Konzertveranstalter über oft horrende Ticketpreise
"Da geht zu viel Geld drauf"

Im Jahr 1994 kostete eine Karte für die Kölschrocker BAP noch 34 D-Mark. 2008 musste man für den "Boss" Bruce Springsteen schon knapp 84 Euro und damit umgerechnet knapp das Fünffache berappen - Tendenz bis heute steigend
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  • Im Jahr 1994 kostete eine Karte für die Kölschrocker BAP noch 34 D-Mark. 2008 musste man für den "Boss" Bruce Springsteen schon knapp 84 Euro und damit umgerechnet knapp das Fünffache berappen - Tendenz bis heute steigend
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  • hochgeladen von Christoph Ehlermann

ce. Landkreis. "Ich liebe Elton John, aber das ist mir zu teuer" - "Bei Rammstein-Konzerten geht die Post ab, aber leider auch zu viel Geld für den Eintritt drauf": Stolze Ticketpreise von 482 Euro für den "Can You Feel The Love Tonight"-Sänger und 132 für die Kult-Rockband verärgern immer mehr Musikfans. Das WOCHENBLATT fragte bei Veranstaltern aus der Region nach den Hintergründen der durch die Decke schießenden Preise für Rock- und Pop-Events.
• "Der Preis pro Karte multipliziert mit den erwartbaren Verkäufen soll in der Regel alle Kosten der Veranstaltung abdecken", erklärt Onne Hennecke, Geschäftsführer der Buchholzer Empore, zu den Kriterien, nach denen der Konzerteintritt festgelegt wird. "Zu den Kosten gehören nicht nur Künstlergage, Hotel, Catering und weitere Abgaben wie GEMA oder Künstlersozialkasse, sondern auch die Kosten des Veranstalters vor Ort, etwa für den Konzertsaal, Marketing, Technik, Personal, Betriebskosten und Reinigung."
Welcher Anteil vom Ticketpreis bei Künstler und Veranstalter bleibt, hänge von den vertraglichen Vereinbarungen ab. "Häufig veranstalten wir als Empore, dann teilen wir die Einnahmen mit den Künstlern. Manchmal mieten die Künstler auch zu einem Festpreis. Dann erhalten sie alle Einnahmen, tragen jedoch auch das Risiko der Veranstaltung", so Hennecke.
Die Eintrittspreise würden mit den Künstlern abgestimmt. "Veranstaltungen mit unserem Empfinden nach deutlich zu hohen Eintrittsforderungen haben wir auch schon abgelehnt", räumt Hennecke ein. "Ziel der Empore ist es, hochwertige Veranstaltungen zu akzeptablen und im Vergleich zu Hamburg auch günstigeren Preisen für die Menschen vor Ort anzubieten. Als von der Stadt Buchholz bezuschusstes Veranstaltungszentrum gehört dies zu unseren Aufgaben."
Bei vielen Weltstars sei in den vergangenen Jahren "das Maß verloren gegangen", was die Konzertticket-Preise betreffe. "So kosten die schlechtesten Plätze bei Elton John 2020 in Hamburg schon rund 100 Euro, und wer vernünftig sehen will, muss sogar knapp 190 Euro pro Karte zahlen", weiß Hennecke. "Ich persönlich bin dazu nicht bereit und gehe lieber in kleinere Konzertsäle und Theater", betont er auch mit Blick auf die Burg Seevetal in Hittfeld und die Winsener Stadthalle, wo der Kulturverein regelmäßig Veranstaltungen präsentiert. "Dort ist das Live-Erlebnis viel besser, und es gibt keine Massenabfertigung."
• "Die Karten für Konzerte und andere Events können sich viele Menschen heute nicht mehr leisten", weiß auch Stephan Schmidt, der seit über 20 Jahren eine Konzertkasse in Buchholz betreibt, aus Erfahrung. "Die Harry-Potter-Show in Hamburg beispielsweise kostet pro Ticket rund 100 Euro. Da sie aus zwei Teilen besteht, muss man insgesamt 200 Euro hinblättern. Das ist selbst hart gesottenen Potter-Fans kaum zuzumuten", ist Schmidt überzeugt. Bei ihm fließen in der Regel von jeder verkauften Karte etwa 30 Prozent an den Künstler und rund 6,5 Prozent an den Kartenverkäufer. Der Rest geht unter anderem an die jeweiligen Ticket-Portale. Diese sind zum Teil auch Eigentümer der Veranstaltungsorte und bekommen somit zudem eine Miete vom Veranstalter. Sein "Rekord-Erlebnis" als Ticketverkäufer hatte Stephan Schmidt bei einem Klitschko-Boxkampf in Hamburg, der pro Karte bis zu satten 1.500 Euro kostete. "Selbst dieser Preis hielt einen gut betuchten Boxfan nicht davon ab, gleich vier Tickets zu kaufen - und in bar zu bezahlen!"
• "Bei der Festlegung der Ticketpreise für ein Konzert spielt auch das Preisgefüge für den Künstler auf dem Markt eine entscheidende Rolle", betont Silvia Stolz, Geschäftsführerin und Intendantin des Stadeums in Stade. Ein Mitspracherecht bei der Preisgestaltung habe der Veranstalter, wenn er die Gage für den Künstler bezahle, und bei Beteiligungen. Die "individuelle Schmerzgrenze", was der Konzertgänger für eine Show zu zahlen bereit ist, hänge auch vom Rahmen ab, in dem das Konzert stattfinde. "Für ein Clubkonzert eines namhaften Künstlers liegt die Schmerzgrenze deutlich höher als beim gleichen Künstler im Stadion", so Silvia Stolz. "Letzten Endes richten sich die Preise - wie auf jedem Markt - danach, was angeboten und was nachgefragt wird."
• "Der Ticketpreis muss all unsere Ausgaben abdecken und zumindest sicherstellen, dass wir kostendeckend arbeiten. Manchmal ist nur allein das unser Ziel, wenn wir beispielsweise von einem Nachwuchskünstler sehr überzeugt sind", sagt Jonas Rohde PR- und Marketing-Coordinator beim Hamburger Veranstalter FKP Scorpio Konzertproduktionen GmbH. Scorpio präsentiert unter anderem das "A Summer's Tale"-Festival, das 2021 zum sechsten Mal in Luhmühlen stattfinden wird. "Grundsätzlich müssen wir als nicht geförderter Kulturveranstalter natürlich wirtschaftlich arbeiten und Gewinn erzielen, um unsere eigenen Mitarbeiter zu bezahlen", so Rohde weiter. "Musik ist ein Kulturgut und muss möglichst erschwinglich bleiben", unterstreicht er in puncto Ticketpreis-Schmerzgrenze. "Wir versuchen daher, möglichst wenige der gestiegenen Kosten direkt an unsere Besucher weiterzugeben."

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