Traube trifft Biene
Zwei Paare gründen Weinberg in Wangersen
- Die vier jungen Winzer (v. li.) Alexander Ernst, Florian Schubert, Maren Schubert sowie Jana Heins
- Foto: Traube und Biene GbR
- hochgeladen von Nicola Dultz
Wo einst Gräser wuchsen, gedeihen jetzt Reben: Inmitten der Geestlandschaft im Landkreis Stade wagen sich vier junge Menschen an ein Projekt, das eher an die Mosel oder an südliche Hänge denken lässt – Weinanbau in Wangersen. Was wie ein Experiment klingt, ist für Florian Schubert (36) und Maren Schubert (33) sowie Jana Heins (35) und Alexander Ernst (37) längst ein Herzensprojekt mit Weitblick geworden.
Wein, Urlaub und eine Idee in der Pandemie
Die Idee entstand in der Coronazeit – ein freies Grundstück und Erinnerungen an Reisen in bekannte Weinanbaugebiete wie die Mosel, Italien und Kanada. Doch die Vision reifte nicht nur in Gedanken: Die vier Freunde, allesamt Autodidakten, begannen auf einem kleinen Testfeld mit 100 Reben zu üben, besuchten Workshops, sammelten Wissen über YouTube, Fachliteratur und Praktika – alles neben ihren Hauptberufen. Denn Florian und Maren arbeiten im Controlling, Jana ist Bautechnikerin und Alexander kaufmännischer Fachwirt.
Im Frühjahr 2024 war es so weit: Die gemeinsame Firma „Traube und Biene - Weinmanufaktur auf der Geest und Imkerei mit Herz“ wurde gegründet, Pflanzrechte beantragt und erste große Schritte gewagt. Da Jana leidenschaftliche Imkerin ist, ziehen ihre sechs Bienenvölker mit auf das neue Feld um.
2.040 Reben in sechs Stunden
Das neu angelegte Feld ist 6.000 Quadratmeter groß, davon 4.000 für Reben, ein weiterer Teil bleibt den Bienen mit Blühstreifen und Wildhecke vorbehalten. Mit 30 Helfern aus Familie und Freunden setzten die vier Gründer kürzlich 2.040 Rebpflanzen in die Erde – jede einzelne mit Handarbeit, Veredelung und dem „Einschlemmen“ mit fünf Litern Wasser, damit sich das Erdreich optimal um die Wurzeln schließt. Nach sechs Stunden war die Mission geschafft.
Durch clevere Beschaffung, etwa von gebrauchten Pfählen, konnten die jungen Winzer bei ihrer Investition einiges sparen. Trotzdem rechnen sie konservativ: Eine Flasche Wein pro Rebe, auch wenn langfristig 1,5 bis 2 Flaschen pro Pflanze möglich sind.
Der Norden kann Wein – mit Verantwortung
Dass das auf der sandigen Geest überhaupt geht, ist kein Zufall. Zwar muss der Boden mit Kalk, Phosphat, Kalium gedüngt und regelmäßig gewässert werden – doch Staunässe, gefürchtet im Weinanbau, ist hier kein Thema.
Auch bei der Wahl der Rebsorten war Sorgfalt gefragt: Alle vier Sorten sind widerstandsfähig gegen Pilze, um das aufwändige Spritzen auf ein Minimum reduzieren zu können – auch zum Schutz der Bienen und Insektten. Gepflanzt wurden:
Solaris – fruchtig und ideal als Sommerwein
Muscaris – erinnert an Muskateller
Sauvinac – mit Riesling-Charakter
Souvignier Gris – ähnlich dem Grauburgunder
Alle Sorten sollen zum Start als trockene Weißweine angebaut werden, was die Gärung für Einsteiger etwas unkomplizierter macht – denn hier ist der Restzuckergehalt nicht so kritisch wie bei lieblichen Varianten.
Viel Arbeit – aber noch mehr Leidenschaft
Die kommenden drei Jahre sind entscheidend: Bis zur ersten Lese braucht es Geduld, viel Engagement nach Feierabend und an den Wochenenden. Dann heißt es: Triebe kontrollieren, wässern, Unkraut entfernen, Reben aufbauen.
Trotzdem ist für Florian und Alexander, die seit ihrer Kindheit befreundet sind und sich unter anderem im Heimatverein engagieren, klar: „Wir wollen etwas für die Region tun.“ Der Weinanbau in Wangersen soll nicht nur ein persönlicher Traum sein, sondern auch einen Beitrag für mehr Vielfalt und Identifikation mit der Heimat.
Ein Weinberg für Generationen
Ein Weinberg ist ein langfristiges Projekt: Ist er einmal angelegt, steht er 25 bis 30 Jahre. Genauso langfristig denken die Gründer von „Traube und Biene“. Sie vereinen Nachhaltigkeit mit Gemeinschaftsgeist, Tradition mit modernem Unternehmertum – und zeigen: Auch im Norden kann Wein wachsen.
Redakteur:Nicola Dultz aus Buxtehude |
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