Kein würdevoller Tod: Töchter kritisieren Umgang des Elbe-Klinikums mit ihrer Mutter

Ines Vollmann (li.) und Jana Wehland trauern um ihre verstorbene Mutter. 
Sie ärgern sich über die Elbe-Kliniken   Foto: jd
  • Ines Vollmann (li.) und Jana Wehland trauern um ihre verstorbene Mutter.
    Sie ärgern sich über die Elbe-Kliniken Foto: jd
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jd. Buxtehude. Friedlich und ohne Schmerzen einschlafen, im Kreise der nächsten Angehörigen - solch einen Tod hätten sich die Schwestern Jana Wehland und Ines Vollmann aus Harsefeld auch für ihre Mutter Inge U. (†74) gewünscht. Doch der alten Dame war ein würdevolles Sterben nicht vergönnt, sofern die Vorwürfe zutreffen, die ihre Töchter an das Elbe-Klinikum in Buxtehude richten. Die Kritik ist heftig: "Es ist menschenunwürdig, wie man im Buxtehuder Krankenhaus mit sterbenden Menschen und deren Angehörigen umgeht. Die Töchter entschieden sich spontan, ihre sterbende Mutter nach Hause zu holen. Vier Stunden später war sie tot.

Zunächst ein gutes Gefühl

Jana Wehland und Ines Vollmann sind Wochen später noch immer den Tränen nahe, wenn sie vom Fall ihrer Anfang April verstorbenen Mutter berichten: Die Seniorin hatte Lungenkrebs im weit fortgeschrittenen Stadium. Aussichten auf Heilung bestanden nicht mehr. Auf eigenen Wunsch ließ sie sich wegen akuter Atemnot in die Buxtehuder Klinik einweisen, so die Töchter: "Da in der inneren Abteilung kein Bett mehr frei war, wurde sie in einem Vier-Bett-Zimmer in der Dermatologie untergebracht."
Zunächst lief alles gut, berichtet Jana Wehland: Ein Pfleger habe nach einem Blick in die Patientenakte gemeint: "Ihre Mutter hat einen grippalen Infekt. Das wird schon wieder". "Wir gingen mit einem guten Gefühl nach Hause."


Entsetzen über die Ärztin

Am nächsten Tag der Schock: "Im Vergleich zum Vortag war bei unserer Mutter ein rapider körperlicher Verfall eingetreten. Man merkte, dass sie Schmerzen hatte." Offenbar habe sie entgegen der Zusage der Ärzte kein Morphium erhalten, so die Schilderung der Geschwister.
Seitens der behandelnden Assistenzärztin habe es keinerlei Hinweise gegeben, dass es mit ihrer Mutter so plötzlich zu Ende gehe, kritisieren die beiden Frauen. Die Reaktion der Assistenzärztin auf die Bitte, die Mutter mit nach Hause nehmen zu dürfen, sei völlig unangemessen gewesen: "Die Dame meinte nur, sie stelle jetzt keine Entlassungspapiere mehr aus. Sie habe schon zehn Arztbriefe verfasst und außerdem habe sie Feierabend." "Dann kam der Hammer", sagt Ines Vollmann: Die Ärztin habe wortwörtlich erklärt: "Vielleicht übersteht ihre Mutter ja die Nacht, dann kann am nächsten Morgen ein Kollege den Entlassungsbrief schreiben."
Die Töchter waren entsetzt: "Wir dachten nur, bloß raus hier mit unserer Mutter. Diese Ärztin hätte vorher überlegen sollen, welchen Beruf sie wählt. Wenn man täglich mit Menschen zu tun hat, muss man auch menschlich handeln."

"Kontroverse Aussagen zu dem Vorfall"

Was sagt die Klinik zu den Vorwürfen? "Ich habe beim beteiligten Personal nachgefragt und muss feststellen, dass es zu dem Vorfall kontroverse Aussagen zu der Darstellung von Frau U.s Töchtern gibt", erklärt der Buxtehuder Klinikchef Arturo Junge.
Die Patientin sei in "präfinalen Zustand" eingeliefert worden. Dem Wunsch der Patienten und ihrer Töchter, sie zum Sterben nach Hause zu entlassen, habe nie etwas entgegengestanden.
Im Gegenteil: "Unsere Klinik war zu diesem Zeitpunkt hinsichtlich der Bettenkapazität völlig ausgelastet." Es habe daher keine Möglichkeit gegeben, für die alte Dame ein separates Zimmer bereitzustellen, damit die Verwandten dort in Ruhe Abschied nehmen können. "Wären Zimmer frei gewesen, hätten wird das in jedem Fall ermöglicht." Nach Gesprächen mit den Mitarbeitern und auch mit der im Fokus der Kritik stehenden Ärztin habe er keine Anhaltspunkte für ein unkorrektes Verhalten feststellen können, so Junge.

Klinik will Gespräch suchen

Der Klinik-Leiter will nun das Gespräch mit U.s Töchtern suchen: Gerade bei dieser erheblichen Diskrepanz zwischen den Schilderungen des Personals und der Wahrnehmung der Betroffenen sei es wichtig, den Sachverhalt noch einmal aufzuarbeiten. "Dabei kann es nicht um Recht oder Unrecht gehen, doch wir wollen die Hinterbliebenen mit ihrem Anliegen ernst nehmen."
Für solche Fälle sei bei den Elbe-Kliniken Beschwerde-Management installiert, so Junge: "Wir hängen diese Dinge sehr hoch. Patienten oder Angehörige könnten sich direkt an die Assistenz der Geschäftsleitung wenden." Außerdem gebe es den sogenannten Patientenfürsprecher. Auch das sei ein geeigneter Weg, Kritik anzubringen.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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