Streit um Erntehelferjob endete mit Messerangriff

Das Schöffengericht verurteilte einen Erntehelfer zu einer Bewährungsstrafe, weil er einen Obstbauern mit dem Messer angegriffen hatte
  • Das Schöffengericht verurteilte einen Erntehelfer zu einer Bewährungsstrafe, weil er einen Obstbauern mit dem Messer angegriffen hatte
  • Foto: archiv
  • hochgeladen von Tom Kreib

Erntehelfer nach Messerattacke zu Bewährungsstrafe verurteilt

tk. Buxtehude. Der Angeklagte vor dem Schöffengericht Buxtehude ist für eine Messerattacke auf einen Jorker Obstbauern mit einer Haftstrafe von zehn Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, sowie 100 Stunden gemeinnützige Arbeit noch relativ glimpflich davon gekommen. Erdogan C. hatte sich auf Obstbauer M. gestürzt und erst ein Sprühstoß Pfefferspray der Polizei konnte ihn stoppen. In seiner Urteilsbegründung ließ Richter Erik Paarmann keinen Zweifel daran, dass er so manchen Schilderungen von C., aber auch vom Obstbauern, nur eingeschränkt Glauben schenkt.

Fakt ist: Erdogan C. war an einem Dezemberabend 2016 auf dem Hof in Jork. Er suchte Arbeit als Erntehelfer. Der als Flüchtling anerkannte Kurde gab an, dass er schon vorher intensiven Kontakt zum Hofinhaber gehabt habe und der ihm den Job versprochen habe. An der Haustür kam es dann zum Streit. C. soll gesagt haben: "Geld, Arbeit oder ich steche Dich ab". Außerdem, so der Obstbauer als Zeuge, sei der Angeklagte handgreiflich geworden. Er will den Erntehelfer vorher nicht gekannt haben.

Der Schilderung des Angeklagten, was nach dem ersten Streit geschehen sein soll, schenkte das Gericht keinen Glauben. Gemeinsam mit drei polnischen Erntehelfer habe ihn der Obstbauer zusammengeschlagen, vom Hof habe er nicht flüchten können.

Weil der Streit eskalierte, hatte Ms. Frau mittlerweile die Polizei gerufen.
Die wollte Cs. Personalien feststellen. Dabei zog der Angeklagte plötzlich ein Messer, schüttelte zwei Polizeibeamte ab und stürzte sich auf M. Aufgrund der Aussagen eines der Beamten bestand für das Gericht kein Zweifel an diesem Tatvorwurf, der juristisch versuchte gefährlich Körperverletzung ist. Obstbauer M. formulierte es so: "Der wollte sehen, wie dick mein Speck ist." Der Jorker Polizeibeamte ging davon aus, dass die Attacke Cs. sich nicht gegen die Beamten gerichtet habe. Der Mann habe sich nach der Tat noch bei den Polizisten entschuldigen wollen.

Der Angeklagte, der verheiratet ist und drei Kinder hat, seine Familie lebt noch in der Türkei, arbeitet inzwischen auf einem anderen Obsthof als Helfer. Von seinem Monatslohn von 1.150 Euros schickt er monatlich 500 bis 600 Euro in die Türkei, um seine Familie zu unterstützen. In ihrem Plädoyer äußerte die Staatsanwältin durchaus Verständnis dafür, dass C. dringend Arbeit gesucht habe und er an dem Abend daher frustriert gewesen sei. Sie forderte ein Jahr und drei Monate Haft, auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, sowie die 100 Stunden Arbeitseinsatz.
Cs. Pflichtverteidiger Fabian Fritsch forderte dagegen eine Geldstrafe. Dass er Arbeit gewollt habe und seinen Arbeitgeber bedroht habe, hält der Anwalt für wenig glaubwürdig. "Das wäre doch komplett blöd." Mit dem Messerangriff habe sein Mandant, wie von ihm beschrieben dem Obstbauern nur Angst machen wollen. "Das ist keine versuchte Körperverletzung."
Das sah das Schöffengericht anders. Die "Abstech-Drohung" zu Beginn der Auseinandersetzung hielt das Gericht für wenig wahrscheinlich. Den späteren Angriff schon: "Sie sind ausgerastet", sagte Richter Paarman zum Angeklagten, fügte aber hinzu. "Sie machen einen vernünftigen Eindruck." Es sei daher nicht davon auszugehen, dass es zu einer Wiederholung komme.

Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Panorama
3 Bilder

13. Mai: Die Corona-Zahlen im Landkreis Harburg
Zwei weitere Corona-Tote

(os). Traurige Nachrichten an Himmelfahrt: Der Landkreis Harburg meldet am heutigen Donnerstag, 13. Mai, zwei weitere Corona-Tote. Damit steigt die Zahl der Menschen, die seit Ausbruch der Pandemie mit oder am Coronavirus verstorben sind, auf 109. Die Siebentage-Inzidenz sinkt dagegen weiter. Sie lag heute bei 56,6 - nach 64,9 am Vortag. Keine einzige Gemeinde weist zurzeit einen Wert von über 100 auf. Bislang meldete der Landkreis Harburg insgesamt 6.430 Coronafälle (+15), 6.071 Menschen (+21)...

Politik
Vor dem an einer Hauswand in Tangendorf prangenden XXL-Logo der Baustopp-Bürgerinitiative (v. li.): die BI-Mitglieder Johannes Bünger, Dr. Linda Holste und Nele Braas
2 Bilder

Bürger wollen Baggerstopp
Tangendorfer fühlen sich bei Kiesabbau-Plänen ungenügend einbezogen

ce. Tangendorf. Der vom Garstedter Kieswerk Lütchens über einen Zeitraum von etwa 30 Jahren geplante Kiesabbau im Bereich zwischen den Gemeinden Garstedt, Wulfsen und Toppenstedt solle "von einer verlässlichen, kontinuierlichen und transparenten Kommunikation zwischen Bürgern, Politik und Verwaltung begleitet werden", hatten das Unternehmen sowie die Verwaltungschefs der beteiligten Kommunen kürzlich gemeinsam erklärt (das WOCHENBLATT berichtete). "Von dieser Transparenz ist derzeit für uns...

Panorama
Die bunte Rutsche wurde geschrubbt, die Fliesen ausgetauscht und vieles mehr vorbereitet: Das Jesteburger Freibad könnte sofort öffnen. Darauf hoffen (v. li.) Badleiter Henning Schöttler, Dagmar Wille (Gebäudewirtschaft), stv. Badleiter Rolf Stehrenberg, stv. Fördervereinsvorsitzende Carola Boos und Fördervereinsvorsitzender Henning Buss
4 Bilder

Corona-Verordnung bestimmt, wann angebadet werden darf
Freibäder wären startklar für die Saison

as. Jesteburg/Landkreis. Auch wenn sich in den vergangenen-Tagen das Freibad-Gefühl noch nicht so richtig einstellen wollte - im Mai beginnt traditionell die Freibad-Saison. Aufgrund der Corona-Pandemie müssen die Freibäder im Landkreis Harburg und der Samtgemeinde Jesteburg ihre Eröffnung jedoch vorerst verschieben. Frühestens Ende Mai sieht die aktuelle Corona-Verordnung das Anbaden vor. Dabei haben sich die Hygienekonzepte aus dem vergangenen Jahr bewährt, sind sich die Freibad-Betreiber im...

Wirtschaft
Auch alle WOCHENBLATT Stellenanzeigen aus Buchholz, Buxtehude, Stade, Winsen und Umgebung  landen im  Jobportal www.sicherdirdenjob.de
3 Bilder

Online Jobportal vom WOCHENBLATT
Mit www.sicherdirdenjob.de erfolgreich Personal finden

Ob Auszubildender, Mitarbeiter, Fach- oder Führungskraft - schneller und effizienter geht die Jobsuche kaum: Unter www.sicherdirdenjob.de werden regelmäßig mehr als 11.000 freie Stellen von Unternehmen aus der Region Bremen, Oldenburg, Hannover und Hamburg aufgezeigt. Gemeinsam mit weiteren Kooperationspartnern bietet die WOCHENBLATT Gruppe mit der Onlinebörse ein umfassendes regionales Stellenportal, dass Bewerber aus dem Raum Hamburg und Bremen anspricht! Das heißt: Jede Anzeige, die im...

Service

Wichtige Mail-Adressen des WOCHENBLATT

Hier finden Sie die wichtigen Email-Adressen und Web-Adressen unseres Verlages. Wichtig: Wenn Sie an die Redaktion schreiben oder Hinweise zur Zustellung haben, benötigen wir unbedingt Ihre Adresse / Anschrift! Bei Hinweisen oder Beschwerden zur Zustellung unserer Ausgaben klicken Sie bitte https://services.kreiszeitung-wochenblatt.de/zustellung.htmlFür Hinweise oder Leserbriefe an unsere Redaktion finden Sie den direkten Zugang unter...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen