Niedersachsen bringt KI in den Unterricht: "telli" startet landesweit an Schulen

Foto: KI generiert

Niedersachsen bringt KI in den Unterricht und setzt damit ein klares Signal für die digitale Weiterentwicklung des Bildungssystems. Mit dem Chatbot telli steht Lehrkräften ab sofort landesweit eine speziell für den schulischen Einsatz entwickelte und datenschutzkonforme Anwendung zur Verfügung. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler auf eine zunehmend von Künstlicher Intelligenz geprägte Lebens- und Arbeitswelt vorzubereiten.

Nach Angaben des Niedersächsischen Kultusministeriums soll telli dazu beitragen, den verantwortungsvollen Umgang mit KI systematisch in den Schulalltag zu integrieren. Dabei gehe es nicht nur um technische Nutzung, sondern vor allem um kritische Reflexion, Medienkompetenz und demokratische Bildung.

Warum Niedersachsen KI in den Unterricht bringt

Künstliche Intelligenz ist für junge Menschen längst Teil des Alltags – in sozialen Netzwerken, bei Sprachassistenten oder bei der digitalen Informationssuche. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von KI im Berufsleben stetig. Schulen stehen daher vor der Aufgabe, Schülerinnen und Schüler nicht nur mit digitalen Werkzeugen vertraut zu machen, sondern ihnen auch Kompetenzen im Umgang mit automatisierten Systemen zu vermitteln.

Kultusministerin Julia Willie Hamburg erklärte zur landesweiten Einführung:

„Mit telli treiben wir den verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Niedersachsens Schulen voran. Schülerinnen und Schüler müssen auf einen Alltag vorbereitet sein, in dem KI allgegenwärtig ist. Dafür müssen auch unsere Lehrkräfte Zugriff auf leistungsstarke KI-Modelle haben.“

Die Ministerin betonte zudem, dass KI datenschutzkonform genutzt werden müsse – sowohl zur Unterrichtsvorbereitung als auch für individuelles, fächerübergreifendes Lernen.

Was ist telli? Das steckt hinter dem Schul-Chatbot

telli ist Teil des länderübergreifenden Projekts AIS (Adaptives Intelligentes System), das im Auftrag der Länder durch das FWU – Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht umgesetzt wird. Der Chatbot wurde gezielt für den Einsatz in Schulen entwickelt und technisch an verschiedene leistungsfähige Sprachmodelle angebunden.

In Niedersachsen können unter anderem folgende Modelle genutzt werden:

GPT-5
GPT-5-mini
GPT-5 nano
Llama-3.1-405B
Llama-3.3-70B
Mistral Nemo Instruct

Alle Systeme werden auf Servern innerhalb der Europäischen Union betrieben. Laut Kultusministerium werden Nutzungsdaten weder an Dritte weitergegeben noch zum Training der KI verwendet. In diesem Punkt unterscheidet sich telli deutlich von kommerziellen Chatbots.

Datenschutzkonforme Nutzung über die Bildungscloud

Die Bereitstellung von telli erfolgt über das Medienregal der Niedersächsischen Bildungscloud (NBC). Damit ist das System in die bestehende digitale Infrastruktur des Landes eingebunden.

Seit dem landesweiten Rollout erhalten Lehrkräfte ergänzende Informationsmaterialien über das Niedersächsische Bildungsportal. Zusätzlich bietet das Niedersächsische Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) Fortbildungen zum Thema Künstliche Intelligenz an.

Nach Angaben des Ministeriums ist die datenschutzrechtliche Absicherung ein zentraler Bestandteil des Konzepts. Die Verarbeitung erfolgt ausschließlich innerhalb der EU, eine kommerzielle Nutzung der Daten ist ausgeschlossen.

Einsatzmöglichkeiten im Unterricht

telli soll Lehrkräfte unterstützen, nicht ersetzen. Die Anwendung kann unter anderem in folgenden Bereichen eingesetzt werden:

Schreib-Coach im Deutschunterricht

Die KI kann beispielsweise so eingestellt werden, dass sie als Schreib-Coach fungiert. Bei der Erörterung literarischer Werke wie „Woyzeck“ erhalten Schülerinnen und Schüler strukturiertes Feedback zu Argumentation, Sprachstil und Aufbau.

