BNE - Projekttage am Albert-Einstein Gymnasium
Die Erinnerung an den Holocaust muss wachgehalten werden!

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Der 'Holocaust' ist eines der erschütterndsten Verbrechen in der Geschichte der Menschheit. Doch inwiefern ist die Erinnerung daran heute noch innerhalb der Gesellschaft präsent?

Dies war eine der Fragen, denen Schüler:innen im Rahmen der vom 18.06. bis 20.06. stattfindenden Projektwoche am Albert-Einstein-Gymnasium nachgehen konnten. Im Zentrum dieser Projekttage stand die Auseinandersetzung der Schüler:innen mit den 17 Zielen der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).
Emma-Louise Hornburg und Charlotte Klatt aus dem 12. Jahrgang wählten hierfür das Projekt „‚Holocaust‘? Shoah? Was ist das?  - Was weiß Buchholz über die Ermordung der europäischen Juden durch NS - Deutschland?“ aus. Das zentrale Vorhaben bestand darin, mittels selbst entwickelter Fragen den Kenntnisstand über den 'Holocaust' bei der Buchholzer Bevölkerung abzufragen. Als Anregung hierzu fungierte die Umfrage der im Januar 2025 veröffentlichten Jewish Claims Conference. Die 1951 gegründete Organisation setzt sich das Ziel, 'Holocaust'- Überlebende weltweit finanziell zu unterstützen, indem sie Entschädigungen von Deutschland einfordert. Zudem engagiert sie sich zunehmend für Bildung und Erinnerung. Besonders bekannt sind ihre internationalen Umfragen zum Wissen über den 'Holocaust', deren Ergebnisse immer wieder alarmierende Bildungslücken zeigen.
Um zu ermitteln, wie gut sich Buchholz mit den Fakten rund um das Thema 'Holocaust' auskennt, erstellten Emma-Louise und Charlotte einen ausführlichen Fragenkatalog, der historisches Wissen, aber auch die persönliche Einschätzung der Befragten zur deutschen Erinnerungskultur und der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Lage abfragte. In den Gesprächen mit Passant:innen in der Buchholzer Innenstadt stellte sich heraus, dass ihre Fragen teilweise unbeantwortet blieben: Einige Befragte gaben an, entweder noch nie den Begriff 'Holocaust' gehört zu haben oder zumindest nichts damit verbinden zu können. Darüber hinaus war das Wort „Shoah“ kaum einer befragten Person bekannt. Dieser aus dem Hebräischen stammende Begriff bezieht sich nur auf den Völkermord an den Juden und schließt somit alle anderen Völkermorde an anderen Gruppen aus. Im Gegensatz dazu bezeichnet der 'Holocaust' die systematische Vernichtung ganzer Bevölkerungsgruppen während des NS-Regimes. Diese beinhaltet unter anderem Gruppen wie Sinti und Roma, Behinderte oder politische Gegner.
In einem weiteren Fragenblock wurde der Umgang mit der Erinnerungskultur thematisiert. Im Mittelpunkt dieser Fragen stand unter anderem die Bedeutung der Konzentrationslager. Im Angesicht der drohenden Niederlage im Zweiten Weltkrieg versuchten die Nationalsozialisten, alle Beweise für ihre grauenhaften Verbrechen zu vernichten. Daher zeugen die Konzentrationslager als Beweisstücke und Relikte noch heute auf ungeschönte Art und Weise von den Schrecken der damaligen Zeit und mahnen, die Geschichte sich nie mehr wiederholen zu lassen. Hier stellte sich heraus, dass viele der Befragten zwar im schulischen Kontext ein Konzentrationslager besucht hatten, jedoch nur wenige je ein Angebot der zahlreichen Gedenkstätten in Deutschland privat wahrgenommen hatten. Stattdessen setzten sich viele Befragte mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinander, Erzählungen von Großeltern beschränkten sich jedoch häufig auf die Gräuel des Zweiten Weltkriegs und lassen die Ereignisse des 'Holocausts' weitestgehend unangetastet.
Trotz dieser zunächst ernüchternden Ergebnisse konnten Emma-Louise und Charlotte jedoch ebenfalls positive Erkenntnisse verzeichnen: Alle Befragten betonten die Verantwortung des deutschen Staates, die Erinnerung an die Grauen des 'Holocausts' aufrechtzuerhalten, und sprachen sich klar für eine anhaltende Präsenz des Themas in Schulen und öffentlichen Institutionen aus. Dabei äußerten sie zwar Bedenken hinsichtlich eines übermäßigen Schuldgefühls, lehnten aber allesamt den von der AfD thematisierten „Schlussstrich“ entschieden ab.
Die Befragung zeigte auch, dass viele Menschen mit großer Besorgnis negative Entwicklungen in der Gesellschaft verspüren. Auf die Frage, ob gewisse Parallelen in der Rhetorik der AfD und der NSDAP bestünden, antworteten viele Befragte mit „Ja“. Diese Tatsache stuften sie gleichzeitig als sehr gefährlich und besorgniserregend ein. „Ich verstehe nicht, woher der ganze Hass kommt“, äußerte sich eine Befragte dazu. Besonders eindrücklich fanden Emma-Louise und Charlotte die von einer Befragten verwendete Beschreibung unserer Gesellschaft als „Ellenbogengesellschaft“. Dieser Begriff spiegelt die von allen Befragten wahrgenommene gesellschaftliche Entfremdung treffend wider.
Doch was kann dagegen getan werden, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt schwindet? „Das Wichtigste ist eigentlich Zeit füreinander und miteinander“, sagte eine der Befragten. Die beiden Schülerinnen sehen es als durchaus positives Zeichen, dass alle Befragten den Wunsch äußerten, unsere Gesellschaft in Zukunft stärker zusammenwachsen zu sehen. Die durchgeführte Umfrage zeigt, dass historisches Wissen über den Holocaust nicht selbstverständlich ist – dass jedoch gleichzeitig ein starkes gesellschaftliches Bewusstsein für die Bedeutung von Erinnerung und Zusammenhalt vorhanden ist. Damit dies so bleibt, ist stetiges gesamtgesellschaftliches Engagement für die Aufrechterhaltung unserer Erinnerungskultur dringend notwendig. Das Handeln eines jeden Einzelnen kann dazu beitragen, dass ein Verbrechen wie der 'Holocaust' nie wieder zugelassen wird.

Emma-Louise Hornburg und Charlotte Klatt (Jg. 12)

Leserreporter:

Albert-Einstein-Gymnasium aus Buchholz

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