Warum wollen Sie Bürgermeister werden?
Die drei Buxtehuder Kandidaten im WOCHENBLATT-Interview

Ralf Dessel (v. li.), Katharina Mewes und Clemens Ultsch | Foto: Daniela Ponath / Mewes, Goldlichtstudios/ Ultsch
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  • Ralf Dessel (v. li.), Katharina Mewes und Clemens Ultsch
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Bei der Bürgermeisterwahl im September 2026 steht Buxtehude vor einer Richtungsentscheidung. Amtsinhaberin Katja Oldenburg-Schmidt tritt aus Altersgründen nicht erneut an. Um ihre Nachfolge bewerben sich der Erste Stadtrat Ralf Dessel, unterstützt von CDU, SPD und FDP, Clemens Ultsch von der Linken sowie Ratsmitglied Katharina Mewes von der BBG/FWG, die von den Grünen unterstützt wird.

Im WOCHENBLATT-Interview sprechen die drei Kandidierenden über ihre Motivation, die angespannte Haushaltslage, den A26-Anschluss, eine moderne Verwaltung und ihre Ideen für Buxtehudes Zukunft. Im Anschluss an die Fragen vom WOCHENBLATT hatten alle drei Kandidaten die Möglichkeit, sich eine Frage zu wünschen, die sie selbst gerne beantworten würden und ihren jeweiligen Gegenkandidaten eine Frage zu stellen. 

 

Warum möchten Sie Bürgermeister beziehungsweise Bürgermeisterin der Hansestadt Buxtehude werden?

Katharina Mewes: Buxtehude ist meine Heimat und Politik macht mir Spaß. Ein funktionierendes gesellschaftliches Zusammenleben, lösungsorientiertes und zukunftsfähiges politisches Handeln habe für mich hohen Wert. Das hat mich bewogen Politikwissenschaften zu studieren. Nach dem Studium war ich als Politikberaterin im Ausland tätigt. Seitdem bin ich Angestellte der Freien und Hansestadt Hamburg in der Verwaltung.
Es macht mir Freude mit Menschen zusammenzuarbeiten. Der wertschätzende Umgang miteinander und eine moderne, serviceorientierte Verwaltung sind für mich wichtig. Ich möchte Menschen vor Ort wieder für Politik begeistern, unsere Demokratie stärken und gemeinsam Buxtehude fit für die Zukunft gestalten. Ich verstehe mich als Lösungsfinder und greife konkreten Probleme und Anliegen auf.  Als Bürgermeisterin werde ich für einen frischen Blick, neue Impulse und Innovation sorgen.

Ralf Dessel: Buxtehude ist seit vielen Jahren mein beruflicher und persönlicher Mittelpunkt. Ich kenne die Stadt, viele der Menschen, die sich hier engagieren, und die Verwaltung. Das ist kein Argument für „weiter so”, sondern Grundlage dafür, dass ich vom ersten Tag an handlungsfähig bin, ohne erst Strukturen kennenlernen zu müssen.
Ich möchte, nachdem ich seit Januar 2023 allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin wurde, mehr Verantwortung übernehmen und mit den Bürgerinnen und Bürgern die Zukunft unserer Stadt voranbringen.
Die kommenden Jahre werden finanziell und gesellschaftlich anspruchsvoll. Umso wichtiger ist ein Bürgermeister, der weiß, wie Verwaltung funktioniert, der Entscheidungen erklären kann und unterschiedliche Interessen zusammenführt.
Ich möchte dafür sorgen, dass Buxtehude familienfreundlich, sicher, wirtschaftlich stark und lebenswert bleibt – in der Kernstadt ebenso wie in unseren Ortschaften. Mein Anspruch ist, erreichbar zu sein, zuzuhören und dann verlässlich zu handeln.

Clemens Ultsch: Es fehlt mir im Kreise der Bewerberinnen und Bewerber zu diesem wichtigen Amt eine Perspektive, die auch Menschen mit weniger Einkommen berücksichtigt. Ich möchte genau diesen Menschen eine Lobby geben.

Die Stadt steht finanziell unter Druck. Wo sehen Sie Einsparpotenzial – und wo darf auf keinen Fall gekürzt werden?

