Mauzende Kleintier-Mörder

Vöge sind eine beliebte Beute für Katzen
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(jd). Grüner Agrarminister beabsichtigt Abschuss-Verbot für wildernde Katzen / Jäger fürchten um Artenvielfalt. Die Hauptjagdsaison hat begonnen: Überall im Landkreis finden in den kommenden Wochen Treibjagden statt. Für die Jäger ist es vielleicht die letzte Chance, einem der gefährlichsten Räuber in Feld und Flur den Garaus zu machen: der Katze. Viele Stubentiger, die sich daheim als schmusige Samtpfote geben, verwandeln sich draußen in der Natur zu blutrünstigen Bestien. Vor allem Vögel, aber auch viele Kleinsäuger wie Hasen sind ihre Opfer. Da wildernde Katzen auch geschützten Tierarten nachstellen, dürfen sie von Jägern erschossen werden, sofern sie 300 Meter abseits jeglicher menschlicher Behausung auf Beutezug gehen. Doch der Abschuss der mauzenden "Vogelmörder" wird womöglich bereits im kommenden Jahr verboten sein. Der niedersächsische Agrarminister Christian Meyer (Grüne) beabsichtigt eine entsprechende Änderung des Landes-Jagdgesetzes.

Viele Jäger betrachten die Überlegungen im grünen Ministerium mit Sorge: "Das geplante Katzen-Abschussverbot würde die heimische Artenvielfalt gefährden", sagt ein Jagdpächter aus der Region, der in seinem Revier schon öfter streunende Katzen erlegt hat. Seinen Namen will er nicht nennen, weil er Racheaktionen radikaler Tierfreunde fürchtet. Das Thema werde von Tierschutzideologen emotional hochgekocht, um die Jägerschaft zu verteufeln, so der Waidmann. Dabei würden die Jäger aktiven Naturschutz betreiben, indem sie räubernde Katzen zur Strecke bringen. Diese seien unerwünschte Eindringlinge, die im natürlichen Lebensraum von Hasen, Fasanen und Singvögeln wildern und deren Populationen erheblich dezimieren.

Es gibt Studien, die den tödlichen Einfluss von Katzen auf ihre Umwelt eindrucksvoll belegen, auch wenn Naturschutzverbände wie der BUND die dort genannten Zahlen anzweifeln. Kürzlich hat der Deutsche Jagdverband (DJV) Ergebnisse einer US-Studie aus dem Jahr 2013 auf deutsche Verhältnisse übertragen. Demnach werden hierzulande jährlich rund sechs Millionen Singvögel durch freilaufende oder herrenlose Katzen getötet. Andere Untersuchungen gehen von 700 bis 1.000 Tieren aus, die eine Mieze jährlich auf dem Gewissen hat.

Wie viele Katzen die Jäger in der Region pro Jahr vor die Flinte bekommen, ist nicht bekannt. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern werden in Niedersachsen keine Statistiken über erlegte Katzen geführt. Experten schätzen die Zahl der Streuner, die vom Jäger den finalen Schuss verpasst bekamen, ähnlich hoch wie in Nordrhein-Westfalen. Dort wurden in der Jagdsaison 2013/2014 knapp 7.600 wildernde Katzen geschossen. Doch im benachbarten Bundesland gehen die nachtaktiven Räuber künftig unbehelligt auf Pirsch: Die rot-grüne Landesregierung hat gegen den Widerstand der Jäger durchgeboxt, dass das Recht zum Abschuss von wildernden Katzen aus dem Jagdgesetz gestrichen wird.

Sollte Niedersachsen diesem Beispiel folgen, sieht Florian Rölfing, Sprecher der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) schwere Zeiten für kleine Wildtiere hereinbrechen. Nach seinen Worten sind besonders die Bodenbrüter bedroht, wenn sich streunende Katzen ungehindert vermehren. "Kein Jäger schießt gern eine Katze, doch aus ökologischer Sicht ist das manchmal sinnvoll." Die Einführung einer Katzen-Kastrationspflicht hält Rölfing für wichtig. Doch dies reiche nicht, um dem Problem Herr zu werden. Schließlich würden auch kastrierte Katzen Vögel fressen.

Draußen laufen vier Millionen Katzen herum

In Deutschland gibt es schätzungsweise rund acht Millionen Hauskatzen. Davon haben rund zwei Millionen Miezen freien Auslauf. Weitere zwei Millionen sind als herrenlose Streuner unterwegs. Laut Tierschutzorganisationen erlegen Jäger bundesweit pro Jahr zwischen 300.000 und 400.000 wildernde Katzen.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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