Rallycross-Mekka unter Beschuss

Tausende Fans pilgern zu den Rennen
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Bürgerinitiative will erneut gegen Rennen auf dem Estering klagen

tk. Buxtehude. Mitte Oktober findet das Finale der Rallycross-Europameisterschaft und das vorletzte Rennen zur FIA World Rallycross Championship auf dem Estering statt. Tausende Motorsportfans aus ganz Europa pilgern nach Buxtehude. Und wie schon beim vorangegangenen Renn-Wochenende im August liegt Ärger in der Luft: Die "Initiative Umweltschutz Estetal" (IUE) hat dieses Mal nicht nur den ACN (Automobilclub Niederelbe), sondern auch die Kreis- und Stadtverwaltung im Visier. Die Nutzung des Esterings gehe über das Erlaubte weit hinaus und das werde von Stadt und Kreis stillschweigend geduldet. "Wir meinen es ernst", sagt IUE-Vorsitzender Günter Graf. Die IUE prüfe, ob eine Klage gegen Kreis und Stadt eingereicht werden könne.

Das ist der Knackpunkt: Der B-Plan für den Estering aus den 1980er Jahren und die Betriebserlaubnis des Landkreises aus dem Jahr 2011 erlauben sechs Veranstaltungen im Jahr. Weil der ACN darüber hinaus die Strecke etwa für Testfahrten vermietet, stehen unterm Strich mehr als die sechs erlaubten Veranstaltungen. Dagegen hatte die IUE bereits geklagt. Weil keine direkte Betroffenheit der Kläger vorlag - sie wohnen zu weit vom Estering weg - wurde die Klage letztendlich abgewiesen. Das Verwaltungsgericht Stade stellte aber fest, dass die Nutzung das überschreite, was B-Plan und Betriebserlaubnis hergeben.

ACN-Boss Andreas Steffens und seine Vorstandskollegen sind genervt. "Wir planen Veranstaltungen auf so hohem Niveau, da können wir nicht eine Woche vorher sagen, das Rennen findet nicht statt." Die Vermarktung der FIA World Rallycross Championship werde etwa von einer Internationalen Agentur betreut, die auch für die Vermarktung der Olympischen Spiele verantwortlich ist.

Im Kern geht es um die Interpretation eines Satzes aus dem B-Plan: Jegliches Befahren der Anlage ist als Veranstaltung zu verstehen." Dieser Satz steht im Bebauungsplan (B-Plan) für den Estering. "Wenn wir den Satz ernst nehmen, dürfen wir nicht mal Rasen mähen", sagt Andreas Steffen, Vorsitzender des ACN (Automobilclub Niederelbe). In wenigen Tagen misst sich beim EM- und WM-Rennen die internationale Rallycross-Elite auf der Strecke vor den Toren Buxtehudes. Und der Satz aus dem B-Plan bedeutet für den ACN - einmal mehr - handfesten Ärger. Die "Initiative Umweltschutz Estetal" (IUE) will die Zahl der Veranstaltungen begrenzen und sieht das Recht auf ihrer Seite.

Die IUE wirft dem ACN vor, neben den Rennen den Estering auch für Testfahrten zu vermieten - was unterm Strich zu mehr als sechs Veranstaltungen führe. Weiterer Kritikpunkt: Stadt und Landkreis tolerieren diesen Verstoß stillschweigend. "Wir wollen endlich Klarheit haben", sagt Andreas Steffen über den immer wieder aufflackernden Streit.

Genau das passiert jetzt: Die Buxtehuder Stadtverwaltung wird genau klären, was aufgrund der vorliegenden Genehmigungen erlaubt ist und was nicht. Michael Nyveld, Erster Stadtrat und Chef der Bauverwaltung: "Wir rollen den gesamten Verlauf der B-Plan-Entwicklung noch einmal auf." Jede Akte, jedes Gutachten werde erneut unter die Lupe genommen. "Es ist im Interesse aller Beteiligten, dass endgültig Klarheit herrscht", sagt er. Dass es sechs Rennen pro Jahr geben könne, sei dabei unstrittig. Es gehe um das, was darüber hinaus stattfinde.

Die Überprüfung müsse gründlich sein und benötige daher Zeit. Nyveld rechnet damit, dass die Buxtehuder Gremien aber noch in diesem Jahr über die Ergebnisse informiert werden. Ob in der Folge eine Änderung des Bebauungsplanes notwendig sei, liege im Ermessen der Politik.

Andreas Steffen glaubt nicht, dass dieser Weg beschritten werden muss. Es gehe lediglich darum zu definieren, was eine Rennveranstaltung ist und was nicht. Testfahren mit einem Fahrzeug sind für den ACN kein Rennen.
Auch der Landkreis steht bei der IUE in der Kritik. Kreisbaurat Hans-Hermann Bode räumt ein: "Planungen in einem solchen Umfeld sind nicht einfach." Das Estetal, dort liegt die Rennstrecke, ist ein Naturidyll. Gleichwohl sei eine rechtssichere Planung "keine unmögliche Aufgabe", so Bode.

Einer Klage gegen den Landkreis, weil der nicht einschreite und Veranstaltungen untersage, sieht der Kreisbaurat gelassen entgegen. "Es gibt keinen Verstoß." Bei der Frage, ob ein Verbot notwendig sei, habe der Kreis immer einen Ermessensspielraum.
In seiner Betriebserlaubnis für den Estering habe der Landkreis Nebenbestimmungen aus dem Buxtehuder B-Plan übernommen - etwa die Zahl der Veranstaltungen. Daher sieht Bode - ähnlich wie sein Kollege Michael Nyveld - den Spielball zurzeit vor allem auf Buxehuder Hoheitsgebiet. Die Ausgangslage sei dabei aber überschaubar, so der Kreisbaurat. Denn: Bei der ersten Klage vor einigen Wochen habe das Verwaltungsgericht festgestellt, die die Kläger aus der IUE keine persönlich Betroffenen sind. Sie wohnen zu weit vom Estering entfernt. Hinzu kommt, dass die gesamte Lärmproblematik mit den Gutachten zur Betriebserlaubnis aus dem Jahr 2011 abgearbeitet worden sei.

Der neue Buxtehuder Rat wird dieses Thema in wenigen Wochen auf den Tisch bekommen: Bleibt zu hoffen, dass es zu einer endgültigen Klärung kommt. ACN-Boss Andreas Steffen und seine Vorstandskollegen sind "sprachlos", dass es immer wieder zu Attacken kommt. An einen sachlichen Dialog mit der IUE glaubt Steffen nicht mehr. "Wir haben das Vertrauen verloren."

Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

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