Ralf Dessel: Nicht alles Wünschenswerte wird in den nächsten Jahren sofort finanzierbar sein. Deshalb müssen wir Projekte stärker nach Dringlichkeit, Nutzen und Folgekosten ordnen. Einsparpotenzial sehe ich u.a. bei aufwendigen Verwaltungsabläufen und Standards bei Bauprojekten. Zukünftig werden wir Ausgaben verstärkt auch danach priorisieren müssen, welche Wirkung sie entfalten.
Nicht gespart werden darf bei notwendigen Investitionen in Schulen und Kitas, bei der Sicherheit, insbesondere bei Feuerwehr und Bevölkerungsschutz sowie bei Angeboten, die soziale Probleme frühzeitig verhindern. Wer dort kurzfristig kürzt, zahlt später häufig deutlich mehr.
Ebenso wichtig ist die Instandhaltung unserer vorhandenen Gebäude und Straßen. Unterlassene Unterhaltung ist keine Einsparung, sondern verschiebt die Rechnung in die Zukunft.

Clemens Ultsch: Ich halte Kürzungen generell für schwierig. Meiner festen Überzeugung nach muss es gelingen, den Bund und das Land Niedersachsen daran zu erinnern, dass Kommunen auskömmlich finanziert werden und die zahlreichen Zusatzaufgaben, die der Gesetzgeber uns ins Hausaufgabenheft geschrieben hat, auch durch entsprechende Mittel von Bund und Land ausgeglichen werden müssen. Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen!

Katharina Mewes: Oberste Priorität hat für mich die Konsolidierung des Haushalts bei möglichst geringer Neuverschuldung. Unsere Bildungs- und Sozialinfrastruktur darf dabei nicht kaputtgespart werden. Ich setze auf funktionale Vorhaben, schnelle Reparaturen, klare Budgets und den sparsamen Einsatz externer Berater.
Auch die Verwaltung muss effizienter werden. Arbeitsabläufe sollen optimiert und digitalisiert, Mitarbeitende gezielt qualifiziert und frei werdende Stellen möglichst durch bessere Prozesse kompensiert werden. Interkommunale Zusammenarbeit und bewährte Standardlösungen können zusätzliche Kosten sparen.
Ich werde mich für das Konnexitätsprinzip und eine Begrenzung der Kreisumlage einsetzen. Zuschüsse und Erstattungen müssen regelmäßig an die tatsächlichen Kosten angepasst werden. Förderprogramme sollen frühzeitig geprüft und in die Investitionsplanung einbezogen werden. 
Belastungen für Bürger, Gewerbe und den Wirtschaftsstandort Buxtehude sind möglichst gering zu halten. Steuer- und Gebührenerhöhungen sowie eine Verpackungssteuer sehe ich kritisch. Stattdessen sollten bestehende Gesetze konsequent angewandt und Verstöße wie illegale Müllentsorgung oder Falschparken geahndet werden.
Kulturelle Veranstaltungen, Jugendfestivals und kleinere Stadtfeste fördern Gemeinschaft und beleben die Innenstadt. Sie sollten möglichst erhalten bleiben.
Vereine und Ehrenamt sind unverzichtbar. Sportflächen müssen gesichert, der Pachtvertrag am Föhrenweg verlängert und Feuerwehr sowie Katastrophenschutz gut ausgestattet werden. 

Werden Sie sich für einen Anschluss der A26 in Buxtehude einsetzen – auch wenn es weiterhin politischen Gegenwind gibt?

Clemens Ultsch: Bevor ich mich um einen Autobahnanschluss bemühe, möchte ich den ÖPNV zum Laufen bringen. Insbesondere die Situation rund um die Bahnstrecke Buxtehude-Hamburg ist nicht mehr haltbar. Wenn Bus und Bahn gut funktionieren kann man auch über die Autobahn nachdenken - aber keinesfalls durch die Rübker Straße.

