Straßenverkehrsregeln
Blinken ist keine Option
- Blinker-Muffel am Morgen. Wieso auch blinken? Ich kann doch sicher Gedankenlesen
- Foto: tml
- hochgeladen von Tina Lüecke
tml. Buchholz. 7.43 Uhr, irgendwo zwischen Heidenau und Buchholz. Ein silberner Kombi schert aus dem Kreisverkehr – ohne Blinker, ohne Ankündigung, ohne erkennbares Interesse an den anderen Verkehrsteilnehmern. Ich, WOCHENBLATT-Redakteurin Tina Lüecke, bremse. Der Wagen hinter mir auch. Irgendwo hupt es. Kurz darauf fährt ein SUV in den nächsten Kreisel ein – mit linkem Blinker. Warum? Unklar. Vielleicht Gewohnheit. Vielleicht ein idiotischer TikTok-Trend, von dem ich noch nichts weiß. Ich fahre täglich mindestens viermal durch Kreisverkehre und erlebe dabei ein Potpourri der Regelverstöße. Dabei ist die Regel denkbar einfach: Wer einfährt, blinkt nicht. Wer ausfährt, blinkt rechts – kurz vor der Ausfahrt. Wer im Kreis bleibt, lässt die Finger vom Blinker. Eigentlich nicht so schwer. Und doch täglich das gleiche Bild.
Christian Grau von der Fahrschule Fahrwerk in Buchholz kennt das Phänomen. Fahranfänger hielten sich noch am konsequentesten an die Regel, sagt er – mit zunehmender Routine schleife sich das ab. Das eigentliche Problem: Fahranfänger orientierten sich an erfahrenen Fahrern und übernähmen deren Fehler gleich mit. Der ADAC bestätigt: Nur etwa die Hälfte bis zwei Drittel der Autofahrenden benutzen den Blinker korrekt. „Die Hauptursache liegt in einer Mischung aus Gewohnheit, Nachlässigkeit und Unsicherheit", sagt Pressesprecherin Alexandra Serjogin. Wer beim Ausfahren nicht blinkt, riskiert zehn Euro Verwarngeld – bei Gefährdung anderer 35 Euro. Für viele offenbar keine echte Abschreckung.
Ich recherchiere, notiere und nicke selbstgefällig bei jedem Gespräch. Und dann, eines Morgens – in Gedanken ausgerechnet bei diesem Artikel – fahre ich in den Kreisverkehr ein. Mit Blinker. Rechts. Es dauert einen Moment, bis es mir dämmert, und noch einen, bis die Röte mein Gesicht verlassen hat. Verdammt. Routine schaltet das Denken ab – bei allen. Das ist keine Entschuldigung, aber eine Erklärung. Denn im Straßenverkehr sind wir nicht nur Teilnehmer. Wir sind auch Vorbilder. Blinken ist keine Kür. Es ist Pflicht. Und das gilt auch für die, die glauben, alles richtig zu machen – zum Beispiel mich.
Was ist Ihre Meinung zum Thema "Verkehrsverhalten im Kreisel"? Teilen Sie uns diese mit unter: red-buch@kreiszeitung.net – Stichwort Kreisverkehr.
Redakteur:Tina Lüecke aus Buchholz |
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