Am grünen Tisch geplant

Auch die Möglichkeiten der Bürger zum Einkaufen ist ein wichtiges Thema im Landes-Raumordnungsprogramm
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  • hochgeladen von Jörg Dammann

(jd). Ahlerstedter, die gern in Zeven einkaufen? Im Entwurf des Landes-Raumordnungsprogramms steht viel Unsinn. Das kommt dabei heraus, wenn am grünen Tisch geplant wird, ohne die Betroffenen vorher zu Rate zu ziehen: Der von der rot-grünen Landesregierung veröffentlichte Entwurf des neuen Landes-Raumordnungsprogramms sorgt auch im Kreis Stade für Kopfschütteln. Ein "dickes Ding" haben sich die Planer im Fall Ahlerstedt geleistet. Die Geest-Gemeinde mit ihren rund 5.000 Einwohnern wird im Bereich Einzelhandel dem Einzugsgegbiet von Zeven (Kreis Rotenburg) zugeschlagen. Dabei kommt ein kürzlich im Auftrag der Gemeinde erstelltes Einzelhandelskonzept zu einem ganz anderen Ergebnis: Zeven rangiert bei den Ahlerstedtern in puncto Einkaufen unter "ferner liefen".
Die hochbezahlten Beamten im für die Landesplanung zuständigen niedersächsischen Landwirtschaftsministerium hielten es offenbar nicht für nötig, ihre kostbare Zeit für Gespräche mit den Kreisen und Kommunen zu opfern. Dort hätten sie nämlich erfahren, dass so manche planerische Vorgabe völlig an der Realität vorbeigeht - wie eben in Ahlerstedt: Dessen Bewohner sollen die Einkäufe, die über den täglichen Bedarf hinausgehen, überwiegend in Zeven tätigen. Das nimmt man jedenfalls im Ministerium an.
Aber warum? Zeven ist als Mittelzentrum eingestuft, weil es dort mehr als nur Lebensmittel zu kaufen gibt. Man bekommt auch Bekleidung, Schuhe oder Fernseher. Die Planer in Hannover haben nun auf einer großen Karte Grenzen für die insgesamt 95 Mittelzentren in Niedersachsen gezogen. Kriterium ist dabei die Erreichbarkeit: Laut Entwurf wurde das per Pkw am schnellsten zu erreichende Mittelzentrum errechnet. Für Ahlerstedt ist das eben Zeven.
Wie grau alle Theorie in diesem Fall ist, zeigt ein Blick in das erwähnte Einzelhandelsgutachten: Demnach fahren die Ahlerstedter vor allem in die im eigenen Landkreis gelegenen Mittelzentren Buxtehude und Stade, um größere Anschaffungen zu tätigen oder sich neue Klamotten zuzulegen. Dahinter rangieren Harsefeld, Ahlerstedt selbst und das Internet. Den Weg nach Zeven treten laut Gutachten nicht mal fünf Prozent der Ahlerstedter an. Dieses Ergebnis spiegelt letztlich das Image wider, das Zeven im Stader Südkreis "genießt": Der Ort gilt als verschlafenes Nest, dessen wenige Läden nach dem Bau einer Fußgängerzone auch noch schlecht zu erreichen sind.
All dies können die Beamten in Hannover natürlich nicht wissen, wenn sie nicht mit den Leuten vor Ort reden. Und vielleicht könnte man über diese planerische Farce noch schmunzeln, wenn sie keine weiteren Folgen hätte. Doch bleibt es bei dieser Festlegung, dann hätten die Zevener und wohl auch der Kreis Rotenburg bei künftigen Einzelhandelsprojekten im Kreis Stade womöglich ein Wörtchen mitzureden. Denn das Raumordnungsprogramm legt fest, dass bei der Neuansiedlung von größeren Geschäften die Belange benachbarter Mittelzentren zu berücksichtigen sind. Im Klartext könnte das heißen: Wollen die Buxtehuder oder Stader ihre Einzelhandels-Angebote verbessern, müssten sie in Zeven um Erlaubnis fragen, weil dort potenzielle Käufer verloren gehen könnten. Eine absurde Vorstellung angesichts der im Gutachten ermittelten Käuferzahlen.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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