"Mehr Fachkräfte in den Kitas durch Quereinstieg"

"Fokussierung auf das duale System muss gut durchdacht sein": BBS-Abteilungsleiterin Birgit de Buhr
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BBS Buchholz: Ab Februar werden 46 Quereinsteiger zu Sozialpädagogischen Assistenten ausgebildet

(os). Die Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistenz, die berufsbegleitend in Teilzeit für Bewerberinnen mit vorheriger Berufsausbildung und Berufserfahrung angeboten wird, erfreut sich an den Berufsbildenden Schulen (BBS) steigender Beliebtheit. Weil sich 46 Personen angemeldet haben, wird im kommenden Februar erstmals eine zweite Klasse eingerichtet. „Es zeigt sich, dass die Möglichkeit des Quereinstiegs ein guter Baustein in der Gewinnung von Fachkräften ist“, sagt Birgit de Buhr, Abteilungsleiterin der berufsqualifizierenden Berufsfachschulen und der Fachschule Sozialpädagogik an den BBS Buchholz. Neben dieser berufsbegleitenden Ausbildung besteht seit diesem Sommer auch die Möglichkeit, die darauf aufbauende Erzieherausbildung berufsbegleitend in Teilzeit an den BBS Buchholz zu absolvieren.
Ein weiterer wichtiger Baustein für die Fachkräftegewinnung ist die Zahlung einer Vergütung. Hier will der Bund den Ländern finanziell helfen. Bundes-Familienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte jüngst zu, den Ländern rund 300 Millionen Euro für eine Fachkräfteoffensive zur Verfügung zu stellen - zusätzlich zu den zugesagten rd. 5,5 Milliarden Euro aus dem Kita-Gesetz. „Der Erzieherberuf muss attraktiver werden. Bund, Länder, Kommunen und Tarifparteien müssen dafür sorgen, Verbesserungen zu erreichen", sagte Giffey.
Reichen finanzielle Anreize, um das Problem fehlender Erzieherinnen und Erzieher schnell zu lösen? „Eine Vergütung der Ausbildung ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das alleine ausreicht mehr Erzieherinnen und Erzieher in die Einrichtungen zu bekommen", sagt Birgit de Buhr. „Uns fehlen schlichtweg die jungen Leute. In sehr vielen Ausbildungsbetrieben werden derzeit Auszubildende gesucht."
Schon jetzt sei der Erzieherberuf der zweitstärkste Ausbildungsberuf in Niedersachsen nach dem Einzelhandel - laut Landes-Bildungsministerium waren es im März dieses Jahres 14.000 Auszubildende. „Eine Analyse, wie viele Erzieherinnen tatsächlich fehlen, könnte helfen weitere Maßnahmen zu identifizieren, um noch mehr junge Menschen für den Erzieherberuf zu begeistern", erklärt Birgit de Buhr. Sie weist darauf hin, dass die von vielen Seiten geforderte Fokussierung auf das duale System gut durchdacht sein sollte. Grund: Laut dem "Deutsche Qualifikationsrahmen" (DQR), einem Instrument zur Einordnung von Qualifikationen im deutschen Bildungssystem, liegt die Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistentin (SPA) auf der Stufe 4, die Ausbildung zum Erzieher auf Stufe 6. „Das entspricht dem Niveau eines Bachelorstudiums", verdeutlicht Birgit de Buhr.
Dieses Niveau in der Erziehung, Bildung und Betreuung der Kinder gewährleiste eine qualitativ hochwertige Arbeit in den Einrichtungen. Den Vorwurf, dass der praktische Teil der Ausbildung bei Erziehern zu gering sei, lässt die Praktikerin nicht gelten: Die Ausbildung finde bereits heute an zwei Lernorten statt. Die Verzahnung von Theorie und Praxis sei gesetzlich verankert und werde so auch durchgeführt. Die sozialpädagogischen Assistentinnen gehen drei Tage pro Woche zur Schule und arbeiten die beiden anderen Tage in den Einrichtungen. Der praktische Teil der angehenden Erzieherinnen erfolge über regelmäßige Blockpraktika bzw. in der berufsbegleitenden Ausbildung dualisiert (zwei Tage Schule und drei Tage Einrichtung).
Dass sich in der Region viele sozialpädagogische Assistentinnen sowie Erzieherinnen und Erzieher ausbilden lassen, verdeutlichen die Zahlen der BBS Buchholz und der BBS Winsen. Im kommenden Sommer verlassen an beiden Standorten zusammen 150 sozialpädagogische Assistentinnen sowie 70 Erzieherinnen und Erzieher die Schulen.
Wenn die SPA und Erzieherinnen die BBS mit einem Abschluss verlassen, haben sie laut Birgit de Buhr eine fast 100-prozentige Gewähr, eine Arbeitsstelle zu finden. Sozialpädagogische Assistentinnen verdienen laut Angaben des DRK ca. 2.500 Euro brutto pro Monat, nach drei Jahren steigt das Gehalt auf ca. 2.700 Euro. Erzieherinnen und Erzieher beginnen mit ca. 2.900 Euro brutto, nach drei Jahren erhalten sie ca. 3.100 Euro.

Lesen Sie auch: Kinder, wie die Zeit vergeht: Magret Heinrich blickt auf 45 Jahre Kita-Alltag zurück

Autor:

Oliver Sander aus Buchholz

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