Birgit Lohmeyer aus Jamel:
Öffentlichkeit gegen rechts
- Birgit Lohmeyer im Film der ARD
- Foto: Engelmann
- hochgeladen von Ingo Engelmann
Achtzig Buchholzer waren auf Einladung des „Bündnis für Demokratie“ in die Rathauskantine gekommen, um gespannt zu lauschen, wie Birgit Lohmeyer aus dem Widerstand gegen den Rechtsextremismus in ihrer mecklenburgischen Heimat berichtet. Vielen stockte der Atem, als sie von schwerer Brandstiftung, Beleidigungen und alltäglichen Behinderungen hörten – wie zum Beispiel eines Tages die Grundstücksausfahrt ihres alten Forsthauses durch eine Fuhre Mist versperrt war. Als Birgit und ihr Mann Horst 2004 in den kleinen Ort zwischen Grevesmühlen und Wismar zogen, war ihnen nicht klar, worauf sie sich einlassen würden. Heute ist Jamel eine rechte Hochburg. Das Dorf-Motto: „Dorfgemeinschaft Jamel – frei – sozial – national“.
2007 begannen die Lohmeyers, eine überregionale Öffentlichkeit gegen die Demokratiefeinde zu mobilisieren. Ihr Festival „Jamel rockt den Förster“ mit einem Wechsel aus politischen Diskursen und musikalischer Bühne zieht seitdem immer mehr engagierte Menschen aus ganz Mecklenburg und der Republik an. Mit 3500 Teilnehmern stößt das Festival mittlerweile an die Grenze seines Wachstums. Die Solidarität der ohne Gage auftretenden Größen aus Rock und Pop hat einen ganz eigenen groove. Herbert Grönemeyer, Die Toten Hosen, Die Ärzte und viele andere waren schon da für einen Auftritt auf der Open-Air-Bühne. Diese Schilderung berührte viele im Buchholzer Publikum.
Anschließend gab es im Publikum viele Fragen. Wie hält man das in diesem Dorf mit den ganzen Anfeindungen aus Die Öffentlichkeit des Festivals und von monatlichen Soli-Treffen hilft viel, berichtete Lohmeyer. Der von der ARD ausgestrahlte Filmbericht über „Jamel rockt den Förster“, von dem Ausschnitte auch bei dieser Veranstaltung gezeigt wurden, und die Schirmherrschaft der Landespolitik (z.B. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig) sind ebenso hilfreich. Wollen die Lohmeyers doch irgendwann weg aus Jamel? Nein, steht für sie fest. Ihr Försterhaus mit dem Garten ist auch ein Ort der Kraft für sie. Und man entwickelt mit der Zeit eine gewisse Unerschütterlichkeit, auch wenn man die Unverschämtheiten rechter Kräfte nie widerspruchslos hinnehmen darf.
Und so nahmen für die Buchholzer Veranstaltungsgäste das Resümee von Birgit Lohheide mit: Jeder sollte an seinem Platz und in seinem Umfeld (Freunde, Familie, Kollegen…) Grundwerte von Menschlichkeit, Respekt und Würde fördern und leben. Und viele fanden: Das Försterhaus in Jamel und seine Bewohner sind dafür ein Vorbild.
Bereits am Nachmittag war Birgit Lohmeyer mit SchülerInnen der IGS Buchholz in einen regen Dialog getreten. Diese hatten sich mit der ARD-Dokumentation "Jamel - lauter Widerstand" auf Lohmeyers Besuch vorbereitet. Das Bündnis plant weitere Veranstaltungen für „MUT Macher“.
Leserreporter:Ingo Engelmann aus Buchholz |
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