Eine Schnecke feiert Weihnachten

Die Schnecke "Sophia" spielt die Hauptrolle in dem plattdeutschen Schattentheater-Stück "De wiede Weg na Bethlehem", das Luise Hering einstudieren ließ. Ehemann Klaus Hering ist der "Schöpfer" von Sophia
  • Die Schnecke "Sophia" spielt die Hauptrolle in dem plattdeutschen Schattentheater-Stück "De wiede Weg na Bethlehem", das Luise Hering einstudieren ließ. Ehemann Klaus Hering ist der "Schöpfer" von Sophia
  • Foto: Peter Dermühl
  • hochgeladen von Sascha Mummenhoff

"De wiede Weg na Bethlehem": Luise Hering zeigt plattdeutsches Schattenspiel in Harmstorf.

mum. Harmstorf. Draußen fegt ein Sturm die Blätter von den Bäumen; drinnen kriecht die Schnecke "Sophia" zum Christkind. Zwei Monate vor Weihnachten steht Luise Hering im großen Festsaal von "Maack’s Gasthaus" in Harmstorf und führt Regie. Sie dirigiert 14 Mitwirkende vor und hinter der Bühne beim plattdeutschen Schattentheater-Stück "De wiede Weg na Bethlehem". 
Dass bereits seit Sommer ein Weihnachtsspiel geprobt wird, hat mit den Terminen der einzelnen Akteure zu tun. "Ich kriege alle am besten jetzt unter einen Hut", sagt die Regisseurin, während sie noch Anweisungen für ihren Kamera- und Tonmann und den Beleuchter gibt. Bild- und Sprachaufnahmen müssen gut sein, weil Luise Hering die DvD, die gerade entsteht, an ihre Theatergruppe weitergeben wird. Sie möchte, dass sich jeder das 30-Minuten-Stück in Ruhe vornimmt und seine Rolle noch einmal prüft. Bis zum 28. November muss alles sitzen. Dann wirft die Schnecke "Sophia" zur Premiere ihre Schatten. Danach geht die Theatergruppe zur Vorweihnachtszeit auf Tournee durch den Landkreis.
Üblicherweise organisiert die 77 Jahre alte Hittfelderin die "Plattdeutsche Runde". Ein Kreis, der von den Resten der Heimatkultur im Umland zu retten versucht, was noch zu retten ist, bevor weiß-blaue Oktoberfest-Kopien für norddeutsches Brauchtum gehalten werden. Aus besagter Runde ist vor Jahren eine Theatergruppe entstanden, mit heißer Liebe für Stoffe in der Sprache Norddeutschlands.
Drei Bühnenbauer legen Hand an, elf Frauen schauspielern. Die Jüngste ist 70 Jahre alt. Die Älteste heißt Annemie Nitsche, zählt 94 Jahre und leiht im Schattentheater ihre sehr klare Stimme der Hauptfigur Sophia, in bestem Platt versteht sich. Ihre Mitspielerinnen schlüpfen in die Rollen von Esel, Hirte, Wolf, alter Frau, Schaf und Ochse - alles Figuren, mit denen die Schnecke auf ihrem Weg nach Bethlehem pfiffige Dialoge mit ordentlich Tiefgang führt. Drei weitere Frauen schieben vor einer Lichtquelle in sanftem Orange nach Regieanweisung von Luise Hering die schattenwerfenden Holz-Figuren an langen Stangen über die Bühne - Schattentheater nach uralter Tradition eben.
Auf die Abenteuer des Schneckentieres ist die Hittfelderin 2013 beim Besuch einer Weihnachtsfeier in einem Pflegeheim in ihrer Heimatgemeinde gekommen. Damals schon war das Buch der Augsburger Kinderbuchautorin Annegert Fuchshuber ein beliebter Stoff für Aufführungen zum Fest. Aber erst durch die Übersetzung ins Plattdeutsche, von Luise Hering detailversessen fertiggestellt, wurde das Stück zu einem norddeutsch-heimatlichen Kultur-Leckerbissen.

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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