Am 25. November ist Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen
Die Opfer werden nicht allein gelassen

Etwa jede vierte Frau erlebt einmal in ihrem Leben körperliche oder sexualisierte Gewalt
  • Etwa jede vierte Frau erlebt einmal in ihrem Leben körperliche oder sexualisierte Gewalt
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  • hochgeladen von Anke Settekorn

(as). Gewalt gegen Frauen passiert überall und zu jeder Zeit. Frauen werden bedroht, belästigt, geschlagen, zum Sex gezwungen oder eingesperrt. Betroffen sind Frauen aller sozialen Schichten.

Allein im Landkreis Stade sind in diesem Jahr drei Frauen an den Folgen häuslicher Gewalt gestorben. Etwa jede vierte Frau in Deutschland erlebt laut Kriminalstatistik 2018 einmal in ihrem Leben körperliche oder sexualisierte Gewalt. Doch vielfach bleiben die Vorgänge im Verborgenen. "Die Dunkelziffer ist wesentlich höher. Wir erleben eine Zunahme der häuslichen Gewalt", sagt Anne Behrends, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Stade. Viele Frauen trauen sich nicht, über ihre Gewalterfahrung zu sprechen oder dagegen vorzugehen.

Gegen Diskriminierung und Gewalt jeder Form gegenüber Frauen und Mädchen setzt der "Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen" am Montag, 25. November, ein Zeichen.

Im Landkreis Harburg haben im vergangenen Jahr 285 Frauen auf die Erstberatung durch die Beratungsstelle BISS zurückgegriffen - und 37 Männer, die ebenfalls Opfer häuslicher Gewalt, sei es durch Familienangehörige oder Partnerinnen, waren. In Stade wurden 385 Fälle bei der BISS bekannt, 339 Opfer waren Frauen, 46 Männer. Sie haben 308 Mal eine telefonische oder persönliche Beratung in Anspruch genommen. Die Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS) unterstützt kostenlos und anonym Opfer in Krisen­situationen, informiert über das Gewaltschutzgesetz, hilft bei der Sicherheitsplanung oder vermittelt bei Bedarf an weitere Einrichtungen. Frauen und ihre Kinder, die akut von häuslicher Gewalt bedroht und betroffen sind, finden in den Landkreisen Stade und Harburg darüberhinaus Schutz im Frauenhaus. Die Mitarbeiterinnen helfen den Opfern häuslicher Gewalt bei der Wohnungssuche, Anträgen beim Jobcenter oder unterstützen die Frauen, wenn es gilt, Besuchs- oder Sorgerechtsregelungen zu treffen. Im Landkreis Harburg wurden 2018 38 Frauen und 45 Kinder im Frauenhaus aufgenommen, in Stade waren es 29 Frauen und 26 Kinder.

Doch nicht nur im häuslichen Bereich erfahren Frauen Gewalt. Auch im Alltag, am Arbeitsplatz oder in anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen können sie bedroht oder von Gewalt betroffen sein. Der Landkreis Harburg hat deshalb eine neue "Beratungsstelle für Mädchen und Frauen, die von Gewalt betroffen sind" in Winsen geschaffen (Borsteler Weg 1, Tel. 04171-6008850). Sie richtet sich an alle Mädchen und Frauen mit Gewalterfahrungen unabhängig vom Zeitpunkt und der Art der erlebten Gewalt. Sie berät Opfer von körperlicher, psychischer oder sexueller Gewalt, zum Beispiel Stalking, Mobbing oder Vergewaltigung. Im Gegensatz zur Erstberatung bei BISS ist hier auch eine längerfristige Begleitung möglich. "Mit einem Gespräch ist es oft nicht getan", sagt Diplom-Pädagogin Dörthe Heien, die den Frauen in der neuen Beratungsstelle zur Seite steht. "Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, benötigen neben der Krisenintervention auch eine mittel- oder langfristige Unterstützung. Das kann praktische Hilfe sein oder jemand, der einfach nur zuhört", berichtet Heien. Die neue Beratungsstelle berät anonym, kostenfrei und vertraulich.

Der Schutz der Opfer steht zwar an erster Stelle, doch auch die Arbeit mit den Tätern ist wichtig, ist Stades Gleichstellungsbeauftragte überzeugt. "Wenn die Frauen unsere Beratungsangebote aufsuchen, ist es meist schon zu spät - sie wurden bereits Opfer von Gewalt. Wir benötigen dringend Täterberatungsstellen, in denen wir präventiv tätig werden können", fordert Behrends. "Es kann nicht sein, dass die Opfer sich ein neues Leben aufbauen müssen, und der Täter kann weiterleben wie bisher und muss sich nicht verändern", kritisiert Behrends.

Mit dem Bundesinvestitionsprogramm "Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen" will der Bund von 2020 bis 2023 insgesamt 120 Millionen Euro in den Aus-, Um- und Neubau von Frauenhäusern und Beratungsstellen investieren.

• Anlässlich des Aktionstags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen informiert der Verein Weisser Ring gemeinsam mit der Polizeiinspektion Harburg am Mittwoch, 27. November, von 10 bis 14 Uhr in der Buchholz Galerie (Breite Straße 16) über Hilfsangebote für Opfer von Gewalttaten.

Kostenloses Hilfetelefon

Unter der kostenfreien Rufnummer 08000-116016 und über www.hilfetelefon.de können sich betroffene Frauen, Angehörige, Freunde sowie Fachkräfte zu allen Formen von Gewalt gegen Frauen beraten lassen. Unterstützt werden Betroffene aller Nationalitäten, mit und ohne Behinderung – 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr, in 17 Sprachen. Die Beratung erfolgt anonym und kostenfrei.  

Wer hilft Opfern von Gewalt?

An folgenden Anlaufstellen erfahren Opfer (häuslicher) Gewalt Hilfe:
Die Polizei über das Notruftelefon 110
Beratungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt (BISS), (Landkreis Harburg, Tel. 04181-2197921 http://diakonie-hittfeld-winsen.de/biss) sowie 04141-534415 (Landkreis Stade, www.awostade.de/biss-beratungsstelle)
Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises sowie die Gleichstellungsbeauftragten der Kommunen
Das Frauenhaus bietet einen Zufluchtsort für Frauen und deren Kinder, die Opfer häuslicher Gewalt sind, Tel. 04181-217151 (Landkreis Harburg), sowie Tel. 04141-44123 (Landkreis Stade)
Der Weiße Ring, Tel. 116006, www.weißer-ring.de
Die Rechtsantragsstellen der Gerichte (für Anträge nach dem Gewaltschutzgesetz

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