Musik für das Unsagbare
Wie ein Buxtehuder seine Trauer mit KI hörbar macht
- Buxtehuder Lars Roggemann schreibt Songs, um mit der Trauer über den Verlust seiner Ehefrau umzugehen
- Foto: Lars Roggemann
- hochgeladen von Pauline Bellmann
Dieses neue Jahr fühlt sich anders an für Lars Roggemann. Es ist das erste, das er ohne seine Frau beginnt. Fast fünf Monate ist es her, dass er sie an die Umstände einer schweren Erkrankung verlor. In dieser Zeit hilft ihm neben der Unterstützung seiner Familie und Freunde vor allem eines: Die Musik. Denn Roggemann schreibt seine Gedanken in Songtexten nieder und produziert sie mit Hilfe von künstlicher Intelligenz. Was als ein persönliches Ventil für den Schmerz des schweren Verlustes begann, berührt mittlerweile tausende Menschen auf YouTube.
Mut und Trauer
„Ich habe meine Frau anderthalb Jahre in den Tod begleitet“, erklärt Roggemann. Eine Zeit, geprägt von Krankenhausbesuchen und emotionalen Extremen. Schon damals begann er, Texte zu schreiben. Zunächst, um Mut zu machen und Kraft zu geben – für seine Frau.
Doch als ihre Krankheit fortschritt, wurde das Schreiben mehr: eine Möglichkeit, Emotionen eine Stimme zu geben, die schwer in Worte zu fassen sind. „Ich habe die Songs für mich geschrieben, um die Gefühle zu verarbeiten“, sagt Roggemann. Besonders das Schreiben der Texte wurde zu einem Weg, mit der Situation umzugehen – mit Angst, Schmerz, Wut, Abschied.
Musik als Sprache, wenn Worte fehlen
Aus seinen geschriebenen Worten Songs zu machen, das war für den gelernten Elektrotechnikmeister ein natürlicher Schritt. Als DJ und ehemaliger Produzent mit eigener Plattenfirma hatte er schon immer einen besonderen Draht zur Musik. Das technische Know-How, das Gespür für Sound – all das war da. Nach der Corona-Zeit zog er sich aus der Branche zurück. Doch die Musik blieb – als Ausdrucksform, als Lebenslinie.
So vertonte er seine Texte mit Hilfe von einem KI-Programm. Über 150 Songs entstanden so: Rap, Balladen, elektronische Stücke – jeder Song eine Momentaufnahme seines Gefühlslebens. Er gab der KI seine Texte vor, bestimmte die Stimmung und das Genre – die KI lieferte die Instrumentalisierung, den Gesang und half, seine Vision in Musik zu übersetzen.
Als Produzent und Fachmann vertritt Roggemann eine differenzierte Meinung zur KI in der Musikbranche – er hat die Veränderungen live erlebt. Doch für ihn persönlich war dieser einfache Zugang zur Musikproduktion eine große Hilfe im Umgang mit der Trauer.
Ein Thema, das viele berührt
Roggemann veröffentlichte seine Songs auf seinem privaten YouTube-Kanal. Für sich selbst, für Freunde, für Menschen, die die Familie auf ihrem Weg begleiteten. Doch mit der Zeit erreichten seine Lieder ein breiteres Publikum. Über 16.000 Streams zeigen: Er spricht Themen an, die viele bewegen – Verlust, Trauer, Hilflosigkeit, aber auch Wut auf ein System, das Menschen zu oft allein lässt, so Roggemann.
Die Rückmeldungen berühren ihn besonders. In den Kommentaren finden sich Dank, Mitgefühl, persönliche Geschichten. Es seien Tabuthemen, sagt er. Doch durch Musik werden sie sagbar.
Schreibend durch die schwerste Zeit
Der kreative Prozess half ihm durch das erste Weihnachten, die ersten Geburtstage seiner Kinder, den ersten Jahreswechsel ohne sie. Inzwischen, sagt Roggemann, schreibt er weniger: „Es wird etwas ruhiger. Ich habe nicht mehr so viel zu erzählen.“ Doch die Songs bleiben – als Archiv seiner Gedanken, als Zeugnis der gemeinsamen Zeit und eines schmerzhaften Abschieds.
Mut machen und Musik teilen
Heute will Lars Roggemann anderen Mut machen. Er möchte zeigen, wie bereichernd es sein kann, seiner Kreativität, besonders in den schwersten Momenten, freien Lauf zu lassen. Und er zeigt, wie die KI auch bei diesen Prozessen unterstützen kann – besonders für Menschen, die nicht wie er über Produktionserfahrung verfügen.
Die Technik kann Musik zugänglicher machen und eröffnet einen neuen Weg, Gefühle auszudrücken, die sonst oft keinen Platz finden. Für Roggemann war es ein persönlicher Weg zurück ins Leben – und vielleicht kann er auch anderen helfen, ihren eigenen Ton zu finden.
Roggemanns Songs sind auf seinem YouTube-Kanal unter www.youtube.com/@MrLR1000 oder unter www.spotify.com
Häufige Fragen zum Artikel
Worum geht es in dem Beitrag?
Der Artikel erzählt die Geschichte von Lars Roggemann aus Buxtehude, der seine Trauer über den Tod seiner Frau mithilfe von Musik und künstlicher Intelligenz verarbeitet.
Welche Rolle spielt Musik für ihn?
Musik dient ihm als Ausdrucksform, um Gefühle wie Trauer, Schmerz, Wut und Abschied zu verarbeiten.
Wie wird künstliche Intelligenz eingesetzt?
Die KI hilft bei der musikalischen Umsetzung seiner Texte, etwa bei Instrumentalisierung und Gesang.
Warum berührt seine Musik viele Menschen?
Die Songs greifen Themen wie Verlust, Trauer und Hilflosigkeit auf, die viele Menschen selbst erleben.
Wo sind seine Songs zu hören?
Die Lieder sind auf seinem privaten YouTube-Kanal veröffentlicht.
Redakteur:Pauline Bellmann aus Buxtehude |
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