"Harmonisches Gespräch" ohne Ergebnis
Streit um Schützengemälde in Buchholz: Schulleitung und Vorstand des Schützenvereins sind uneins über die Einordnung

Stein des Anstoßes: das neue Gemälde an der Wand des Schützenhauses in Buchholz. Über die Bewertung sind sich Schulleiterin Kirsten Fuhrmann (kl. Foto, li.) und Schützenpräsident Andreas Wirth uneins
  • Stein des Anstoßes: das neue Gemälde an der Wand des Schützenhauses in Buchholz. Über die Bewertung sind sich Schulleiterin Kirsten Fuhrmann (kl. Foto, li.) und Schützenpräsident Andreas Wirth uneins
  • hochgeladen von Oliver Sander

os. Buchholz. Überaus groß war die Resonanz der WOCHENBLATT-Leserinnen und -Leser auf den Artikel "Ich finde den Anblick verstörend", in dem es um die Diskussion über ein Gemälde mit zielenden Schützen am Schützenhaus des SV Buchholz 01 ging. Kirsten Fuhrmann, Leiterin der benachbarten Grund- und Oberschule Waldschule, hatte kritisiert, dass ein Bild mit diesen Motiven nicht in die unmittelbare Nachbarschaft einer Schule gehöre. Der Vorstand des SV Buchholz 01 hatte argumentiert, dass es sich bei den Bildnissen um offizielle Darstellungen des Deutschen Schützenbundes handele.
Bei einem Gespräch mit jeweils vier Vertretern der Schule um Kirsten Fuhrmann und den Schützenverein um Präsident Andreas Wirth am Dienstagabend kamen die beiden Parteien nicht auf einen gemeinsamen Nenner. Fuhrmann und Wirth lobten zwar die angenehme Atmosphäre und das "harmonische Gespräch", beide beharrten aber auf ihrer Sicht der Dinge. Fuhrmann forderte erneut die Beseitigung des Gemäldes, weil es "der falsche Standort für eine Vereinswerbung" sei und Laien in den Abbildungen nicht Sportschützen, sondern Menschen mit Waffen sähen. Wirth betonte, dass der Verein das Bild nicht abnehmen wolle.
Nach dem Gespräch beschloss der SV-Vorstand, an dem Werk kleine Änderungen vorzunehmen. So soll ein Pistolenlauf in der oberen Ecke z. B. durch das Logo des Deutschen Schützenbundes ersetzt werden. Zudem solle neben dem Bild eine Legende mit kleinen Erläuterungen zu den Bildnissen angebracht werden. "So kann jeder, der sich mit dem Bild beschäftigt, erkennen, worum es eigentlich geht", erklärt Wirth.
Die allermeisten WOCHENBLATT-Leserinnen und -Leser plädieren dafür, dass das Gemälde hängen bleibt. Wir veröffentlichen wegen der Fülle der Zuschriften und Kommentare einen Teil der Meinungen, zum Teil sind diese gekürzt.

Pro Gemälde

Oliver Sieh: "Es handelt sich um völlig harmlose Darstellungen des Schützensports und Kritik daran kommt von überkandidelten Eltern der Generation Schneeflocke. Schützenvereine erfüllen, wie alle Sportvereine, eine wichtige gesellschaftliche und integrative Funktion."
Dennis Meins: "Selten hat sich unser Verein einer so großen Zustimmung wie bei dem Gemälde erfreuen können. Das zeigt mir, dass unser Verein doch noch eine große Befürwortung in der Buchholzer Bevölkerung hat."
Sarah Märschel: "Hier sollte nicht jedwede Darstellung von Waffen weggesperrt und 'verheimlicht', sondern aufgeklärt und informiert werden. Einen verantwortungsvollen Umgang mit Waffen und deren Munition zu lehren, wäre didaktisch sinnvoller, als alles zu verstecken, um keine Konfrontation zu riskieren."
Achim Peters: "Jugendabteilungen bestehen nun mal aus Schülern und Jugendlichen. Wenn man bedenkt, wie viele Kinder durch den Schieß- und Bogensport plötzlich kein ADHS mehr haben und kein Ritalin mehr nehmen müssen, müssten die Lehrer eigentlich im Unterricht und an den Sprechtagen dafür werben."
Jörn Engmann: "Hat dieses Land keine anderen Probleme als so einen Schwachsinn? Sollen sich die Gutmenscheneltern lieber über Kinderarmut, kaputte Schulen und Gewalt gegen Kinder aufregen oder über Parkanlagen, in denen Drogenspritzen zentimeterdick herumliegen."
Florian Hyner: "Ja, Waffen können gefährlich sein, aber viel gefährlicher ist eine Waffe, wenn sie in unbedarfte Hände fällt. Im Schützenverein lernt man natürlich das Know-how, mit den Waffen umzugehen, aber halt auch den sportlichen Gedanken und dass alles andere keine Option ist."
Gordian Fromme: "Ich finde es verstörend, dass Frau Fuhrmann und einige Eltern Angst haben, ihren Kindern verantwortungsvolles Handeln beizubringen oder beibringen zu lassen. Irgendwann kommen die Kleinen sowieso in Berührung damit. Ich fühle mich wohler dabei, wenn sie vorher gelernt haben, wie man damit verantwortungsbewusst umgeht."
Claus Winhard: "Zwölfjährige, die sich Gewaltvideos und Pornos auf dem Smartphone reinziehen, interessieren niemanden. Ein völlig harmloses Werbeplakat für einen Schützenverein wird dagegen zum Fanal der Gewaltverherrlichung hochstilisiert. Damit beweist die Schulleiterin, dass sie den Lehr- und Bildungsauftrag einer Schule nicht wahrnehmen kann."
Ingo Krüger: "Hier könnte man doch Toleranz und Weltoffenheit zeigen und den Kindern erklären, dass es Menschen gibt, die Waffen als Sportgeräte und Werkzeuge betrachten und damit auf Scheiben schießen."
Steffi Eckhoff-Emme: "Warum werden Traditionen plötzlich zum Feind? Auch auf diese Schule gehen einige Kinder, die im Schützenverein sind. Dieses 'alles in Watte packen' ist doch keine Lösung."