Ralf Dessel: Zunächst einmal glaube ich, dass der politische Gegenwind in Buxtehude gar nicht so groß ist.
Und ja: Buxtehude braucht einen leistungsfähigen Anschluss an die A26. Er ist wichtig für die Erreichbarkeit unserer Unternehmen, für Arbeitsplätze und dafür, den Verkehr auf der B73 und in anderen Teilen des Stadtgebietes deutlich zu verringern.
Dabei darf nicht der Eindruck entstehen, dass Sorgen von Anwohnerinnen und Anwohnern beiseitegeschoben werden. Lärm- und Naturschutz müssen rechtssicher berücksichtigt werden. Die bisherigen gerichtlichen Entscheidungen gegen den sog. Planfeststellungsbeschluss des Landkreises zeigen, dass  bei der Planung nachgebessert werden muss.
Als Bürgermeister werde ich mit dem Landkreis und den weiteren zuständigen Straßenbaubehörden daran arbeiten, dass die festgestellten Planungsmängel behoben werden und die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden können, z.B. durch mögliche Geschwindigkeitsbegrenzungen auf dem Zubringer. Mein Ziel ist eine tragfähige Lösung, die Verkehr, Wirtschaft, Anwohnerschutz und Natur miteinander in Einklang bringt. 

Katharina Mewes: Buxtehude muss sinnvoll an die Autobahn angebunden werden. 
Mobilität und wirtschaftliche Entwicklung sind eng verknüpft; daher ist ein sinnvoller Autobahnzubringer für Buxtehude unerlässlich. 
Aus städtebaulicher Sicht ist der Ausbau der Rübker Straße eine Katastrophe. Daher hoffe ich sehr, dass die durch das Urteil des Oberverwaltungsgericht Lüneburg aufgezeigten Mängel nicht durch eine Planergänzung oder ein ergänzendes Verfahren behoben werden können, und die Kosten für eine Umgehungstraße mit Anschluss an den Kreisel Ostmoorweg entsprechend finanzierbar sind und möglichst durch Förderprogramme abgefedert werden können. Die Zusammenarbeit und enge Abstimmung mit dem Landkreis halte ich bei diesem Planungs- und Bauvorhaben für grundlegend. Insbesondere in der Abwägung zwischen dem Schutz der Anwohner der Rübker Straße (etwa vor Lärm) und dem Schutz der Natur muss eine gut verträgliche Lösung geschaffen werden. Bei der Planung einer Umgehungstraße wäre es für mich zudem erstrebenswert, dort wo möglich die Lärmschutzwände mit vertikalen PV Anlagen zu versehen, um den so erzeugten Strom für umliegende Gewerbe- und Wohngebiete zu nutzen.

WAS DIE KANDIDATEN SELBST GERNE GEFRAGT WERDEN WOLLTEN 

Frau Mewes, wie stellen Sie sich eine moderne und bürgernahe Stadtverwaltung vor? Was würden Sie als Bürgermeisterin im Buxtehuder Stadthaus konkret verändern?


Katharina Mewes:
 Die Verwaltung soll Bürgerinnen und Bürger, Wirtschaft und Vereine schnell, transparent und wertschätzend unterstützen. Bereits vorhandene Daten sollen nach dem „Once-Only“-Prinzip nicht mehrfach abgefragt werden. Digitale Lösungen, weniger Bürokratie und eine übersichtliche städtische Website sollen Abläufe vereinfachen.
Betroffene müssen bei Planungen frühzeitig einbezogen und Rahmenbedingungen klar kommuniziert werden. Digitalisierung soll nur dort eingesetzt werden, wo sie sinnvoll ist. Der persönliche Kontakt muss erhalten bleiben.
Flache Hierarchien, Weiterbildung, Eigenverantwortung, flexible Arbeitszeiten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollen die Verwaltung als Arbeitgeber stärken. Ziel ist eine zukunftsfähige, wirtschaftliche und bürgernahe Verwaltung.

Herr Ultsch, wenn Sie heute eine einzige Sache in Buxtehude sofort verändern könnten – welche wäre das und warum?

Clemens Ultsch: Ich würde sofort eine kommunale Wohnungsgesellschaft an den Start bringen und die Zweckentfremdung von Wohnraum stoppen, um den Bürgerinnen und Bürgern bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen zu können.

