WOCHENBLATT zu Gast auf Hinrichsens Farm in Dunsum/Föhr
Auf der Spur des Inselwhiskys

Beim Geruchs- und Geschmackstest: Jan Hinrichsen (li.) und Oliver Sander
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  • Foto: Heidrun Dernedde
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(os). Urlaub mal anders - neben Aktivitäten wie Adventure Golf, viel Fahrradfahren und Strandspaziergängen habe ich, WOCHENBLATT-Redaktionsleiter Oliver Sander, einen besonderen Tag auf der Nordseeinsel Föhr verbracht: Auf dem Hof von Marret und Jan Robert Hinrichsen im Dörfchen Dunsum habe ich einen halben Tag geholfen. Möglich wurde das, weil ich Mitglied des sogenannten Founders Clubs bin und neben anderen Unterstützern das neueste Projekt der umtriebigen Familie Hinrichsen mit einem jährlichen Mitgliedsbeitrag fördere: Im vergangenen Jahr investierte Jan Hinrichsen in eine Destillieranlage des renommierten Unternehmens Müller und stellt seitdem Brand aus Gerste her, der innerhalb von drei Jahren in Holzfässern zum ersten Föhrer Inselwhisky heranreift. Der 44-Jährige setzt große Hoffnungen in das Projekt, die Voraussetzungen für einen Erfolg sind hervorragend.
Am Mittwochmorgen mache ich mich von unserer Ferienwohnung in Wrixum mit dem Leihrad auf den Weg ins rund zwölf Kilometer entfernte Dunsum. Die meisten Urlauber schlafen noch, ich begegne nur wenigen Menschen. Auf "Hinrichsen's Farm" begrüßt mich der Hausherr, der bereits seit drei Stunden auf den Beinen ist und schon den ersten von zwei für diesen Tag geplanten Bränden für den sogenannten "New Make" angesetzt hat. Wir gehen gleich in medias res: Jan Hinrichsen drückt mir eine Schaufel in die Hand, gemeinsam wenden wir die Gerste, die in einem Extraraum, der Darre, von 40 Prozent Wasseranteil auf acht Prozent heruntergetrocknet wird. Dem Profi geht die Arbeit leicht von der Hand, ich bin deutlich langsamer.
Nebenbei erklärt mir Jan Hinrichsen die einzelnen Schritte des Whiskybrennens. Alle Zutaten kommen von der Insel: Hinrichsen baut das Getreide selbst an. Aus einer Tonne brennt er mit Hilfe von Föhrer Wasser aus dem sogenannten "Farmbier" rund 160 Liter des "New Make", der dann in Holzfässern, die z. B. mit Pedro Ximénez vorbelegt sind und dadurch einen leckeren Sherrygeschmack abgeben, heranreift. 3.800 Liter hat Hinrichsen bislang gebrannt und damit sein selbstgestecktes Ziel erreicht. Die Whiskyherstellung sei spannend, weil kein Brenngang wie der andere sei: "Das ist ein Lernprozess, der niemals endet", sagt Jan Hinrichsen. Jedes Fass, sagt er, werde später ein Unikat sein.
Die nächste Aufgabe erwartet mich auf dem Getreideboden. Dieser muss gereinigt werden. Ich muss aufpassen, dass sich der Wasserschlauch nicht in der Apparatur verklemmt, mit der normalerweise das Getreide, das dort oben auskeimen soll, gewendet wird.
Mit nassen Schuhen steige ich nach einer Viertelstunde in Jan Hinrichsens Pickup. Der Getreideboden ist sauber, der Brennvorgang für den "New Make" läuft, jetzt warten andere Tätigkeiten: Zunächst geht es zu zwei Herden, die wir mit Futter versorgen. Die Shorthorn-Rinder kommen auf Jans Rufen herbei, sind aber skeptisch, weil sie den Kerl in der blauen Jacke, also mich, nicht kennen. Letztlich siegt aber die Aussicht auf leckeres Getreide, das wir aus Eimern auf die Weide schütten.
Auf der weiteren Fahrt in Richtung Wrixum erzählt mir Jan Hinrichsen von der Geschichte des Hofes. Bis zum Jahr 1630 lässt sich diese auf Föhr nachverfolgen. Viele Vorfahren wanderten in die USA aus, die meisten kehrten irgendwann auf die Insel zurück. Ururgroßvater Hinrich Cornelius Hinrichsen überquerte im Jahr 1860 den Atlantischen Ozean und schuftete in Amerika als Holzfäller. Hinrichsens Großvater besaß in der Bronx in New York ein Delikatessengeschäft. Jan Hinrichsen blieb dagegen in Norddeutschland und übernahm den Hof in Dunsum im Jahr 1999 von seinem Vater Robert. 70 Hektar Land umfasst er. Neben Getreideanbau, den Shorthorn-Rindern, den Husumer Schweinen und dem eigenen Hofcafé sind Aktivitäten für Familien wie Swingolf, Fußballgolf oder eine Scheune mit Modell-Treckern ein weiteres Standbein der Hinrichsens - und bald eben auch der Whisky. Die Verantwortung für die Tiere trägt mittlerweile Hinrichsens Sohn Jonas (20), der nach abgeschlossener Ausbildung zum Agrarwirt nach Föhr zurückgekehrt ist und den Fortbestand des Hofes garantieren soll.
In Wrixum kommen wir bei der Bäckerei Hansen an. Jan Hinrichsen ist hier bekannt und begrüßt die Bäcker mit einem breiten "Moin!". Zusammen schaufeln wir zahllose Brötchen in die mitgebrachten Behälter. Diese dienen als Grundlage für die Burger im Hofcafé - lecker, wie ich später feststellen darf.
Unsere letzte Station auf der Rundfahrt ist der Hof eines befreundeten Milchbauern bei Utersum. Dort zapfen wir selbst frische Milch in unsere Kanister. Während ich das tue, unterhalten sich die Ur-Föhrer auf Friesisch. Ich verstehe nichts.
Zurück in Dunsum, bringen wir Milch und Brötchen in die Kühlräume. Danach gehen wir in eine Scheune und quetschen mit einem Spezialgerät Gerste zu Flocken. Diese werden später für das "Farmbier" benötigt. Die richtige Einstellung der Maschine war ebenfalls ein Lernprozess, berichtet Jan Hinrichsen. Der Weg führt uns zurück in die Destille. Der erste Brennvorgang ist fast abgeschlossen, das "Farmbier" für die zweite Runde muss noch abtropfen. Das heißt für mich, aufwendig die Schraube auf dem Bottich zu lösen. Geschafft, mein Werk ist getan. Zum krönenden Abschluss gehen Jan Hinrichsen und ich auf den Boden und probieren ein Glas aus einem Fass, das vor einem Jahr mit "New Make" befüllt wurde. Das Getränk hat schon die Farbe von Bernstein angenommen - und innerhalb von nur zwölf Monaten viele Geschmacksnoten entwickelt. In zwei Jahren wird das der erste Inselwhisky sein - erst nach drei Jahren im Fass darf ein Brand nämlich Whisky genannt werden. Ich ahne, dass wegen der hervorragenden Grundstoffe und des rauen Nordseeklimas ein besonderes Getränk herauskommen wird. So lange ist das Projekt eine Investition in die Zukunft: Steuern auf den Brand muss Jan Hinrichsen schon bezahlen, Whisky verkaufen darf er aber noch nicht.
Vielen Dank, Jan, für diesen tollen Tag. Respekt, wie viele Dinge ihr parallel organisiert. Und viel Glück für euren Whisky!

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Oliver Sander aus Buchholz

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