"Wohnzimmer" wird zur "Kultur-Bäckerei"

Safi Khurshid (v. li.), Werner Schröder, Harriet Schröder, Lore Ruckdeschel, Magret Giebel und Hermann Krekeler nehmen in der neuen "Kultur-Bäckerei" Platz Foto: Krekeler
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Hanstedts Begegnungszentrum zieht in die Räume der ehemaligen Bäckerei Pries.

mum. Hanstedt.
"Diesmal haben wir einen richtigen Mietvertrag. Wir müssen also nicht befürchten, wieder holterdiepolter ausziehen zu müssen, sobald ein zahlungskräftiger Mieter auftaucht." Hermann Krekeler von der Initiative "Kulturtreff" ist einfach nur glücklich. Das "Wohnzimmer" hat einen festen Platz gefunden. Im Herzen der Bürger ist der Kulturtreff, der einst als Begegnungsstätte für Flüchtlinge und Hanstedter gestartet war, längst felsenfest verankert.
Das erste "Wohnzimmer" in der Straße "Bei der Kirche" musste nach gut einem Jahr einer Teppichreinigung weichen. Und im zweiten Treff, umbenannt in "Internationales Wohnzimmer", im Ärztehaus ist mittlerweile eine ostheopatische Praxis eingezogen. "Wir können uns nicht wirklich beklagen", so Krekeler. "In beiden Fällen hatten uns die Eigentümer die Räume mietfrei überlassen. Einzige Bedingung war, dass wir die Betriebskosten übernehmen und kurzfristig die Fläche räumen, wenn Mieter Interesse anmelden."
Nun hatte die Initiative Glück im Unglück. Zeitgleich mit der Kündigung wurde ein Mieter für die Räume der ehemaligen Bäckerei Pries am Ehrenmal in Hanstedt gesucht. Das Ladenlokal war drei Jahre ungenutzt. Dann hingen plötzlich Plakate in den Fenstern: "Ladenlokal zu vermieten! Hier könnte Ihr neuer Laden entstehen - 76 Quadratmeter, Verkaufsraum, Lager, Büro und Toilette." Für einen Kulturtreff die ideale Fläche in der richtigen Größe und am richtigen Ort. Nur bestand ein erheblicher Renovierungsbedarf. "Der Verkaufsraum war mit einem riesigen Tresen zugestellt, die Elektrik völlig veraltet, im Nebenraum Wände und Fußboden im Rohzustand und schlimmer", erinnert sich Krekeler. Das war der Ausgangspunkt für die Verhandlungen mit der Gemeinde, die als Mieter auftreten wollte. Die Inhaber hätten laut Krekeler am liebsten einen langfristigen Mietvertrag abgeschlossen. "Gleichzeitig grauste ihnen vor den anstehenden Renovierungsarbeiten." Deshalb sei ihnen der Vorschlag von Gemeindedirektor Olaf Muus entgegengekommen: Die Gemeinde zahlt bis Jahresende keine Miete und übernimmt dafür die Instandsetzung der Räume.
Praktisch hieß das allerdings, dass jetzt Helfer gesucht werden mussten, die mit Sachkenntnis, Arbeitszeit und materieller Unterstützung ans Werk gehen. Und tatsächlich: Mittlerweile hat sich viel getan. "Unser ganz besonderer Dank gilt Hans-Werner Witte, der das komplette Material für Wände und Boden gratis beigesteuert hat. Wir danken aber auch den vielen ehrenamtlichen Helfern, die unseren neuen Treffpunkt gereinigt und liebevoll eingerichtet haben", so Krekeler.
Der Treffpunkt wird künftig übrigens "Kultur-Bäckerei" heißen. Das Schild ist schon in Auftrag gegeben und wird bei der offiziellen Eröffnung Mitte September anzeigen, dass das die traditionelle Backstube eine neue Bestimmung gefunden hat.

Musik, Lesungen - ein Treffpunkt
Das Programm im "Wohnzimmer" besteht wie bisher aus festen Terminen - unter anderem ein Spiele-Abend (montags), die Kreativ-Werkstatt (dienstags), das "Internationales Café" (jeden ersten Mittwoch im Monat) und "Klönschnack für alle" (freitags). Zudem gibt es wechselnde Veranstaltungen wie Kino, Ausstellungen, Lesungen, Vorträge, Vereinstreffen, Nachhilfe und Prüfungsvorbereitung. Geplant sind außerdem Handarbeitskurse, Tai-Chi, Themenabende und Musiker-Treffen.
"Die Räume stehen allen offen, die etwas anbieten möchten oder einen Treffpunkt in Hanstedts Mitte suchen", sagt Hermann Krekeler. 

Grenzenlose Unterstützung
Die Farben standen bereits bereit - ebenso wie Pinsel, Spachtel und Rollen. Aber das Know-how fehlte. "Die Firma Witte konnte uns zwar mit dem Material versorgen, nur nicht mit Fachkräften", so Hermann Krekeler. Die seien auf Baustellen unabkömmlich. Zeit hatte Werner Schröder, über 20 Jahre Malermeister in Hanstedt und jetzt im verdienten Ruhestand. Er war sofort mit Rat und Tat zur Stelle. Obendrein waren seine Fähigkeiten als Ausbilder gefragt, denn Baz und Salvan, seine beiden tüchtigen Helfer aus dem Irak, waren zwar motiviert, aber ganz und gar nicht vertraut mit den Raffinessen des Malerhandwerks. "Sprachprobleme gab es kaum", so Krekeler. Die "Zusammenarbeit" zwischen den Flüchtlingen und dem pensionierten Maler ging in eine unerwartete Verlängerung. Die Weide, auf der die Pferde von Schröders Frau Harriet stehen, war von Jakobskreuzkraut umzingelt. Die Pflanze ist extrem giftig für Pferde - irreversible Leberschäden drohen. Deshalb sind alle Besitzer von Pferdeweiden darauf bedacht, die Pflanzen zu beseitigen. "Das bot uns die Gelegenheit, uns bei Werner Schröder zu bedanken", sagt Krekeler. Dessen Ehefrau Lore Ruckdeschel mobilisierte gemeinsam mit Baz und Salvan einen Trupp "Kreuzkraut-Rupfer". Und dann ging es der Plage an den Kragen.

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