Streit im Jugendfußball
Wann dürfen Spieler abgeworben werben?

Immer früher werden Fußballer abgeworben. Aktuell fürchtet die FSV Tostedt um den Verlust dreier Leistungsträger, an denen der Buchholzer FC interessiert ist
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  • hochgeladen von Sascha Mummenhoff

FSV Tostedt kritisiert Buchholzer FC für Abwerbung von drei 15-Jährigen.

mum. Buchholz/Tostedt. Am Mittwoch stand der FC Chelsea im Europa-League-Finale. Das Spiel endete mit einem 4:1-Sieg gegen Arsenal London. Für den Club von Milliardär Roman Abramovich war der Sieg wichtig, um über eine besondere Situation hinwegzutrösten. Der Welt-Fußballverband wirft dem FC Chelsea vor, gegen die Bestimmungen zur Verpflichtung von ausländischen Jugendspielern verstoßen zu haben. Die Strafe: Erst im Sommer 2020 soll der Londoner Verein wieder neue Spieler kaufen dürfen. Ganz so schlimm geht es im Landkreis Harburg noch nicht zu - zumindest wurde hier noch kein Verein vom Verband bestraft. Aber: Frank Dohnke, stellvertretender Vorsitzender des Niedersächsischen Fußballverbands im Kreis Harburg und Vorsitzender des Jugendausschusses, kennt die Problematik nur zu gut. "Immer am Ende der Saison mehren sich die Beschwerden von Vereinen, deren Spieler von anderen Clubs abgeworben werden", so Dohnke. "Leider müssen wir feststellen, dass die betreffenden Kicker immer jünger werden." Vor einigen Jahren standen Spieler ab der C-Jugend (ab 14 Jahre) im Fokus. Heute geht das Abwerben bereits früher los. Dohnke sind Fälle bekannt, wo den Kindern beziehungsweise Jugendlichen Versprechen gemacht worden sind. "Da geht es um neue Schuhe oder eine Playstation im Fall des Wechsels", so Dohnke. Im Hintergrund stehe nicht selten ein Vater, der als Sponsor viel Geld in das Team investiert.
"Als Verband haben wir nur die Möglichkeit, an die Vereine zu appellieren, fair miteinander umzugehen", so Dohnke. Dazu gehöre es, den betreffenden Verein zu informieren, bevor die Kontaktaufnahme zu dem Spieler beziehungsweise dessen Eltern erfolgt. Dohnke weist auf die Wechselfristen hin. Von der G- bis zur jüngeren D-Jugend (bis zwölf Jahre) ist eine Verweigerung bei einem Wechselwunsch nicht möglich. Von der älteren D- bis hin zur A-Jugend (18 Jahre) beträgt die Wartezeit bis zur Spielerlaubnis bei einer Verweigerung sechs Monate nach dem letzten Punktspiel. Theoretisch sind ab der C-Jugend sogar Ablösezahlungen denkbar.

Aktuell liegt die FSV Tostedt mit dem Buchholzer FC im Streit. "Der BFC versucht, drei unserer U 15-Spieler abzuwerben", sagt FSV-Obmann Safa Esfandiar. "Nur weil die Buchholzer unbedingt in die Landesliga aufsteigen wollen, gehen sie über Leichen." Tostedt hat den Aufstieg in die Bezirksliga nichts geschafft. Die Jungs würden sich also deutlich verbessern. "Aber für die Mannschaft wäre der Abgang der Leistungsträger das Aus", ist sich Esfandiar sicher. "Unser Kader ist nicht so groß, dass wir das kompensieren können." Er fürchtet einen Domino-Effekt.
Klaas Jensen, Vorsitzender des BFC, kennt die Kritik aus Tostedt. Sein Sohn Bent Ole ist der Trainer, der die Tostedter Spieler angesprochen hat. Jensen bringt die Problematik auf den Punkt: "Wir alle sind Fische in einem Teich und werden von größeren Fischen gefressen." Dabei ist Jensen vor allem der Umgang der Trainer und Vereine untereinander wichtig. "Die BFC-Trainer sind angehalten, unseren Jugendleiter und den des betroffenen Vereines über den Abwerbeversuch zu informieren." Dass dies auch im aktuellen Fall erfolgt ist, bestätigen beide Seiten. Der BFC, laut eigener Homepage "der größte und erfolgreichste Jugend-Fußball-Verein im Landkreis Harburg", bedient sich zwar bei Spielern anderer Vereine, muss aber auch selbst Leistungsträger abgeben. "Im Winter haben wir zwei unserer Schlüsselspieler an Regionalligisten verloren", so Jensen. "Das fiel uns als Verein für die Mannschaft nicht leicht. Aber wir halten es für richtig, den Spielern in ihrer Entwicklung weiterzuhelfen und sie die sportliche Herausforderung annehmen zu lassen - auch wenn unser Ziel, der Landesliga-Aufstieg, damit natürlich deutlich schwieriger wird."
Zudem ist Jensen wichtig: "Alle Jungs, die zurzeit bei uns spielen, sind aus unserer Jugend oder von selbst, also ohne Ansprache durch uns, zu uns gekommen." Im Tostedter Fall habe der BFC mit der Ansprache der Spieler abgewartet, bis deren Aufstieg in die Bezirksliga nicht mehr möglich war. "So fair haben sich die Vereine, die bei uns zugeschlagen haben, nicht verhalten", so Jensen.

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