Landkreis Stade: Das muss sich für Mädchen ändern
Mädchenkonferenz bringt Forderungen in die Politik
- Lotte Heyhusen (37), Stadtjugendpflege Buxtehude (v.li.),Svenja Bardenhagen (16), Jugendleiterin des Girl Mobils;Catherine Bartl, Mädchenpädagogin aus Stade, Denise Kempa, Leitung JUBS Harsefeld;Sannah Krummrei (20), Jugendleiterin des Girlmobils, Johanna Brinkmann, Erzieherin JUBS Harsefeld;
- Foto: sts
- hochgeladen von Stefanie Schimanski
Wie frei können sich Mädchen im Landkreis Stade bewegen – und wie sicher fühlen sie sich dabei? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der dritten Mädchenkonferenz am Samstag, 22. August, in der Villa von Issendorff in Himmelpforten. Von 11 bis 15 Uhr treffen Mädchen dort auf Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung und bringen ihre Wünsche und Forderungen direkt ein.
Was ihnen wichtig ist, wurde in den vergangenen Monaten mit dem Girl Mobil gesammelt. Mädchenbotschafterinnen waren in elf Regionen unterwegs und erreichten insgesamt 324 Mädchen im Alter von 10 bis 17 Jahren. Sie füllten Fragebögen aus, diskutierten miteinander und entwickelten eigene Ideen.
Ein Thema zog sich besonders deutlich durch die Gespräche: die Bewegungsfreiheit. Catherine Bartl, Mädchenpädagogin aus Stade, bringt die Erfahrungen auf den Punkt: „Jungs haben im öffentlichen Raum einen größeren Radius als Mädchen, in dem sie sich bewegen dürfen.“
Ein Beispiel: Ein zehnjähriges Mädchen wurde nach dem Besuch einer Turnsporthalle von seinem achtjährigen Bruder mit dem Fahrrad abgeholt, damit es sicher nach Hause kommt, sagt Bartl. Teilweise dürfen Mädchen nicht allein unterwegs sein oder müssen früher als Jungs zu Hause sein. Was als Schutz gedacht ist, bedeutet zugleich weniger Freiraum und Selbstständigkeit.
Aus diesen Erfahrungen werden klare Forderungen abgeleitet: Viele Mädchen wünschen sich eigene Treffpunkte, Mädchentage und Räume, in denen sie unter sich sein und ihre Themen verfolgen können. Ebenso wichtig ist ihnen, sich auf alltäglichen Wegen sicher zu fühlen.
In Buxtehude betrifft das vor allem kleinere Straßen und Gassen, den Bahnhof und den Stadtpark. Gewünscht werden mehr Beleuchtung und am Bahnhof mehr ansprechbare Personen, die im Notfall helfen und eingreifen können. Teilweise wurden auch Kameras als mögliche Maßnahme genannt.
Den Stadtpark beschreiben die Mädchen grundsätzlich als schönen Ort. Wegen des wahrgenommenen Drogenkonsums fühlen sich einige dort jedoch nicht sicher. Sie wünschen sich öffentliche Räume, die sie nicht nur passieren, sondern auch nutzen und mitgestalten können.
Eng mit Sicherheit und Freiraum verbunden ist die Mobilität. Gerade außerhalb größerer Orte erschweren lange Wege und fehlende Verbindungen den Zugang zu Freizeitangeboten, Jugendtreffs oder Beteiligungsmöglichkeiten. Als eine Lösung wünschen sich die Mädchen Mädchentaxis – vor allem für die Abendstunden und möglichst mit Fahrerinnen.
Dass Beteiligung konkrete Folgen haben kann, zeigen bereits Ergebnisse früherer Mädchenkonferenzen: In Steinkirchen bleibt die Straßenbeleuchtung inzwischen länger eingeschaltet. Schulen und Jugendhäuser wurden teilweise mit kostenlosen Hygieneartikeln ausgestattet. Auch langfristig zeigt sich Wirkung: Einige Mädchen aus früheren Projekten engagieren sich heute selbst als Jugendleiterinnen.
Ob aus den gesammelten Forderungen weitere konkrete Veränderungen werden, soll die Mädchenkonferenz zeigen. Gehört zu werden ist der erste Schritt – entscheidend ist, was Politik und Verwaltung daraus machen.
Redakteur:Stefanie Schimanski aus Buxtehude |
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