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Cooles Haus, tolle WG: Junge Frauen mit Handicap wohnen im alten Harsefelder Missionshaus

Katharina macht es sich auf ihrem neuen Sessel bequem
jd. Harsefeld. Wohngemeinschaften liegen voll im Trend - in Städten angesichts galoppierender Mietpreise ohnehin, aber auch auf dem platten Land ist die WG groß im Kommen. Eine ganz besondere WG besteht seit Kurzem in Harsefeld: Dort sind vier junge Frauen mit geistiger Behinderung in das ehemalige Gemeindehaus der katholischen Kirche gezogen. Das Gebäude gehört den Rotenburger Werken, die Menschen mit geistigem und/oder körperlichem Handicap betreuen. WGs haben in dem mehr als 100 Jahren altem Haus Tradition: Vor dem Kauf durch die Behinderten-Einrichtung lebten dort Schwestern der Styler Mission. Die katholischen Ordensfrauen bildeten damals eine "spirituelle" WG.

Katharina ist überglücklich: Die 24-Jährige macht es sich in ihrem neuen Sessel bequem und schaut sich zufrieden lächelnd in ihrem Zimmer um. Für die junge Frau mit Down-Syndrom ist der Einzug in das ehemalige Missionshaus ein weiterer Schritt in die Selbstständigkeit. Sie lebte zunächst am Hauptsitz der diakonischen Einrichtung in Rotenburg und dann rund anderthalb Jahre in der im Herbst 2016 eröffneten Wohnstätte der Rotenburger Werke in Harsefeld.

Nun hat sich Katharina "abgenabelt" und lebt mit zunächst drei Mitbewohnerinnen in der neu gegründeten WG. Zwei Plätze sind derzeit noch frei. Von dem Gebäude mit den hohen Zimmerdecken und den Türen im Art Deco-Stil ist sie begeistert: "Dieses Haus ist einfach cool."

Richtig "cool" fanden Katharina und ihre Drei WG-Genossinnen Saskia, Gabriele und Denise auch die Einweihungsfeier: Die WG-Bewohnerinnen und ihre Betreuerinnen hatten Familien, Freunde und die gesamte Nachbarschaft zu einem Sommerfest eingeladen. Rund 60 Besucher kamen, gratulierten zum Einzug und ließen sich von ihren Gastgeberinnen durch das Haus führen. Bevor die jungen Frauen voller Stolz ihre ersten eigenen vier Wände präsentierten, durchschnitten sie rote Bänder, die vor die Haustür gespannt waren.

Dieser symbolische Schnitt bedeutet für die jungen Frauen auch der Beginn eines neuen Lebensabschnitts: Waren sie zuvor im Elternhaus oder in einer Wohneinrichtung fast rund um die Uhr betreut, müssen sie ihren Alltag künftig in weiten Teilen eigenständig meistern. Dazu gehören Einkaufen, Kochen und selbstverständlich auch Freizeitaktivitäten. Aber es ist ein behutsamer Übergang: In den ersten Monaten bleibt eine der Betreuerinnen noch über Nacht im Haus und sorgt so für ein Gefühl der Sicherheit. Tagsüber gehen die WGlerinnen ohnehin einer geregelten Tätigkeit nach: Sie arbeiten in Behinderten-Werkstätten in Stade und Bremervörde.

"Ein geregelter Tagesablauf ist wichtig, damit die jungen Frauen lernen, für ihr Leben Verantwortung zu übernehmen", sagt Sarah Lechelt, die Leiterin des Betreuungs-Teams: "Aber ich traue ihnen zu, das sie das bestens hinbekommen. Das ist eine ganz tolle Mädchen-WG."
"Wieso Mädchen-WG?", fragt Katharina und runzelt die Stirn: "Wir sind eine echte Frauen-WG."