Reinhard Feldmann drehte sein Leben
Vom Hotelier zum Kunsthandwerker
- Reinhard Feldmann bei der Arbeit auf dem St.-Petri-Platz in Buxtehude
- Foto: Sandra Polenz
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sapo. Buxtehude. Noch vor sechs Jahren führte Reinhard Feldmann (77) als Hotelier ein großes Haus in Düsseldorf, beschäftigte 55 Angestellte und organisierte Tagungen, Feiern und den Alltag eines gut laufenden Betriebs. Heute sitzt der gebürtige Rheinländer in seiner Küche in Jork, die oft von Kleisterduft und Farbtupfern erfüllt ist, und formt aus Pappmaché bunte Figuren, die nicht nur Kinderaugen zum Leuchten bringen.
Aus dem Nichts kam die Kunst
Nach dem Verkauf des Hotels zog Feldmann mit seiner Frau ins Alte Land, um den Ruhestand zu genießen. Doch schnell merkte er: Das Nichtstun liegt ihm nicht. „Ich brauche Beschäftigung“, erzählt Feldmann mit einem Lächeln. Also begann er mit seinen beiden Enkelkindern zu basteln, um gemeinsame Zeit zu gestalten. Die Begeisterung der Enkelkinder hielt sich allerdings in Grenzen – „nach einer halben Stunde war das Trampolin wieder spannender“, erinnert er sich lachend.
Doch für Feldmann selbst begann genau in diesem Moment ein neuer Lebensabschnitt: Aus den ersten, noch schlichten Pappmaché-Figuren wurden immer buntere, charaktervolle Kunstwerke. „Kunst hatte in meinem Leben vorher keine Rolle gespielt“, sagt Feldmann, „aber plötzlich habe ich gemerkt, wie viel Freude mir diese Arbeit macht.“
Kunst, die Herzen öffnet
Bunte Frösche mit großen Augen, witzige Tiere mit langen Beinen oder kleine Clowns mit schiefen Hüten – Feldmanns Figuren haben Persönlichkeit und ein Augenzwinkern. Sie schenken Freude und Menschen ein Lächeln ins Gesicht. Für ihn ist aber nicht nur die Arbeit am Werk selbst wichtig, sondern auch der Austausch mit anderen Menschen: „Ich liebe es, mit den Leuten zu reden, wenn sie eine Figur kaufen. Die Gespräche sind mir genauso wichtig wie die Kunst.“
Rund zehn Euro nimmt Feldmann im Schnitt für seine Figuren, die er auf kleinen Märkten und bei Veranstaltungen verkauft. Das Geld jedoch behält er nicht: Die Einnahmen spendet er vollständig an SOS-Kinderdörfer. „Ich hatte viel Glück in meinem Leben und möchte etwas davon zurückgeben“, sagt Feldmann. Für ihn sei es selbstverständlich, mit seiner Kunst zu helfen, wo er kann.
Ein fester Platz vor dem Museum
Den ganzen Sommer über ist Feldmann mit seinen Figuren vor dem Buxtehuder Museum in seinem Glas-Pavillon zu finden. Immer donnerstagnachmittags ist er vor Ort, verkauft seine Figuren, beantwortet Fragen und freut sich über Gespräche. Wer möchte, kann ihm dabei auch direkt bei der Produktion über die Schulter schauen oder mit seinen großen „Mensch ärgere dich nicht“-Figuren spielen, die er natürlich selbst gebaut hat.
Zu Gast ist Feldmann mit seinen Figuren auch regelmäßig in Seniorenheimen der Region. Dort wird gespielt, gelacht und erzählt – nach seinem Besuch winken ihm die Bewohner oft noch lange und voller Freude hinterher.
Mit Strohhut und Schürze unterwegs
Wer Reinhard Feldmann beim Basteln oder vor dem Museum erlebt, erkennt ihn sofort: Sein Markenzeichen sind sein Strohhut und die Schürze. So wirkt er nicht nur glücklich und zufrieden – das sei er tatsächlich auch, wie er selbst sagt. Feldmann strahlt Ruhe und Freude aus, die ansteckend wirken.
Die einzige Pause, die er sich gönnt, ist sein geliebter Mittagsschlaf. Danach wird wieder weitergearbeitet – denn neue Ideen warten bereits, umgesetzt zu werden.
Figuren für drinnen und draußen
Übrigens: Die Figuren sind sogar gartentauglich. Feldmann versieht sie mit Bootslack, sodass sie auch Regen und Sonne standhalten können und so auch im Garten für farbenfrohe Akzente sorgen.
Unterstützung von der Familie
Seine Frau unterstützt ihn bei diesem ungewöhnlichen Hobby, auch wenn der Küchentisch oft von Farbe und Kleisterspuren bedeckt ist. „Manchmal gibt es einen kleinen Kommentar, aber eigentlich trägt sie das alles mit“, sagt Feldmann schmunzelnd. Die Küche ist für ihn mittlerweile zu einem Atelier geworden, in dem neue Ideen entstehen, Farben ausprobiert und Figuren in liebevoller Kleinarbeit gestaltet werden.
Ein neues Kapitel mit 77 Jahren
Mit 77 Jahren hat Reinhard Feldmann sein Leben tatsächlich um 180° gedreht – weg von der Hotelleitung und geschäftlichen Verantwortung hin zur Kunst, die Freude schenkt und gleichzeitig Gutes tut. In Jork hat er nicht nur einen neuen Lebensmittelpunkt gefunden, sondern auch eine Aufgabe, die ihn erfüllt.
Und während andere im Ruhestand das süße Nichtstun frönen, sitzt Feldmann in seiner Küche, knetet Pappmaché, bemalt kleine Kunstwerke mit bunten Farben und freut sich auf das nächste Kinderlachen, das seine Figuren hervorrufen. „Solange ich kann, mache ich weiter“, sagt Feldmann. Und wer ihn dabei erlebt, zweifelt keine Sekunde daran, dass noch viele bunte Figuren entstehen werden – jedes Stück ein kleines Symbol für das große Glück, das Teilen und Schenken bedeutet.
Das Programm der Straßenkunst am Petriplatz gibt es unter https://kleinkunst-igel.de/strassenkunst-2025/
Redakteur:Sandra Polenz aus Buxtehude |
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