Dadurch entsteht für Lehrkräfte zusätzlicher Freiraum für individuelle Förderung.

Individuelles und fächerübergreifendes Lernen
Darüber hinaus kann telli bei:
der Strukturierung von Referaten
der Entwicklung von Fragestellungen
der Unterstützung bei Recherchen
sprachlicher Differenzierung
eingesetzt werden. Schülerinnen und Schüler lernen dabei zugleich, Ergebnisse kritisch zu hinterfragen und KI-Tools reflektiert zu nutzen.

Pilotphase mit 30 Schulen

Bereits seit 2024 wurde telli als Open-Source-Lösung kontinuierlich weiterentwickelt. In Niedersachsen nahmen zunächst 30 Schulen sowie vier Studienseminare an einer Pilotphase teil. Ziel war es, Erkenntnisse zu Einsatzmöglichkeiten, Weiterentwicklungsbedarf und Unterstützungsangeboten zu gewinnen.

Die ersten Rückmeldungen aus der Praxis zeigen nach Angaben des Kultusministeriums sowohl das Potenzial des Systems als auch konkrete Ansatzpunkte für Optimierungen.

Medienkompetenz als zentrale Zukunftsaufgabe

Ein Kernanliegen des Landes ist die Stärkung der Medien- und Demokratiekompetenz. KI kann Texte generieren, Inhalte zusammenfassen oder Informationen strukturieren – sie kann jedoch auch Fehlinformationen produzieren.

Deshalb verfolgt Niedersachsen mit telli nicht nur einen technologischen, sondern vor allem einen pädagogischen Ansatz: Schülerinnen und Schüler sollen lernen, KI kritisch zu hinterfragen, Quellen zu prüfen und Ergebnisse einzuordnen.

Niedersachsen bringt KI in den Unterricht, um diese Kompetenzen systematisch zu fördern und Schulen zukunftsfähig aufzustellen.

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Fazit

Mit der landesweiten Einführung von telli setzt Niedersachsen einen strukturierten und datenschutzkonformen Rahmen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Schulunterricht. Der Fokus liegt auf verantwortungsvoller Nutzung, kritischer Reflexion und der Stärkung digitaler Kompetenzen.

Die Initiative unterstreicht, dass digitale Bildung mehr ist als Technik – sie ist ein zentraler Bestandteil moderner Demokratie- und Zukunftsfähigkeit.

Häufig gestellte Fragen zu telli
Ist die Nutzung von telli verpflichtend?
Nein. Die Nutzung von telli ist für Schulen nicht verpflichtend. Jede Schule kann eigenständig entscheiden, ob und in welchem Umfang das KI-System im Unterricht oder zur Unterrichtsvorbereitung eingesetzt wird.
Ist telli datenschutzkonform?
Ja. Laut Angaben des Kultusministeriums erfolgt der Betrieb ausschließlich auf Servern innerhalb der Europäischen Union. Es findet keine Weitergabe von personenbezogenen Daten statt, und die Inhalte werden nicht zum Training der KI-Modelle verwendet.
Wer kann telli nutzen?
Lehrkräfte in Niedersachsen haben landesweit Zugriff auf telli über die Niedersächsische Bildungscloud. Der Zugang erfolgt im Rahmen der bestehenden schulischen Infrastruktur.
Welche KI-Modelle stehen bei telli zur Verfügung?
telli bietet Zugriff auf verschiedene leistungsfähige KI-Modelle. Dazu gehören unter anderem GPT-5, GPT-5-mini, GPT-5 nano sowie mehrere Llama-Modelle und Mistral Nemo Instruct. Dadurch stehen unterschiedliche Leistungsstufen für verschiedene Anwendungsbereiche zur Verfügung.
Gibt es Fortbildungsangebote zur Nutzung von telli?
Ja. Das Niedersächsische Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) bietet Fortbildungen, Informationsveranstaltungen und Unterstützungsangebote rund um den Einsatz von telli im Schulalltag an.
Wird KI Lehrkräfte ersetzen?
Nein. telli ist als unterstützendes Werkzeug konzipiert. Die pädagogische Verantwortung, die Beurteilung von Leistungen und die persönliche Betreuung der Schülerinnen und Schüler bleiben weiterhin bei den Lehrkräften.
Redakteur:

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