Wie ein kleines Erdbeben
Drochtersen: Gemeindebrandmeister und Ortsbrandmeister treten zurück

Peter Lühwink

ig. Drochtersen. Das ist schon ein kleines Erdbeben in Sachen „Personal“. Peter Lühwink, Gemeindbrandmeister in Drochtersen, und Ortsbrandmeister Michael Funk geben ihre Ehrenämter auf. Hintergrund der Entscheidung sind wohl die Querelen um die Einrichtung einer AED-Gruppe in der Asseler Feuerwehr (das WOCHENBLATT berichtete). Bekannt ist: Lühwink und Funk waren von der Idee nicht gerade begeistert. Trotzdem sind die Rücktritte überraschend: Denn der Streit um die Notfallgruppe wurde beigelegt. Die Satzung, erstellt von einer Arbeitsgruppe, fand Zustimmung im Rat und bei den Wehren. Auch das Vorhaben „Feuerwehrgerätehaus“ - in abgespeckter Version am Wunschstandort „Theisbrügger Straße“- konnte nach vielen Beratungen auf den Weg gebracht werden.

Lühwink, der seit 13 Jahren an der Spitze des Gemeindekommandos steht und bei der Feuerwehr seit mehr als 30 Jahren aktiv ist, ist der Schritt nicht leicht gefallen. Gesundheitliche Probleme seien der Grund für seinen Rücktritt. „Aber die hängen auch mit den Streitigkeiten zusammen.“ Was da in den sozialen Netzwerken passiert sei, könne kaum ertragen werden. „Anfeindungen und persönliche Attacken. Nur weil man eine andere Meinung vertritt.“ Das ginge gar nicht, belaste Familie und Kinder. „Mich hat das sehr mitgenommen. Ich kann das nicht akzeptieren, komme vom Kopf her damit nicht klar.“ Mit Herzblut habe er sein Amt ausgeführt, sei immer für die Bürger da gewesen. Der Feuerwehr wolle er weiterhin verbunden sein. Nur eben nicht an vorderer Stelle.

Ortsbrandmeister Michael Funk stellt sein Ehrenamt, das er seit 2013 bekleidet, ebenfalls zum 1. September zur Verfügung. Er sei ziemlich enttäuscht, was die Politik fabriziert habe. „Fast immer nur Versprechungen, Machtspiele und Neid.“ Er erinnert an den Wunsch der Drochterser Feuerwehr, eine Drehleiter anzuschaffen. „Die stand im Bedarfsplan. Unzählige Schreiben. Nichts passiert.“ Auch das Projekt „Neubau des Feuerwehrhauses“ wurde immer wieder hin- und hergeschoben. Jetzt sind die Verteuerungen da. Das hätte man vorher wissen müssen. Er sei sich sicher, dass der Preis auch in abgespeckter Version nicht gehalten werden könne, bestimmt auf mehr als fünf Millionen Euro ansteige. Immer noch kritisch sieht Funk Notfallgruppen bei ehrenamtlichen Feuerwehren, weil Infektionsrisiken für die Freiwilligen bestehen bleiben würden.

Er wisse, dass er nicht einfach zu nehmen sei. Aber er sei immer für die Feuerwehr dagewesen. „Jede Woche für rund 30 Stunden aktiv“, so Funk, der seit 30 Jahren in Hamburg hauptberuflich bei der Feuerwehr arbeitet. Er habe in den vergangenen Jahren den Rückhalt von Gemeinde und Rat vermisst. Der Feuerwehr bleibe er natürlich weiterhin verbunden. „Als einfacher Feuerwehrmann. Denn Feuerwehr ist mein Leben.“
Verwaltung und Sprecher der Ratsfraktionen bedauerten die Rücktritte. Nachfolger von Gemeindebrandmeister Lühwink soll – so der Vorschlag des Gemeindekommandos - der bisherige Stellvertreter Arndt König werden. Einen Vorschlag für die Nachfolge von Funk gibt es noch nicht.

Autor:

Dirk Ludewig aus Stade

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