"Das letzte Band"
Eigenproduktion des Theaters im Hinterhof mit Haye Graf als Krapp

Haye Graf als Krapp in "Das letzte Band"
27. September, 20 Uhr - auch 13. Oktober und 15. November | Foto: Nils Engelhard
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  • Haye Graf als Krapp in "Das letzte Band"
    27. September, 20 Uhr - auch 13. Oktober und 15. November
  • Foto: Nils Engelhard
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Was war das für ein Wochenende im Theater im Hinterhof, bitte?

Erst die gefeierte Premiere von "Das letzte Band" mit Haye Graf und dann "Saitenverkehrt" mit Helen Seidenfeder und Stefanie Arndt, die ebenfalls gefeiert wurden.

Da sehr fachkundige Menschen im Publikum der Premiere am 19. September 2026 saßen, wurden diese um einen kleinen Eindruck gebeten.

Zwei Rezensionen zu Samuel Becketts „Das letzte Band“:

1.
Die Eigenproduktion „Das letzte Band“ des Theaters im Hinterhof hatte am 19. September 2026 ihre Premiere. Samuel Becketts Einakter beschäftigt sich mit den Themen Erinnerung, Einsamkeit, Alter und Vergänglichkeit. Im Mittelpunkt steht der 69-jährige Krapp, der an seinem Geburtstag alte Tonbandaufnahmen aus seiner Vergangenheit anhört. Dabei wird er mit seinem jüngeren Ich und seinen früheren Entscheidungen konfrontiert.

Der Schauspieler Haye Graf verkörperte die Figur des Krapp eindringlich und verlieh auch dem jüngeren Krapp seine Stimme. Dadurch entstand ein spannender Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, obwohl nur ein Schauspieler auf der Bühne zu sehen war. Graf brachte sowohl die komischen als auch die nachdenklichen und melancholischen Seiten der Figur überzeugend zum Ausdruck. Sowohl das Anfangsbild (Krapp schaut minutenlang einfach nur auf den Tisch vor sich) als auch das Schlussbild (Krapp blickt ins Leere, auf das, was war und noch vermeintlich kommen mag) – berühren und werden nachklingen.

Das reduzierte Bühnenbild sowie die durch Beckett klar vorgegebene Struktur des Stücks stellten eine echte Herausforderung dar (Einrichtung: Nils Engelhard, Tontechnik: Ben Graf). Gerade weil es nur eine Figur, wenige Requisiten und kaum äußere Handlung gibt, liegt die gesamte Aufmerksamkeit auf dem Schauspieler. Haye Graf meisterte diese Herausforderung bravourös und hielt das Publikum durch seine Körpersprache, Stimme und Mimik im Bann.

Ein wichtiges Thema des Stücks ist die Vergänglichkeit des Lebens. Durch die alten Tonbandaufnahmen erkennt Krapp, wie viel Zeit vergangen ist und wie stark er sich verändert hat. Die Aufnahmen bewahren zwar seine Erinnerungen, können die Vergangenheit aber nicht zurückbringen. Dadurch wird ihm bewusst, was er verloren oder vielleicht versäumt hat.

Auch die Einsamkeit spielt eine große Rolle. Krapp lebt zurückgezogen und hat kaum Kontakt zu anderen Menschen. Das Gespräch mit seinem früheren Ich wirkt deshalb gleichzeitig komisch und traurig.

Insgesamt ist die Inszenierung des Theaters im Hinterhof eine eindrucksvolle Umsetzung von Becketts Stück. Besonders die schauspielerische Leistung von Haye Graf zeigt, dass auch ein sehr reduziertes Theaterstück das Publikum fesseln kann. Die Verbindung aus Becketts anspruchsvoller Vorlage, dem schlichten Bühnenbild und der überzeugenden Darstellung macht „Das letzte Band“ zu einer sehenswerten, nachdenklichen und mutigen Inszenierung im Zeitalter der schnellen Schnitte und Bilder.

Das Theater im Hinterhof ist mit seinem vielfältigen Programm eine echte Bereicherung der Kulturlandschaft in Buxtehude. Es lohnt sich, dort einmal vorbeizuschauen.

Pia Fischer
(Fachbereichsleitung musisch-kulturelle Bildung - IGS Buxtehude und ausgebildete Schauspielerin)


2.

Buxtehude eben. In dem kleinen, wundersamen Theater im Hinterhof erleben Zuschauer bei der hauseigenen Premiere von „Krapps letztes Band“ von Samuel Beckett tatsächlich große Theaterkunst. Der Abend, klug inszeniert von Nils Engelhard, dauert nur eine knappe Stunde, wirkt dagegen, wie es bei guter Kultur auch sein soll, noch lange Zeit nach. Haye Graf spielt den alten, vereinsamten, in Schmerz getünchten Mann, der sich jedes Jahr an seinem Geburtstag Tonaufnahmen seiner Gedanken aus früheren Zeiten anhört, mit unentrinnbarer Intensität. Er stolpert über Schachteln, isst genüsslich Bananen, sitzt vor seinem Tonbandgerät und weint. Es scheint, als hätte er sich vor vielen Jahren verlaufen und seitdem nie mehr zu sich selbst zurückgefunden. Das Stück gehört zum Kanon des absurden Theaters, verweigert also jegliche oberflächliche Interpretation, regt dafür jeden dazu an, in seinen eigenen Erinnerungen nachzuhorchen, ob man vielleicht auch mal falsch abgebogen ist. Absolut sehenswert!
Marc von Henning
(Autor, Übersetzer und Theatermacher).
Beim Londoner Verlag Faber&Faber erschien 1995 "Theatermaschine", ein Buch seiner Übersetzungen von Texten Heiner Müllers. Inszenierungen in London, auf der Expo 2000 in Hannover und für die Salzburger Festspiele. Autor und Regisseur am Staatsschauspiel Stuttgart, am Schauspielhaus Graz, an den städtischen Bühnen Köln, dem Schauspiel Frankfurt, dem Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und am Nationaltheater Athen. In 2008 gründete er gemeinsam mit Susanne Reifenrath MEYER&KOWSKI; sie realisieren innovative Projekte an ungewöhnlichen Orten in Hamburg. Viele seiner Inszenierungen sind von seinen eigenen Texten von "Es gibt nichts Größeres als die kleinen Dinge", einer Mediation, 2014 an den Ruhrfestspielen, bis "Unruhe am Rand der Schöpfung 2026" an der Bremer Shakespeare Company. Er ist Vater von drei Töchtern und lebt in Hamburg.

