jd. Harsefeld. "Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, dann geht der Berg eben zum Propheten": An diese Redensart erinnert ein ungewöhnliches Projekt, das jetzt von der evangelischen Kirchengemeinde Harsefeld auf der Taufe gehoben wurde. Dort beschreitet die Kirche ganz neue Wege, um auf Menschen zuzugehen, die mit dem Glauben bisher nichts oder nur wenig "am Hut" hatten. Seit Anfang Oktober ist die Diakonin Miriam Schäfer mit der Aufgabe betraut, den Bewohnern des Neubaugebietes "Am Redder" das Christentum näher zu bringen. Das Besondere dabei: Miriam Schäfer ist mit ihrer Familie mitten in das neue Wohngebiet gezogen, um vor Ort Präsenz zu zeigen. Gefördert wird das zunächst auf fünf Jahre angelegte Projekt mit Geldern des hannoverschen Landeskirche: Aus einem Fonds für missionarische Arbeit wurden 140.000 Euro als Zuschuss bereitgestellt.

Mit dem eher negativ besetzten Begriff des Missionierens habe das Wirken der neuen Diakonin aber nichts zu tun, stellt Pastor Hermann Heinrich klar: "Frau Schäfer wird nicht von Haustür zu Haustür gehen und klingeln. Es soll niemand bekehrt werden." Die Kirche unterbreite den Menschen lediglich ein Angebot, sich mit christlichen Themen zu befassen - und das in einer Form, die der heutigen Zeit angepasst ist. Ziel sei es, Kontakte zu knüpfen und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, vielleicht mit jungen Eltern am Spielplatz oder Nachbarn bei einem der vielen Richtfeste.

"Wir wollen bei den Menschen sein, sie bei ihren alltäglichen Problemen begleiten, aber auch in Glaubensfragen zur Seite stehen", erläutert Pastor Heinrich.
Miriam Schäfer und ihr Mann Simon haben drei kleine Töchter im Alter von zwei bis sechs Jahren. Eine junge Familie also, wie sie so typisch ist für das Neubaugebiet am südlichen Ortsrand von Harsefeld. Am Redder entsteht derzeit ein Wohnquartier, das später die Dimension eines großen Dorfes haben wird: Sind alle Baumaßnahmen abgeschlossen, werden dort rund 2.000 Menschen leben. Eine Herausforderung für eine Kirchengemeinde: Denn die wenigsten Neubürger werden von sich aus den Weg in die Kirche suchen. "Das müssen sie auch gar nicht", meint die Diakonin: "Wir wollen hier am Redder neue Möglichkeiten ausprobieren, wie kirchliche Arbeit unkonventionell und kreativ gestaltet werden kann."

Konzeptionell sei sie noch völlig offen, so Miriam Schäfer, die bereits von 2004 bis 2011 als Jugendsiakonin in Harsefeld tätig war und nun eine Halbtagsstelle hat: "Es gibt keine fertige Agenda". Das Projekt läuft unter dem Titel "Kirche am Redder" und soll fortführen , was im vergangenen Jahr begonnen wurde: Im Sommer 2016 hatte die Kirchengemeinde mit ihrer aufblasbaren, riesigen "Gummi-Kirche", die im Neubaugebiet für ein mehrtägiges Fest aufgestellt war, für reichlich Furore gesorgt. Die Aufgabe der neuen Diakonin ist es nun, aus einer kurzen Aktion etwas Dauerhaftes zu schaffen.

Miriam Schäfer freut sich über jeden, der sich bei ihr meldet:

Tel. 04164 - 9085515 od. 0152 - 32179113

E-Mail: diakonin.schaefer@gmx.de

persönlich: Leerkenweg 123 in Harsefeld

Innovative Formen des Glaubens
Kirche neu und vor allem anders erleben: Das hat sich die Harsefelder Kirchengemeinde mit dem Projekt "Kirche am Redder" auf ihre Fahnen geschrieben. In Harsefeld wird damit Neuland beschritten, doch die Idee ist nicht neu: Die Harsefelder Aktion ist Teil des kirchlichen Netzwerkes "Fresh X", das die klassische Gemeindearbeit mit innovativen Formen, Glauben zu leben und zu gestalten, ergänzen will.

Entstanden ist der die "Fresh X"-Bewegung in England: Die dortige anglikanische Kirche wollte dem Glauben neue Impulse geben und entwickelte ein Positionspapier, das unter dem Begriff "Fresh Expressions of Church" (neue Ausdrucksformen von Kirche) Alternativen zu den konventionellen Verständnis von Gemeinde bietet. "'Fresh X' ist eine neue Form von Gemeinde für unsere sich verändernde Kultur, die primär für Menschen gegründet wird, die noch keinen Bezug zu Kirche und Gemeinde haben", so die Selbstdefinition.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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