Friedhöfe werden Öko-Oase

Dr. Michael C. Albrecht (li.) und Andreas Sterneck vom Verband der Friedhofsverwalter sehen in den Gottesäckern in wachsendem Maße wichtige Biotope
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Tagung der Friedhofsverwalter: Mehr Raum für Natur nutzen

tk. Buxtehude. Sie liegen häufig mitten in der Stadt und sind oft mehrere Hektar groß: Friedhöfe. Damit bekommen Gottesäcker eine Funktion, die erst auf den zweiten Blick auffällt. Sie sind klimaregulierendes Biotop und bieten bedrohten Tier- und Pflanzenarten einen Rückzugsraum. Das war ein Thema der Friedhofsverwalter aus Niedersachsen und Bremen, die sich in Buxtehude zu einer Regionaltagung getroffen hatte. Die Estestadt war dafür eine gute Wahl, denn weite Bereiche des städtischen Waldfriedhofs sind mittlerweile eine naturnahe Öko-Oase.

"Der Naturschutzaspekt wird immer wichtiger", sagt Dr. Michael C. Albrecht, Vorstandsmitglied und Sprecher der Regionalgruppe. Der Grund: Weil die Zahl der Urnenbeisetzungen beständig zunehme, die nur wenig Raum beanspruchen, werden Flächen auf den Friedhöfen frei. Albrecht spricht daher von einer neuen "Mehrfachfunktion": Friedhöfe als Orte der Trauer, als stadtnahes Naherholungsgebiet und als Rückzugsort für Pflanzen und Tiere, die auf der Roten Liste bedrohter Arten stehen.

Eine klare Absage erteilen Albrecht und sein Vorstandskollege Andreas Sterneck der Abkehr vom Friedhofszwang. Aktuell wird in Mecklenburg-Vorpommern darüber gestritten. Dort fordern die Linken, dass Urnen auch Zuhause stehen dürfen oder die Asche Verstorbener im eigenen Garten verstreut werden kann. "Trauer gehört an einen öffentlichen Ort", sagt Albrecht. Würden Urnen privat beigesetzt, hätten nicht alle, die trauern wollen, jederzeit Zugang zur letzten Ruhestätte. "Und was geschieht, wenn sich Hinterbliebene nicht einig sind?", fragt Sterneck. Wird dann die Asche auf mehrere Urnen verteilt? Albrecht spricht in diesem Zusammenhang von der gesetzlich verankerten "postmortalen Menschenwürde". Das, was von dem Menschen bleibe, also auch die Asche, müsse als Ganzes erhalten sein.
Dennoch wird sich auch in Niedersachsen in Sachen Bestattungskultur einiges verändern. Derzeit wird auf Landesebene eine Novellierung des Bestattungsgetzes diskutiert. So könnte es vielleicht künftig erlaubt sein, einen winzigen Ascherest zu einem "Diamanten" oder in ein Amulett pressen zu lassen. Außerdem würde es vielleicht wieder erlaubt sein, ein Mausoleum auf Friedhöfen zu errichten. Neben dem Schlichtgrab- und Urnentrend gibt es eine wachsende Nachfrage nach pompösen Erinnerungsstätten wie anno dazumal. Bislang mussten Niedersachsens Tote dann in Hamburg bestattet werden, so Albrecht.

Dr. Michael C. Albrecht (li.) und Andreas Sterneck vom Verband der Friedhofsverwalter sehen in den Gottesäckern in wachsendem Maße wichtige Biotope
Bunte und vielfältige Natur: Auch das ist der Waldfriedhof in Buxtehude
Autor:

Tom Kreib

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