„Sie nehmen uns unsere Ängste!“

Das Foto zeigt eine Visualisierung der Gasverdichtungsanlage in Brackel.  Rechts im Bild ist die Autobahn 7 zu erkennen
3Bilder
  • Das Foto zeigt eine Visualisierung der Gasverdichtungsanlage in Brackel. Rechts im Bild ist die Autobahn 7 zu erkennen
  • Foto: Gasunie Deutschland
  • hochgeladen von Sascha Mummenhoff

Viel Lob für ihre Transparenz gab es jetzt für die Gas­unie Deutschland. Wie berichtet, plant das Unternehmen eine Gasverdichtungsanlage bei Brackel - will 180 Mio. Euro investieren. Gasunie kündigte bei einer Informationsveranstaltung an, einen externen Sachverständigen einzusetzen.

mum. Brackel. „Ihre erste Informationsveranstaltung im Juni war schlecht“, begann Necdet Savural, der für die CDU im Samtgemeinderat und im Kreistag aktiv ist, sein Fazit über die zweite Infoveranstaltung der Gasunie Deutschland am Mittwochabend in der Brackeler Festhalle. „Doch diesmal haben sie aus meiner Sicht alles richtig gemacht. Sie gehen auf uns Bürger zu, sind transparent und nehmen uns unsere Ängste. Dafür möchte ich ihnen danken“, so Savural.
Wie bereits mehrfach berichtet, plant das Unternehmen 187,5 Millionen Euro in eine Gasverdichtungsanlage nahe der Autobahn 7 - unweit der Abfahrt Thieshope - bei Brackel zu investieren. Gasunie-Sprecher Dr. Philipp von Bergmann-Korn hatte gleich zu Beginn der Versammlung, zu der etwa 100 Anwohner gekommen waren, mehrere Entscheidungen vorweggenommen, die nahezu allen Kritikern die Luft aus den Segeln nahmen. Wichtigste Aussage: „Wir werden die Anlage nicht wie geplant mit Gas betreiben, sondern elektrisch“, so der Sprecher. Das hat erhebliche finanzielle Konsequenzen für Gasunie. „Wir rechnen mit jährlichen Mehrkosten in Höhe von 30 Millionen Euro“, so von Bergmann-Korn. „Die Entscheidung, die Verdichterstation mit einem E-Antrieb zu planen und zu betreiben, sehen wir als ernst gemeintes Angebot für eine faire Lösung. Aus vielen Gesprächen haben wir mitgenommen, dass die Frage der Antriebsenergie und die damit verbundene Kritik an einer zusätzlichen Umweltbelastung des Lebensraumes die Leute in Brackel bewegt.“ Nach Bekanntwerden der Gasunie-Pläne hatte sich die Bürgerinitiative „Gas-so-nie“ gegründet (das WOCHENBLATT berichtete). Wesentlicher Kritikpunkt der Gegner war der CO2-Ausstoß der Anlage. Sprecher Klaus Weisenberg hatte errechnet, dass die Station pro Jahr bis zu 120 Millionen Kubikmeter Gas benötigt. Mit der Entscheidung für den E-Antrieb ist diese Kritik vom Tisch.
Bergmann-Korn hatte noch zwei weitere Zugeständnisse im Gepäck. Unter anderem wird das Unternehmen eine Art „gläserne Akte“ im Internet einrichten. Dort sollen alle verfügbaren Dokumente zur geplanten Anlage - unter anderem auch Gutachten - eingestellt werden. „Wir wollen damit erreichen, dass die Bürger stets informiert sind und wissen, was wir hier machen“, so von Bergmann-Korn. Außerdem hat sich Gasunie Deutschland bereit erklärt, den Bau der Anlage von einem unabhängigen Sachverständigen begleiten zu lassen. Die Kosten für beide Vorschläge wird das Unternehmen tragen. Bergmann-Korn lobte in diesem Zusammenhang die Gespräche mit Samtgemeinde-Bürgermeister Olaf Muus. Er habe auf die Möglichkeiten der transparenten Bürgerbeteiligung hingewiesen.

Im Zuge der Versammlung beantworteten die Gasunie-Experten viele Fragen:

• Geplant ist der Erwerb von elf Hektar Land, davon werden 9,6 Hektar eingezäunt. Etwa 25 Prozent der Fläche wird versiegelt. Während der Bauphase wird Gas­unie weitere sechs Hektar Fläche anmieten (unter anderem als Materiallager).
• Die Erschließung erfolgt über die Autobahn 7 (Abfahrt Thieshope) und die Landesstraße 215.
• In den ersten zwei Monaten der Bauphase rechnet Gasunie mit bis zu 100 Schwerlastfahrzeugen am Tag. Im Anschluss folgen über einen Zeitraum von zwei Jahren bis zu 20 Lkw am Tag. Im Betrieb werden es höchstens zehn Pkw sein.
• Während der Bauzeit wird nicht nachts gearbeitet.
• Methanemissionen aus dem Regelbetrieb werden grundsätzlich vermieden.
• Die Anlage ist nicht dafür bestimmt, Gas aus Fracking-Förderung zu transportieren.
• Die Vorprüfung ergab mehrere bekannte archäologische Funde im Umfeld, deshalb sind im Hinblick auf die Baudurchführung Voruntersuchungen vor Ort durchzuführen.
• Die Auswertung bekannter Informationsquellen ergab keine bekannten Kampfmittel-Funde.
• Bauzeitliche Kollisionen zwischen dem Ausbau der Ortsumgehung Thieshope und der Autobahn-Anschlussstelle mit dem Projekt sind aktuell nicht zu erwarten.
• Die Abstimmungen mit dem Segelflugplatz Holtorfsloh wurden aufgenommen. Nach ersten Einschätzungen gibt es keine Interessenskonflikte.
• Die Zusammenstellung der Genehmigungsunterlagen soll bis Februar 2017 erfolgen.
• Die Anlage soll im Januar 2020 an Netz gehen.
• Am Freitag, 11. November, fand nach Redaktionsschluss eine weitere Info-Veranstaltung im Schützenhaus in Ohlendorf statt. Die Seevetaler Gemeinde grenzt an das zukünftige Gasunie-Areal.

