Rettungseinsätze oft kein Notfall? Oder: Lieber "112" als lange warten

Viele Rettungseinsätze sind laut einer DRK-Studie keine echten Notfälle
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DRK-Studie: Viele Rettungseinsätze sind keine Notfälle / Experten nennen Gründe

tk. Landkreis. Mit einer aktuellen bundesweiten Studie hat das DRK herausgefunden, dass rund 22 Prozent aller DRK-Rettungseinsätze keine echten Notfälle sind. Die "112" werde heute sehr viel schneller gerufen als noch vor einigen Jahren. Wie lässt sich das erklären? Das WOCHENBLATT hat mit Roger Grewe, Geschäftsführer des DRK im Kreis Harburg, und Martin Wetzel, stellvertretender Leiter des Rettungsdienstes beim DRK-Kreisverband Stade gesprochen. Übereinstimmend geben beide als Grund für die erhöhte Anforderung des Rettungsdienstes die Veränderungen im Gesundheitswesen an.

"Früher haben die Menschen erst die 112 gewählt, wenn sie den ,Kopf unter dem Arm' trugen, das ist heute anders", sagt Roger Grewe. Es sei vielen sogar unangenehm gewesen, wenn der Rettungswagen mit Blaulicht und Martinshorn vorgefahren sei. "Das hat sich grundlegend geändert."

Sowohl Grewe als auch Wetzel sehen in den Veränderungen in der ärztlichen Notdienstversorgung - besonders auf dem Land - einen wesentlichen Grund für mehr Rettungseinsätze: Früher war ein Arzt aus der Region zuständig für den Abend- und Wochenenddienst. Heute ist der Notdienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zuständig. Das bedeutet, die Patienten müssen sich in die jeweiligen Notdienstpraxen begeben, die häufig weit von von ihrem Wohnort entfernt sind, oder sie müssen mitunter mehrere Stunden auf den Arztbesuch warten. Wenn es jemanden schlecht gehe, er Schmerzen habe, sei es verständlich, dann den Notruf zu wählen, meint Grewe. Im Regelfall sei der Rettungswagen binnen 15 Minuten da.

Ein weiterer Grund für die erhöhte Anzahl an Rettungseinsätzen: Vor zehn Jahren habe es in der Klinik nach der Notfallbehandlung noch einen kostenlosen Taxischein gegeben. Der wurde abgeschafft. Für einen Krankentransport in die Klinik muss aber vorher ein Arzt dagewesen sein.

Darüber hinaus sieht Grewe in der wochenlangen Wartezeit auf Facharzttermine eine weitere Ursache. "In einer Klinik sind alle Fachärzte vor Ort." Wer mit dem Rettungswagen eingeliefert werde, hat keine lange Wartezeit auf fachärztliche Behandlung.

Letztendlich, sagt Roger Grewe, habe die steigende Zahl der Rettungseinsätze auch mit dem demographischen Wandel zu tun. Die Bevölkerung werde immer älter, was vor allem der medizinische Fortschritt ermögliche. Nicht verwunderlich, wenn die Menschen diese medizinischen Möglichkeiten auch nutzen. Ein eventuell übersteigertes Anspruchsdenken der Patienten führen die beiden DRK-Experten hingegen nicht als Grund an.

Viele Rettungseinsätze sind laut einer DRK-Studie keine echten Notfälle
Roger Grewe
Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

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