand auf Herz, wie oft wurde er schon geblitzt? "Noch nicht einmal. Aber ich glaube, wenn man so einen Job macht wie ich, fährt man vorsichtiger."