Teure Lichterketten
Ist denn schon Weihnachten? Harsefelder Politik streitet über Tannenbäume
- So schön wie hier auf dem mit KI erstellten Bild soll der Weihnachtsbaum auf dem Harsefelder Schmiedeplatz wieder die Menschen erfreuen
- Foto: KI-generiert
- hochgeladen von Jörg Dammann
Weihnachten steht praktisch vor der Tür – jedenfalls fast. Gerade einmal vier Monate sind es noch bis Heiligabend. Höchste Zeit also, sich in Harsefeld mit einer der wirklich drängenden Fragen der Kommunalpolitik zu beschäftigen: Wie viele Weihnachtsbäume verträgt der Ort? Einen? Zwei? Oder droht bei einem Doppelpack womöglich die finanzielle Kernschmelze?
Bislang durfte es in Harsefeld an zwei Stellen festlich funkeln: am Schmiedeplatz und am Rathaus. Der Baum am Rathaus kam erst später hinzu. Doch angesichts gestiegener Kosten stellte sich nun die Frage: Muss Harsefeld wirklich an beiden Standorten weihnachtlich glänzen?
Mehr als 5.000 Euro für leuchtende Weihnachtsbäume
Immerhin ist die Sache nicht ganz billig. Installation und Demontage der Beleuchtung übernimmt bislang eine Hamburger Firma, bei der die Lichter auch eingelagert werden. 2024 kostete der Spaß rund 4.000 Euro für beide Standorte, 2025 waren es bereits 1.000 Euro mehr. Weil günstigere Anbieter offenbar schwer zu finden sind, brachte die Verwaltung selbst die Möglichkeit ins Spiel, wie früher nur den Schmiedeplatz zu beleuchten. Und schon war sie da, die Harsefelder Tannenbaumdebatte.
CDU: Weg mit dem zweiten Baum
Die CDU möchte den zweiten Baum am Rathaus einsparen. Man müsse auch einmal ein Zeichen setzen, argumentierte Melanie Mohnen von der CDU-Fraktion. „In diesen Zeiten sollte auch mal bei Kleinigkeiten gespart werden.“ Das hat durchaus etwas Symbolisches. Ausgerechnet die Partei mit dem großen C im Namen möchte Weihnachten am Rathaus ein wenig zurückschneiden. Man könnte sagen: Christdemokratische Haushaltskonsolidierung beginnt dort, wo die Lichterkette endet.
SPD: Funkeln für Rathausmitarbeiter
Ganz anders die Sozialdemokraten. SPD-Ratsherr Oliver Holtermann wollte den Baum behalten. Schließlich rede man im Grunde nur über einen läppischen Betrag. „Wir schmeißen sonst mit großen Summen um uns“, argumentierte er. Außerdem sei es für die Beschäftigten der Verwaltung doch schön, wenn sie in der Weihnachtszeit einen Tannenbaum vor dem Rathaus hätten. Verkehrte Weihnachtswelt in Harsefeld: Die Christdemokraten wollen den Baum weg, die SPD verteidigt die weihnachtliche Symbolik. Fehlt eigentlich nur noch, dass die Grünen Lametta beantragen.
Am Ende fiel die Entscheidung im zuständigen Ausschuss denkbar knapp aus: Mit sieben Ja- gegen fünf Nein-Stimmen sprach sich das Gremium dafür aus, dass der zweite Weihnachtsbaum am Rathaus bleibt. Aber vielleicht findet sich doch noch ein typisch Harsefelder Kompromiss. Die Politik im Flecken rühmt sich schließlich gern damit, sachorientiert zu arbeiten und im Zweifel auch kompromissbereit zu sein. Man könnte sich doch darauf einigen, dass beide Bäume bleiben – aber nur jede zweite Kerze eingeschaltet wird.
Sparen im Sitzungssaal: ein dunkler Pressetisch
Dass Harsefeld das mit dem Energiesparen durchaus ernst meint, zeigte sich übrigens auch während der Sitzung selbst. Dafür musste man gar nicht erst bis zur Weihnachtsbeleuchtung warten.
Der WOCHENBLATT-Redakteur wurde nämlich buchstäblich im Dunkeln gelassen. Während über den Köpfen der Politiker die Lampen munter strahlten, blieb es am Pressetisch finster. Erst nach einem entsprechenden Hinweis des Redakteurs wurde auch an seinem Platz das Licht eingeschaltet. Man sieht: Der Flecken Harsefeld hat längst mit dem Sparprogramm begonnen.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
|
| Webseite von Jörg Dammann | |
| Jörg Dammann auf Facebook | |
| Jörg Dammann auf Instagram | |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.