"Ich finde den Anblick verstörend"
Heftige Diskussion in Buchholz: Darf ein Gemälde mit zielenden Schützen direkt neben einer Schule aufgehängt werden?

Stein des Anstoßes: das Gemälde am Schützenhaus in 
unmittelbarer Nachbarschaft zur Waldschule (hinten)
  • Stein des Anstoßes: das Gemälde am Schützenhaus in
    unmittelbarer Nachbarschaft zur Waldschule (hinten)
  • hochgeladen von Oliver Sander

os. Buchholz. Ist es eine normale Darstellung der vielfältigen Aktivitäten im Schützenwesen oder ein waffenverherrlichender Affront? Um das neue Gemälde an einer Seitenwand des Schützenhauses einer der größten Schützenvereine im Landkreis Harburg, dem SV Buchholz 01, ist eine heftige Diskussion entbrannt. Denn: In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die Grund- und Oberschule Waldschule, täglich laufen jetzt hunderte Kinder und Jugendliche an dem Gemälde vorbei.
Auf dem Gemälde, das von dem Vereinsvorstand um Schützenpräsident Andreas Wirth in Auftrag gegeben wurde und von einem Vereinsmitglied angefertigt wurde, sind sieben zielende Schützen in verschiedenen Disziplinen zu sehen - von Bogen- bis zu Gewehr- und Pistolenschützen.
"Ich finde den Anblick sehr verstörend, auch in unserer Elternschaft kommt das Gemälde überhaupt nicht gut an", kritisiert Kirsten Fuhrmann, Leiterin der Waldschule. "So etwas gehört nicht direkt neben eine Schule!" Für Laien sei nicht erkennbar, dass es sich um Waffen handeln könnte, die im Schützenwesen benutzt werden. "Man sieht nur Menschen, die aufeinander zielen", erklärt Kirsten Fuhrmann. Das sei befremdlich und widerspreche dem Grundsatz der Schule: Man predige den Schülern immer wieder, keine Gewalt anzuwenden oder Waffen zu nutzen. Sie hoffe, dass sie im Dialog mit dem Schützenverein Überzeugungsarbeit leisten könne, damit das Gemälde ins Schützenhaus gehängt wird. Hintergrund: Am gestrigen Dienstagabend war ein Treffen von Vertretern der Waldschule und des Schützenvereins angesetzt.
Beim Schützenverein kann man die Aufregung nicht verstehen. Es handele sich bei den Abbildungen der Schützen um die offizielle Darstellung des Deutschen Schützenbundes sowie des Deutschen Olympischen Sportbundes, heißt es in einer Stellungnahme des SV-Vorstandes um Wirth, seinen Stellvertreter Peter Greese und Referent Waffenrecht Mike Oswald. Es würden keine gewaltverherrlichenden Szenen dargestellt oder kriegerische Bildnisse gezeigt. Es würden lediglich Menschen in Sportbekleidung und den dazugehörigen Sportgeräten gezeigt. Kinder gingen offen und wertneutral mit solchen Belangen um. "Es sind in der Regel vorurteilbehaftete Eltern, die ihre Meinung kundtun, ohne sich vorher mit dem Thema objektiv auseinandergesetzt zu haben", betont der Vorstand. Man habe eines der schärfsten Waffengesetze der Welt. Seit dessen Inkrafttreten im Jahr 1972 habe es zwei tragische Amokläufe an Schulen gegeben - in Erfurt (2002) und in Winnenden (2009). "Wir Menschen sind nicht wie in den USA", erklären Wirth und seine Mitstreiter.
Die eingeschaltete Landesschulbehörde will zunächst das Gespräch zwischen Schule und Schützenverein abwarten. Eine rechtliche Prüfung des Vorgangs sei nicht geplant.

• Was denken Sie, liebe Leserinnen und Leser? Soll das Gemälde am Schützenhaus hängenbleiben oder sollte es entfernt werden? Schreiben Sie uns eine E-Mail mit Ihrer Meinung an oliver.sander@kreiszeitung.net.

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