Lesen Sie auch:
Gasunie: „Wir gehen auf die Bürger zu!“

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

Politik
Nach dem Verzicht von Thomas Grambow (kl. Foto) soll nun Björn Protze antreten

Politiker aus Neu Wulmstorf führt persönliche Gründe für Verzicht an
SPD-Schock: Thomas Grambow zieht Landrats-Kandidatur im Landkreis Stade zurück

jd. Stade. Schock für die SPD: Ihr Kandidat für die Landratswahl im Landkreis Stade wirft das Handtuch. Der Neu Wulmstorfer Kommunalpolitiker Thomas Grambow (57) will nun doch nicht für das Amt kandidieren. Für seinen Verzicht führt er persönliche Gründe an.    Der CDU-Politiker Kai Seefried muss sich nun auf einen neuen Gegenkandidaten einstellen. Nach WOCHENBLATT-Informationen will jetzt der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, Björn Protze, gegen Seefried antreten. Die Kandidatur des...

Panorama

Pandemie
Landkreis Harburg plant Corona-Impfzentren in Buchholz und Winsen

(ts). Der Landkreis Harburg wird zwei Corona-Impfzentren einrichten. Vorgesehen sind die Schützenhalle in Buchholz und die Stadthalle in Winsen. Diese Standorte hat die Kreisverwaltung der Landesregierung vorgeschlagen. Das Land prüft nun die Konzepte und entscheidet. Bis zum vergangenen Montagabend mussten die Landkreise in Niedersachsen die möglichen Standorte dem Innenministerium melden. Die Landesregierung hat das Ziel, dass die Infrastruktur für die Corona-Impfungen in den Landkreisen bis...

Politik
Die Zeit der Baustellen ist vorbei. Doch zufrieden sind in Dammhausen noch nicht alle mit den Ergebnissen der jahrelangen Baumaßnahmen

Nach Bauarbeiten ist noch nicht alles optimal
In Dammhausen sind wieder die Raser unterwegs

tk. Dammhausen. Der neue Rad- und Fußweg in Dammhausen samt ebenfalls neuer Bushaltestellen und runderneuerter Kanalisation ist fertig, der Kreisverkehr an der Einmündung nach Jork bzw. Neukloster ist wiederhergestellt. Sind die Dammhauser jetzt, nach Jahren des Baus und vielen Verzögerungen, wunschlos glücklich? Das ist nicht der Fall, wie Ortsvorsteher Thomas Sudmeyer (SPD) erklärt. Er und Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) Dammhausen wünschen sich vor allem vom Landkreis noch...

Service

Am Dienstag, 1.12., 115 aktuelle Corona-Fälle
Maske tragen: Corona-Ampel im Landkreis Stade weiter auf Rot

jd. Stade. Tendenz fallend beim Inzidenzwert: Nach Angaben des Landes beträgt der Inzidenzwert für den Landkreis Stade 56,7 (Stand von Dienstag, 1. Dezember). Damit steht die Corona-Ampel weiter auf Rot. Für einige Straßen und öffentliche Plätze gilt laut Allgemeinverfügung des Landkreises die Pflicht, eine Maske (Mund-Nasen-Schutz) zu tragen.  Die Gesamtzahl der Corona-Infizierten im Landkreis Stade wird vom Land mit 1.041 Personen angegeben.  Die Dunkelziffer der Corona-Infizierten dürfte...

Politik
Wenn es nach der Gemeindeverwaltung geht, stehen diese Schilder bald in Stelle   Foto: thl

Stelle: Aldi-Zentrallager vor Entscheidung

Verwaltung gibt in Vorlage für Fachausschuss Empfehlung für die Ansiedlung des Zentrallagers vor thl. Stelle. Jetzt beginnt der Endspurt! In seiner Sitzung am Mittwoch, 9. Dezember, soll der Ortsentwicklungsausschuss der Gemeinde Stelle dem Rat eine Empfehlung für die Ansiedlung des Aldi-Zentrallagers im Gewerbegebiet Fachenfelde-Süd aussprechen. Die Vorgabe der Verwaltung ist eindeutig: "Der vorhabenbezogene Bebauungsplan 'Sondergebiet Logistikzentrum Fachenfelde-Süd' (...) bestehend aus...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen