Grünen-Politiker kritisiert Baumrückschnitt an EVB-Strecke
Radikalschnitt an der Bahn

Freie Fahrt für die Bahn: Die Bäume zu beiden Seiten wurden sehr stark beschnitten   Foto: Ralf Poppe
  • Freie Fahrt für die Bahn: Die Bäume zu beiden Seiten wurden sehr stark beschnitten Foto: Ralf Poppe
  • hochgeladen von Jörg Dammann

jd. Harsefeld. Der Grünen-Ratsherr Ralf Poppe aus Harsefeld ist begeisterter Radfahrer und unternimmt gern Touren rund um den Geestflecken. Bei einer Ausfahrt fiel er kürzlich vor Schreck fast vom Drahtesel, als er in der Nähe von Harsefeld die Bahnstrecke der EVB passierte. "Ich traute meinen Augen nicht", berichtet Poppe. Links und rechts der Gleise wurden die Bäume halbseitig regelrecht abrasiert. Sämtliche Äste wurden an der dem Bahndamm zugewandten Seite bis hin zum Stamm entfernt. "Die Bäume so zuzurichten kann doch nicht rechtens sein", meint Poppe.

Ist es aber, wie Kreisbaurätin Madeleine Pönitz auf WOCHENBLATT-Nachfrage bestätigt. Der Fall sei der ihr unterstehenden Naturschutzbehörde gemeldet worden und deren Mitarbeiter seien bereits vor Ort gewesen, um die Bäume in Augenschein zu nehmen. "Es soll dort tatsächlich recht wüst aussehen", räumt Pönitz ein. Doch ein "Baumfrevel" liege nicht vor. "Es wurden keine unrechtmäßigen Arbeiten durchgeführt und damit auch keine Verstöße gegen das Naturschutzrecht begangen." Wie auch bei Straßen üblich, sei an der Bahn das sogenannte Lichtraumprofil freigeschnitten worden.

Eine Antwort, die Poppe sicher nicht befriedigt. Er geht davon aus, dass die bis zu 100 Jahre alten Bäume durch den radikalen Rückschnitt schwer beschädigt wurden. "Viele dürften sich davon nicht erholen", so Poppes Befürchtung. Der Grünen-Politiker fragt sich, ob nicht eine regelmäßige Baumpflege ausgereicht hätte: "Wenn diese Maßnahmen okay sein sollen und die Verkehrssicherungspflicht nur so erfüllt werden kann, müssten dann nicht überall alle Alleebäume 'rasiert' werden?"

Bei der EVB versteht man die Aufregung nicht. Die Anfrage zu dem radikalen Baumrückschnitt habe in ihrem Unternehmen "leichte Irritation ausgelöst", ließ EVB-Pressesprecherin Andrea Stein das WOCHENBLATT wissen. Die Maßnahmen seien "selbstverständlich" in Absprache mit dem Landkreis von einer Fachfirma durchgeführt worden, die auch für die Deutsche Bahn Rückschnittarbeiten vornimmt.
Stein weist zudem darauf hin, dass diese Arbeiten keiner formalen Genehmigung bedürfen. Mit dem Entfernen der überstehenden Äste komme die EVB "ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Durchführung eines sicheren Eisenbahnbetriebs" nach.

Der Rückschnitt senke das Risiko von Betriebsausfällen wie etwa bei Herbststürmen, so Stein. Je weniger Bäume oder Äste dann im Gleis landen, umso reibungsloser laufe der Bahnbetrieb. Stein geht nicht davon aus, dass Bäume durch den halbseitigen Kahlschlag geschädigt wurden: "Die Standsicherheit wird vom Bauleiter der Firma bei jedem Baum individuell bestimmt."

Poppe bleibt skeptisch: "Ich denke, fachgerechter Baumschnitt geht anders."

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