Ralf Dessel: Gute Bildung beginnt für mich nicht erst in der Schule und endet auch nicht mit dem Schulabschluss. Wir brauchen verlässliche Kinderbetreuung, gute Schulen, funktionierende Ganztagsangebote und Orte, an denen Kinder und Jugendliche unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern gefördert werden.
Die Stadt muss deshalb ihre Schulgebäude und Sportmöglichkeiten Schritt für Schritt modernisieren und den kommenden Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung gut umsetzen. Mit unserem bisherigen Modell der offenen Ganztagsschule an den Grundschulen sind wir seit Jahren auf einem guten Weg. Wichtig sind mir in diesem Zusammenhang außerdem die Stadtbibliothek, die Volkshochschule, unsere Jugendarbeit, Vereine und kulturelle Angebote. Sie ermöglichen Lernen und persönliche Entwicklung in jedem Lebensalter.
Genauso entscheidend ist der Übergang von der Schule in Ausbildung oder Beruf. Dafür möchte ich Schulen, Betriebe, Handwerk und weitere Bildungseinrichtungen stärker miteinander vernetzen. Kinder und Jugendliche sollten zudem mehr Möglichkeiten erhalten, ihre eigenen Vorstellungen einzubringen. 

WAS DIE KANDIDATEN VON DEN ANDEREN BEIDEN KANDIDATEN WISSEN WOLLTEN

Herr Ultsch und Frau Mewes, von Ihnen möchte Ralf Dessel wissen, welche Qualifikationen und Erfahrungen Sie mitbringen, um eine Stadtverwaltung mit rund 800 Mitarbeitenden zu führen – dies sei eine anspruchsvolle Führungsaufgabe.

Clemens Ultsch: Ein Bürgermeister führt andere Führungskräfte und nicht die 800 Mitarbeitenden der Verwaltung direkt. Davon unabhängig bin ich durch meine jetzige Tätigkeit als freigestellter Betriebsrat in Sachen Arbeitsrecht gut geschult und arbeite bereits eng mit (leitenden) Führungskräften zusammen. Verantwortlich bin ich aktuell für ca. 1.700 Mitarbeitende.

Katharina Mewes: Führung bedeutet, dass klare Strukturen und Verantwortlichkeiten vorherrschen.
Nicht Kontrolle, sondern die Motivation der Mitarbeitenden steht für mich im Vordergrund. Ich setze auf flache Hierarchien, klare Aufgabenverteilung und Eigenverantwortung. Gleichzeitig bin ich bereit Verantwortung zu übernehmen, dort wo nötig, klare Zuständigkeiten zu benennen und Entscheidungen zu treffen.
Allgemein stehe ich für einen lateralen Führungsstil. Ich habe gute Kommunikations- und Menschenkenntnisse, exzellente Koordinationsfähigkeiten, verfüge über Empathie und kann mich gut auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Mitarbeitenden einstellen. Für eine verlässliche, stabile sowie bedarfsgerechte Führungskultur bringe ich fundierte Erfahrung aus einer großen öffentlichen Verwaltung mit. An der Universität Hamburg arbeite ich an der Schnittstelle zwischen Forschung und Verwaltung. Ich koordiniere tagtäglich komplexe Verwaltungsabläufe, trage hohe Verantwortung und leite in meiner Abteilung in verschiedenen Bereichen sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, von Professoren bis zu Studierenden. Zusätzlich habe ich Regierungen im Ausland beraten, lokale Verwaltungsstrukturen zu verbessern. 

Frau Mewes, Ihre Kandidatur wird von Bündnis 90/Die Grünen unterstützt. Gleichzeitig fanden Ihre Anträge im Stadtrat laut Clemens Ultsch zuletzt nur wenig Unterstützung – auch aus den Reihen der Grünen. Er möchte von Ihnen wissen, wie Sie als Bürgermeisterin Mehrheiten organisieren und Menschen mit unterschiedlichen Positionen zusammenbringen möchten.

Katharina Mewes: Ich sehe das anders: Über meine Anträge wurde diskutiert. Entscheidend ist für mich das Ergebnis, nicht, wer eine Idee eingebracht hat. Auch wenn andere Fraktionen meine Vorschläge aufgreifen oder weiterentwickeln, ist das ein Erfolg.

Ich setze auf sachorientierte Zusammenarbeit, gemeinsame Anträge und tragfähige Lösungen. Mehrheiten entstehen für mich durch gute Vorbereitung, Transparenz, frühzeitige Beteiligung und überzeugende Argumente – nicht durch Druck.