Kontra Gemälde

Immo Richter: "Ich habe das Gemälde nicht in natura gesehen. Es erscheint es mir wie eine billige Werbung der Waffenlobby. Ein Kunstwerk ist es jedenfalls nicht und auch keine Augenweide."
Antje Bendin: "Grundsätzlich habe ich mit Menschen, die Schießsport betreiben, nur sehr gute Erfahrungen gemacht. Diese Menschen halte ich für die letzten, von denen irgendeine Form der Bedrohung ausgeht. Dennoch sollte dieses Bild nicht neben einer Schule hängen. Was den Abbildungen nämlich fehlt, ist das jeweils fixierte Ziel. Die dargestellten Personen zielen aufeinander."
Christiane Kourist: "Es ist angesichts der Ereignisse in Winnenden und Erfurt nicht zu begreifen, wie man ein solches Bild neben eine Schule platzieren kann. Und ich finde es ungeheuerlich, besorgte Eltern dann auch noch als 'vorurteilsbehaftet' zu bezeichnen, die sich um eine gewalt- und waffenfreie Erziehung ihrer Kinder bemühen."
Kristian Stemmler: "Kinder sehen auf dem Plakat erst mal nur, wie Leute offenbar aufeinander schießen wollen, da sie das Plakat im Gegensatz zu Erwachsenen in der Regel nicht einordnen können. In Zeiten, in denen viele Jugendliche Stunden mit Ballerspielen verbringen, in denen überall die Gewalt zunimmt (siehe der Mord am CDU-Politiker Walter Lübcke), sollte auch ein Schützenverein mehr Sensibilität zeigen."
Heike Bollinger: "Ich finde das Wandbild neben der Schule äußerst unpassend. Ganz sicher werden hierauf nicht alle Schützen in Sportkleidung gezeigt, wie der Vorstand behauptet. Ich empfinde das Bild als Erregung öffentlichen Ärgernisses und Provokation."

Und dann gibt es noch Stimmen, die das anregen, was der Schützenverein jetzt umsetzen möchte. Gerd Söffgen, Sportleiter des SV Hollern-Twielenfleth, erklärt: "Ich finde das Gemälde nicht gefährlich, es sollte hängenbleiben. Vielleicht könnte man es etwas entschärfen. Irgendwo könnte man das Wort Sportschützen unterbringen, ein oder zwei Zielscheiben im Bild würden auch gut aussehen."

Auf ein Wort

Die Geste des Vereins ist richtig

Es gibt das schöne Wort "Fachchinesisch". Das beschreibt Formulierungen und Darstellungen, die für Laien und Außenstehende unverständlich erscheinen. Im übertragenen Sinn hat der Schützenverein Buchholz 01 genau das gemacht: Dass die Bildnisse der Schützen die offizielle Darstellung des Deutschen Schützenbundes sind, weiß vielleicht der Experte, aber mit Sicherheit nicht der Passant.
Aus diesem Grund finde ich die Entscheidung des Vereinsvorstandes, das Gemälde zu modifizieren und damit deutlicher zu machen, richtig. Wenn dann noch ein Schriftzug ergänzt wird, der die Intention verdeutlicht - z. B. "Lerne die gesamte Bandbreite des Sportschießens kennen" oder "Wir brauchen Verstärkung - mach mit beim Sportschießen", könnte das der entscheidende Beitrag sein, um die Stimmung zu befrieden und die Diskussion nicht ausarten zu lassen. Denn eines ist klar: Schulleiterin Kirsten Fuhrmann hat nicht das Schützenwesen an sich in Frage gestellt, wie viele Kommentatoren unterstellen. Sie hat sich lediglich gegen den Standort und die Darstellung ausgesprochen, dass Schützen scheinbar auf die Passanten schießen. Von daher sind auch Kommentare, dass Kirsten Fuhrmann den Schülern weiter beibringen solle, "ihren Namen zu tanzen", wenig hilfreich. Oliver Sander

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