Jesteburg: Zu wenig Unterricht an der Oberschule
81 Stunden fielen aus
- Die Oberschule Jesteburg gibt es seit 13 Jahren. Seit kurzem heißt sie "Horizonta in den Seeveauen"
- Foto: pöp
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81 Stunden in einem halben Schuljahr - das ist ein Spitzenwert, in negativer Hinsicht! Denn es handelt sich um ausgefallene Unterrichtsstunden in der 7c der "Horizonta in den Seeveauen", der Oberschule Jesteburg. Mutter Nadja Puls ist wütend, denn weitere Fehlstunden sind schon angekündigt. Mit diesen Fehlzeiten könne nicht von einer guten Bildung ausgegangen werden.
"Wir haben uns für diese Schule entschieden, da wir davon ausgegangen sind, dass diese Schule eine gute Alternative zum Gymnasium ist und unserem Sohn die Möglichkeit bietet, mit seinem eigenen Entwicklungsstand zu lernen", erinnert sich Puls. "Die Schule wirkte frisch und die Lehrer nett und motiviert." Nun sei aber ein aktives und kontinuierliches Lernen durch den massiven Unterrichtsausfall fast nicht möglich. Sie fragt sich, wie an der Schule gewährleistet werden könne, dass die Schüler zum Beispiel für das Abitur vorbereitet werden: "Wie kann der fehlende Stoff aufgeholt werden?" Und: "Es muss doch generell möglich sein, Vertretungslehrer vorzuhalten, bei Lehrkräften, die vielleicht etwas häufiger ausfallen. Natürlich ist bekannt, dass wir unter einem Lehrermangel im ganzen Land leiden. Aber es muss auch Lösungspläne geben, wie dafür gesorgt werden kann, dass unsere Zukunft vernünftig beschult werden kann", sagt Nadja Puls.
Sie schrieb an die Schule, ans Kultusministerium, an das Regionale Landesamt für Schule und Bildung in Lüneburg. Immerhin: Die Schule bemüht sich, für mehr Lehrer zu sorgen: Man müsse - wie viele Schulen - mit "defizitärer Unterrichtsversorgung", das heißt: mit zu wenig Lehrerstellen, auskommen, erklärt Iris Strunk, Leiterin der Oberschule. Ansonsten greife ein Vertretungskonzept, mit dem wir den Ausfall bestmöglich ausgleichen. "Trotz aller Bemühungen kann es aber in Einzelfällen zu Ausfall von Unterricht kommen, so auch im ersten Schulhalbjahr geschehen", erklärt Strunk. "Verschärft wurde die Situation durch eine Grippewelle im Januar, die auch das Kollegium erfasst hat."
Doch es gibt offenbar Licht am Ende des Tunnels: Das Regionale Landesamt für Schule und Bildung Lüneburg habe zum neuen Schulhalbjahr eine Vertretungsstelle sowie eine Schulstelle zur Verfügung gestellt, so Strunk. Beide hätten auch erfolgreich besetzt werden können. "Wir gehen aktuell davon aus, im zweiten Schulhalbjahr eine bessere Unterrichtsversorgung zu haben."
Tatsächlich ist die Horizonta-Oberschule in Jesteburg kein Einzelfall. Seit Jahren klagen Eltern immer wieder und an verschiedenen Schulen über massive Unterrichtsausfälle besonders an nicht-gymnasialen Schulformen (das WOCHENBLATT berichtete, s.u.). Über alle Schulformen gerechnet liegt die Unterrichtsversorgung aktuell in Niedersachsen bei 96,9 Prozent, d.h. 96,9 Prozent des vorgesehenen Unterrichtes kann angeboten werden. Diesen Durchschnittswert hat vor Kurzem Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) bekanntgegeben. Allerdings ist die Versorgung mit Unterricht nicht bei allen Schulformen gleich: Am besten versorgt sind die Gymnasien mit durchschnittlich 100,6 Prozent, Oberschulen kommen dagegen nur auf einen landesweiten Durchschnittswert von 92,9 Prozent.
Im Landkreis Harburg sind die Oberschulen mit 87,4 Prozent insofern deutlich schlechter als der Landesdurchschnitt mit Unterricht versorgt, allerdings immer noch besser, als im Landkreis Stade (81,7 Prozent). Im Vergleich zu den Gesamtschulen (98,6 Prozent) und den Gymnasien (98,5 Prozent) im Landkreis Harburg stehen sie ebenfalls schlechter dar, nur an den Förderschulen (79,6 Prozent) ist die Unterrichtsversorgung noch schlechter.
Für welche Fächer fehlen in Niedersachsen besonders viele Lehrer? An Grundschulen sind das laut Auskunft von Manuela Meyer, Sprecherin des Kultusministeriums, Musik, Kunst, Werken, Sport sowie Werte und Normen. Haupt- und Realschullehrer werden besonders für Englisch, Französisch, Musik, Werken, Politik, Werte und Normen, Chemie, Physik, Technik und Informatik gesucht, Gymnasiallehrer für Kunst, Musik, Werte und Normen, Mathematik, Chemie, Physik, Informatik.
Das Problem ist der Fachkräftemangel, bestätigt Manuela Meyer, da es insgesamt zu wenige ausgebildete Lehrkräfte auf dem Arbeitsmarkt gebe. Bisherige Maßnahmen des Ministeriums, um die Unterrichtsversorgung zu verbessern: die Lehrer-Einstiegsgehälter an Grund-, Haupt- und Realschulen wurden angehoben und landesweit 2.460 neuen Lehrerstellen geschaffen. Zum Halbjahresbeginn Anfang Februar konnten so von den 1.160 ausgeschriebenen Stellen (Stand 25. Januar 2025) 858, also 74 Prozent besetzt werden. Um möglichst vielen Lehrern Gelegenheit zur Bewerbung zu geben, blieb das Einstellungsverfahren über den Halbjahresbeginn am 1. Februar hinaus geöffnet.
Weitere Maßnahmen: Zu Ende Oktober 2024 wurde die Hinzuverdienstgrenze für pensionierte Lehrkräfte gestrichen. So soll ein Anreiz gesetzt werden, weiterhin an den Schulen tätig zu sein. Die Einstellungsmöglichkeiten wurden flexibler, um künftig eine Verbeamtung, unbefristete Tarifbeschäftigung oder befristete Verträge mehr an die Wünsche der Bewerber anzupassen, um mehr Menschen für den Lehrkräfteberuf zu gewinnen.
Die sogenannten „Praxislehrkräften“, mit einer Meisterprüfung im Handwerk oder vergleichbarer Berufsausbildung, können zukünftig unter bestimmten Bedingungen auch unbefristet beschäftigt werden. Auch das Geld für die Beschäftigung von Vertretungslehrern an allgemeinbildenden Schulen wurde im Haushaltsjahr 2025 nochmals erhöht – es stehen rund 55 Millionen Euro zur Verfügung.
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