Das anschließende Publikumsgespräch gab den Anwesenden Einblicke in die Arbeit an dem Stück und in die Spurensuche, die bei dieser Arbeit beschritten wurde.
Dabei wurde deutlich: Die Spuren gibt es. Und es wurde deutlich: Wohin sie führen, wissen wir nicht.

Am kommenden Wochenende gibt es am Samstag "Buxtehude liest" mit vier Lesungen im Theater im Hinterhof. Und am Sonntag ist "Das letzte Band" erneut zu sehen (27. September, 20 Uhr) und dann noch am 13. Oktober und am 15. November, jeweils 20 Uhr!

Und dann, ein Wochenende später, geht es mit Theater und Theater weiter!

Am 3. Oktober um 19 Uhr erwartet das Publikum die dritte Vorstellung, der von den Zuschauenden sehr gut angenommenen Welturaufführung von "Lüge und andere Wahrheiten" von Maj Althaus.
Insbesondere in den intensiven Publikumsgesprächen wurde deutlich, was für ein großartiges Stück Maj geschrieben hat und wie sehr die Inszenierung dieses Stückes das Publikum bewegt hat.

Am 4. Oktober um 18 Uhr stehen Jürgen Wegscheider und Markus Maria Winkler auf der Bühne: "Vom Moor, vom Meer und von der Heide"

Eine spannende literarische Reise durch den Norden Deutschlands mit den Schauspielern Jürgen Wegscheider und Markus Maria Winkler.

Die zwei Schauspieler Jürgen Wegscheider und Markus Maria Winkler nehmen das Publikum mit auf eine spannende literarische Reise durch den Norden Deutschlands. Sie erzählen von der Sehnsucht nach der großen Welt, von der Weite und dem ewigen Horizont, von den Naturgewalten und vom tosenden Meeresrauschen, von Hamburg und anderen Städten, vom Flüstern des Moores und von der blühenden Heide. Zu Wort melden sich auf den verschiedenen Stationen dieser Reise Hermann Allmers, Theodor Storm, Wolfgang Borchert, Stine Andresen, Detlev von Liliencron, aber auch Wilhelm Busch, Joachim Ringelnatz, Friedrich Hebbel, Heinrich Heine, Annette von Droste-Hülshoff und Christian Morgenstern. Schiff Ahoi und Leinen los und herzlich willkommen an Bord!

Die Schauspieler Markus Maria Winkler und Jürgen Wegscheider arbeiten seit vielen Jahren zusammen. In dieser Zeit brachten sie viele gemeinsame Programme auf die Bühne, mit denen sie bis heute in zahlreichen Gastspielorten aufgetreten sind.

Markus Maria Winkler, selbst gebürtiges Nordlicht aus Wilhelmshaven, spielte u. a. beim Südbayerischen Theaterfestival, beim Tourneetheater Das Ensemble Jacob-Schwiers und im Festspielhaus in München.

Der gebürtige Kärntner Jürgen Wegscheider spielte an Theatern in Frankfurt/Main, München und Essen und war auf Theatertournee. Mit seinen vorwiegend literarisch-kabarettistischen Programmen ist er regelmäßig in ganz Deutschland unterwegs.

Und übrigens: WULUEWU, der begeisternde frankophile Abend mit den Ladys Ahoi und Weinen von Birte und Meikes Weinwelt aus dem April, kommt wieder am 14. November, Weinprobe ab 17 Uhr, Konzert ab 19 Uhr!

Und Sebastian Krumbiegel kommt ins TiH am 20. November um 20.30 Uhr.

Reservierungen unter info@theaterimhinterhof.de, online bei www.eventfrog.de oder im VVK beim Friseur am Torfweg, Tabakwaren Kähler und der Altstadt-Buchhandlung und der Buchhandlung Schwarz auf Weiß!

Special:
BILDET-BANDEN-RABATT - wer mit vier oder mehr Leuten reserviert oder an die Abendkasse kommt, erhält 15 Prozent auf alle Tickets.
Und das TiH bietet Sozial-Tickets für Menschen mit geringerem Budget - mehr Infos unter info@theaterimhinterhof.de
Theaterinteressierte SchülerInnen fragen gerne Spezialgruppenpreise für "Das letzte Band" und/oder "Lüge und andere Wahrheiten" an.

Haye Graf als Krapp in "Das letzte Band"
27. September, 20 Uhr - auch 13. Oktober und 15. November | Foto: Nils Engelhard
Bild aus einer Photostory der Szene 13 von
"Lüge und andere Wahrheiten
Lüge und Lyrik (Maj Althaus)
am 3. und 22. Oktober, jeweils 19 Uhr | Foto: Nils Engelhard
Jürgen Wegscheider und Markus Maria Winkler
4. Oktober, 18 Uhr | Foto: Jan Wellmann
Leserreporter:

Nils Engelhard aus Buxtehude

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