Als Bürgermeisterin möchte ich Anliegen aus Bürgerschaft und Politik fachlich nachvollziehbar, finanziell solide und verständlich aufbereiten, Interessen abwägen und Pflichtaufgaben priorisieren.

Herr Dessel, Herr Ultsch möchte von Ihnen wissen, welche konkreten Maßnahmen Sie ergreifen würden, um mehr Ärztinnen und Ärzte nach Buxtehude zu holen. Die haus- und fachärztliche Versorgung in Buxtehude werde von vielen Bürgerinnen und Bürgern als unzureichend empfunden.

Ralf Dessel: Ehrlich gesagt: Wer sich als Ärztin oder Arzt in Buxtehude niederlässt, entscheidet nicht der Bürgermeister, sondern weitgehend die kassenärztliche Vereinigung über die Bedarfsplanung. Die Hansestadt Buxtehude kann insoweit nur auf die Rahmenbedingung Einfluss nehmen. Dazu gehört ein kommunaler Ansprechpartner, der Ärztinnen und Ärzte bei der Suche nach Praxisräumen, bei Genehmigungen, bei Kinderbetreuung und beim beruflichen Ankommen ihrer Familien unterstützt. Wir müssen frühzeitig mit älteren Praxisinhabern über Nachfolgelösungen sprechen und Möglichkeiten für Gemeinschaftspraxen, medizinische Versorgungszentren und Zweigpraxen prüfen. Auch geeignete städtische Grundstücke oder Räume sollten dabei einbezogen werden.
Entscheidend ist, Buxtehude aktiv als attraktiven Arbeits- und Lebensmittelpunkt zu präsentieren. Gute Schulen, Kinderbetreuung, Wohnraum und eine leistungsfähige Infrastruktur sind deshalb zugleich Gesundheitspolitik.

Herr Ultsch und Herr Dessel, die Frage von Katharina Mewes an Sie lautet: Viele Menschen erleben derzeit gesellschaftliche Spannungen und zunehmende Unzufriedenheit. Was würden Sie als Bürgermeister tun, um den Zusammenhalt in Buxtehude zu stärken?

Clemens Ultsch: Ich möchte mehr in die verschiedenen Stadtviertel gehen und Stadtteilfeste organisieren, um die Menschen zusammenzubringen. Wenn man sich erst kennenlernt, ist das Verständnis füreinander oft größer und man merkt, dass andere Menschen oft gar nicht so anders sind, wie man möglicherweise glaubt.

Ralf Dessel: Zusammenhalt entsteht dort, wo Menschen sich begegnen und das Gefühl haben, gehört und ernst genommen zu werden. Als Bürgermeister möchte ich deshalb regelmäßig in den Stadtteilen und Ortschaften präsent sein – nicht nur bei festlichen Anlässen, sondern gerade dann, wenn es Probleme oder unterschiedliche Meinungen gibt.
Politische Entscheidungen müssen frühzeitig, verständlich und ehrlich erklärt werden. Zur Ehrlichkeit gehört auch, offen zu sagen, wenn eine Forderung nicht finanzierbar ist oder nicht in der Zuständigkeit der Stadt liegt. Beteiligung darf nicht erst beginnen, wenn im Grunde bereits alles entschieden ist.
Gleichzeitig müssen wir diejenigen stärken, die unsere Stadt täglich zusammenhalten: u.a. Vereine, Feuerwehren, soziale Einrichtungen, Kulturschaffende und viele weitere ehrenamtlich Engagierte. Bei Streit und unterschiedlichen Ansichten braucht es klare Regeln und gegenseitigen Respekt. Hass, Bedrohungen und Ausgrenzung dürfen keinen Platz haben. Mein Ziel ist eine Stadt, in der wir nicht immer einer Meinung sein müssen, aber weiterhin miteinander auf Augenhöhe und wertschätzend reden.

Ralf Dessel (v. li.), Katharina Mewes und Clemens Ultsch | Foto: Daniela Ponath / Mewes, Goldlichtstudios/ Ultsch
Clemens Ultsch | Foto: C. Ultsch
Ralf Dessel | Foto: R. Dessel
Katharina Mewes | Foto: Mewes/Goldlichtstudio
Redakteur:

Nicola Dultz aus Buxtehude

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