Externe wissenschaftliche Forschung zur Rolle Johann Bossards zur NS-Zeit soll 2021 beginnen
Kunststätte Bossard: umstrittenes Hakenkreuz wird übermalt

Hakenkreuz oder Sonnenrad? Das umstrittene Motiv im Fußboden des Edda-Saals der Kunststätte Bossard soll jetzt übermalt werden
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as. Jesteburg. War der Künstler Johann Bossard ein Nazi oder nicht? Die Stiftung der Kunststätte Johann und Jutta Bossard plant jetzt, den Auftrag für ein Gutachten zur Rolle Johann Bossards in der NS-Zeit an eine unabhängige Forschungsinstitution zu vergeben. Die Forschungsarbeiten könnten in der ersten Jahreshälfte des kommenden Jahres beginnen.

Auch was das Hakenkreuz im Mosaikfußboden des Edda-Saals in der Einrichtung in Jesteburg angeht, gibt es neue Entwicklungen. Wie berichtet, hatte die Kunststätten-Leitung das Nazi-Symbol mit einem Schmutzabtritt abgedeckt, nachdem die Staatsanwaltschaft Ermittlungen angekündigt hatte. Jetzt soll es übermalt werden!

Der Stiftungsrat hat nach langer Diskussion mehrheitlich beschlossen, bei der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Harburg einen Antrag auf Veränderung des Mosaiks im Fußboden des Edda-Saals zu stellen. Diesem Antrag wurde inzwischen entsprochen: Das Hakenkreuz wird übermalt.

In der Pressemitteilung der Kunststätte liest sich das so: "Die aktuelle Kreuzform wird optisch mittels einer Farbfassung einzelner Kacheln im lokalen Umgebungston aufgelöst. Die Farbe ist reversibel und wird von einer Restauratorin aufgetragen." Gleichzeitig soll auf die vorgenommene Veränderung hingewiesen werden und auch erläutert werden, dass diese Maßnahme insbesondere aus Respekt vor Zeitzeugen und Nachfahren von Verfolgten des NS-Regimes vorgenommen wurde.

Kritik an der Maßnahme gibt es von dem CDU-Kreistagsabgeordneten Dr. Jörn Lütjohann, der bereits im Dezember 2019 auf die Problematik der öffentlichen Ausstellung des Hakenkreuzes im Edda-Saal hingewiesen hatte. Das Kreuz zu übermalen, sei nur eine Scheinlösung, ja ein Schildbürgerstreich. "Was verdeckt wird, wird immer auch versteckt. Was versteckt wird, wird immer auch geschützt. Ein Hakenkreuz verdient keinen Schutz. Es verdient keinen Denkmalschutz und auch keine schützenden Anstriche", so Lütjohann deutlich.

Bisher wurde unter der Leitung der scheidenden Kunststättenleiterin Dr. Gudula Mayr zur Rolle Bossards in der NS-Zeit geforscht und erste Ergebnisse im Jahr 2018 mit einer Ausstellung an der Kunststätte und einer Veröffentlichung in Form eines Ausstellungskataloges und der Veröffentlichung der theoretischen Schriften Johann Bossard der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Ein weiterer Schritt der Aufarbeitung soll nun mit dem externen Gutachten erfolgen. Beabsichtigt ist, dass der neu gegründete Kulturausschuss des Landkreises Harburg möglichst zeitnah unter Berücksichtigung der Pandemielage eine Entscheidung darüber trifft, welche Institution mit welchen konkreten Fragestellungen beauftragt werden soll. Unter anderem soll dabei auch die Frage der von Bossard verwendeten Symbolik einer weiteren Überprüfung unterzogen werden. "Der Stiftungsrat ist sich bewusst, dass dies nur ein erster Teil der beabsichtigten Aufarbeitung sein kann", heißt es in der Pressemitteilung. Die Ergebnisse der geplanten Forschung sollen in jedem Fall maßgeblich in die künftige Neuausrichtung und Konzeption der Kunststätte einfließen.

Und noch etwas ist an der Kunststätte in Planung: Um die Prozesse der Aufarbeitung vor Ort zu begleiten, wird es im kommenden Jahr, sobald die Corona Hygieneregeln es zulassen, an der Kunststätte Bossard eine neue Veranstaltungsreihe geben, die aus Podiumsdiskussionen und sogenannten Ateliergesprächen bestehen wird. Unter dem Titel „Reden wir über Bossard“ diskutieren Fachleute unter anderem über die Rolle von Kunst und Kultur im Spannungsfeld von Politik und Zeitgeschichte oder über Fragen des Denkmalschutzes. Die Termine werden rechtzeitig unter www.bossard.de bekannt gegeben.

Kommentar:
Kosmetik - mehr nicht

Das Hakenkreuz im Edda-Saal sprichwörtlich unter den Teppich zu kehren und einen Schmutzfang darüber zu legen, war schon nicht glücklich. Jetzt Teile des Nazi-Symbols zu übermalen, ist mehr als fragwürdig. Es zeigt, dass es hier, allen Lippenbekenntnissen zum Trotz, mehr um Kosmetik als um Aufarbeitung geht. Daran kann auch ein Hinweis auf die vorgenommenen Änderungen nichts ändern.

Die Hinweise auf die umstrittene Rolle Johann Bossards im Nationalsozialismus zu verstecken und das mit Respekt gegenüber den Zeitzeugen und Nachfahren Verfolgter des NS-Regimes zu erklären, grenzt an Hohn. Die Verwendung und das Zeigen des Hakenkreuzes als verfassungsfeindliches Symbol ist erlaubt, wenn es zum Zweck der Aufklärung geschieht. Doch genau das scheint man in Jesteburg nicht zu wollen. Anke Settekorn

Autor:

Anke Settekorn aus Jesteburg

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